Bedruckte Welt


72 Prozent der Zeitungsleser heben Prospektbeilagen auf oder nehmen sie zum Einkaufen mit ins Geschäft. Jüngere Menschen nutzen dieses Angebot sogar noch häufiger als ältere.

7:30 Uhr: Beim Frühstück blättere ich die Zeitung durch und schüttele die Beilagen heraus. Ich mag diese Werbeprospekte, die mir die schöne neue Warenwelt vor Augen führen, selbst wenn ich eigentlich gar nichts brauche. Aber meistens fällt mir bei der Durchsicht der bunten Blättchen auf, was im Haus noch fehlt, dringend ersetzt werden müsste oder sich perfekt als Geschenk für irgendjemanden eignen würde. Jetzt zum Beispiel schlägt ein Gartencenter vor, den Balkon zu verschönern, was unserer wirklich unbedingt nötig hätte ... Ich habe leider keine Zeit mehr, länger darüber nachzudenken, denn das Kind muss in den Kindergarten und ich zur Arbeit.

8:05 Uhr: Von der Erzieherin im Kindergarten bekomme ich noch eine Broschüre über Verkehrserziehung im Vorschulalter in die Hand gedrückt und renne zur U-Bahn. Mein Abgleich von Fahrplan und Uhr ergibt, dass die Bahn in exakt einer Minute fahren müsste, was sie leider nicht tut. Sie ist nämlich noch gar nicht da. Sie kommt auch nicht – und führt damit das großflächige Werbeplakat der örtlichen Verkehrsbetriebe, das an der Haltestelle gegenüber hängt, ad absurdum: „Entspannt und pünktlich ankommen – mit der Stadtbahn.“ Haha.

Am Ende der Kampagne „Außenwerbung trifft jeden“ des FAW Fachverband Außenwerbung konnten sich 45 Prozent der Befragten an die Werbung erinnern, 71 Prozent erkannten sie wieder.

Acht Minuten später läuft die Bahn doch noch ein und zwei Haltstellen später steigt auch noch der unvermeidliche Kontrolleur zu. Ich durchwühle meine Geldbörse und finde schließlich irgendwo zwischen Führerschein und Büchereiausweis meine Monatskarte, die ich dem strengen Herrn unter die Nase halte.

Papiergebundene Führerscheine werden zunehmend durch widerstandsfähige Kunsstoffkarten ausgetauscht, meist im Steckkartenformat. Die Berliner Bundesdruckerei produziert bereits seit 1999 den europaweit gültigen EU-Kartenführerschein für die Bundesrepublik Deutschland.

Die Studie "Wirksamkeitskontrolle der Verkehrsmittelwerbung" des FAW bestätigt die hohe Medialeistung von Buswerbung: mindestens einmal pro Woche wird über die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung erreicht.

Dann stürze ich aus der U-Bahn, um meinen Anschlussbus noch zu kriegen. Dank der achtminütigen Verspätung sehe ich den Bus allerdings nur noch von hinten. Ich kann grade noch lesen, dass mich im „Fun Park“ der „echt irre Freizeitspaß für die ganze Familie“ erwarten würde, bevor er um die Ecke biegt. Vorige Woche fuhr er noch Werbung für eine Optikerkette spazieren und versprach „optimalen Durchblick“ auf den mit Lochfolie verklebten Fenstern.

Gedruckte Werbung auf Brötchentüten wirkt durch Kontaktegüte durch Sinnesmannigfaltigkeit (sehen, fühlen, hören, riechen), mit fünf bis acht Kontakthäufigkeiten höher als bei anderen Printmedien.

Nachdem ich keine Lust habe, auf den nächsten Bus zu warten, laufe ich eben das letzte Stück ins Büro. Ein bisschen Bewegung soll ja nicht schaden. Außerdem komme ich auf dem Weg am Bäcker vorbei und kann mir gleich für mittags ein Käsebrötchen mitnehmen. Und vielleicht noch eine Quarktasche? Ich finde, ich habe sie mir verdient. „Darf ich das zusammen einpacken“, fragt die Verkäuferin treuherzig. Nein, darf sie nicht. Ich will weder den süßen Quark auf meinem Camenbert haben, noch soll mein süßes Teil heute Nachmittag nach Käse schmecken. Ich erreiche also das Büro mit zwei Bäckertüten, einer Blase am Fuß und einer halben Stunde Verspätung.

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