Bedruckte Welt


Dann noch in den Supermarkt. Bunte Deckenabhänger weisen mich auf Sonderangebote hin. An den Regalen versuchen so genannte Wobbler – der Name ist Programm: die wobbeln wirklich – meine Blicke auf sich zu ziehen: „Bio“ steht auf manchen oder „Discount“, wenn’s besonders billig sein soll. Ansonsten lasse ich mich ganz klassisch von den Verkaufsverpackungen leiten. Und weil ich heute ohne Kind unterwegs bin, entscheide ich mich für die Produkte mit dezentem, zurückhaltendem Design. Die zartgrüne Bio-Milch, das zuckerfreie Müsli, das nur mit seinem vollem Korn wirbt und eben nicht mit der schreiend bunten Verpackung mit Glitzer, Glanz und Gloria, die mein Junior bevorzugen würde. Ich kaufe auch nicht die abgepackten Knackwürstchen mit Bärchen auf der Packung oder den Käse mit den hübschen Kleeblättern, sondern Frischware von der Wurst- und Käsetheke. Von den Aufdrucken auf Wurstpelle und Käserinde lasse ich mir Vorschläge fürs Abendessen machen.  

An der Kasse lachen mich in einer adretten Präsentationsbox Schokoriegel an. Mit leerem Magen sollte man nicht einkaufen gehen, das ist immer gefährlich. Der Widerstand gegen Gelüste tendiert gegen Null. Der Schokoriegel wandert also auch noch in den Einkaufswagen und wechselt im Tausch gegen 70 Cent den Besitzer. Um keine Spuren zu hinterlassen, wird er sofort vertilgt und die Einwickelfolie im Mülleimer des Supermarkts entsorgt. Mit einem Kassenzettel über stolze 58,27 Euro und einer Einkaufstüte (aus Papier selbstverständlich, der Umwelt zuliebe) verlasse ich den Laden.

Kassenzettel sind auf Thermopapier gedruckt, die mit Bisphenol A (BPA) beschichtet sind. In Großbritannien ist es weit verbreitet, Kassenbons beidseitig zu bedrucken, um Papier und Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen.

18:30 Uhr: Zu Hause angekommen, hat der Rest der Familie bereits den Tisch fürs Abendessen gedeckt und wartet gespannt auf meine Ausbeute. Ich selbst habe gerade noch eine kontroverse Diskussion mit meinem inneren Schweinehund darüber, ob ich jetzt wirklich noch mit meiner Freundin zum Tennisspielen gehe oder mir eine möglichst glaubhafte Ausrede einfallen lassen darf. Ich argumentiere mit dem ungeplanten Schokoriegel und der Quarktasche und der Schweinehund gibt klein bei. Bevor ich gehe, werfe ich noch einen Schwung T-Shirts in die Waschmaschine, darunter auch der völlig verdreckte Lightning McQueen. Wann erfindet eigentlich jemand Textildruckfarbe mit Lotus-Effekt?

Täglich bis zu 15000 Shirts bedruckt ein Unternehmen der Textildruckindustrie. Zum Einsatz kommen dabei Sieb-, Transfer-, Sublimations-, sowie Digital-Direktdruck.

19:10 Uhr: Nach den ersten zehn Minuten des Spiels bereue ich den Sieg über meinen Schweinehund zutiefst, denn ich schnaufe wie eine Dampflok. Meine deutlich besser trainierte Freundin knallt mir die gelben Filzbälle um die Ohren, dass es nur so pfeift.

Der Tennisball-Logodruck erfolgt im Sieb- oder Transferdruck. Immer häufiger lassen Firmen die Bälle auch mit ihrem eigenen Logo zu Werbezwecken individuell bedrucken.

20:30 Uhr: Beim anschließenden Getränk an der Bar der Tennishalle fällt mein Blick auf das Werbeplakat eines Fitnessclubs: „Mehr Power“ verspricht mir die junge Blonde mit dem herzlichen Perlweiß-Lächeln, wenn ich jetzt sofort Mitglied werde. Angesichts meiner Performance eben auf dem Tennisplatz sollte ich das vielleicht ernsthaft in Betracht ziehen. Meine Freundin gibt allerdings zu bedenken, dass allein der Besitz einer Mitgliedskarte des Fitnessclubs noch aus niemandem eine Sportskanone gemacht habe.

Laut Bundesumweltamt wurden im Jahr 2014 rund 15 Mio. Tonnen Altpapier gesammelt. Dies entspricht einer Altpapierrücklaufquote von rund 74 Prozent.

22:00 Uhr: Auf der Heimfahrt fängt es an, wie aus Kübeln zu gießen. Dass ich keinen Parkplatz vor dem Haus finde, muss irgendwie mit Mur­phy und seinem Gesetz zusammenhängen. Ich halte mir das Anzeigenblatt, das noch auf dem Beifahrersitz liegt, über den Kopf und lege die vierhundert Meter bis zur Haustür im Laufschritt zurück. Trotzdem bin ich bis auf die Haut nass und in meinen Schuhen schwappt es. Zu Hause finde ich meinen Mann schlafend vor dem Fernseher, die Fernsehzeitschrift in der einen, die Fernbedienung in der anderen Hand. Das Kind schläft ebenfalls friedlich in der Yoda-Bettwäsche. Auf dem Küchentisch liegt noch die Post von heute mit Telefonrechnung, dem Werbemailing einer Drogeriemarktkette und dem Flyer eines Pizzaservices in der Umgebung und daneben – der Elektronikmarktprospekt.

In einer Umfrage der VuMA haben über 60% angegeben, mindestens einmal in der Woche Anzeigenblätter zu lesen. 25% der Bevölkerung lesen einmal pro Woche die Prospekte/Handzettel im Briefkasten. Am häufigsten werden Prospekte oder Beilagen aus Tageszeitungen angeschaut.

Um eines der Notebooks auf der ersten Seite ist mit schwarzem Filzstift ein Kringel gemalt, daneben ein Smiley. Die Entscheidung für den neuen Computer ist also gefallen. Ich ziehe mir zunächst mal trockene Sachen an, dann nehme ich mir noch mal das Anzeigenblatt von heute Mittag vor und stopfe mit dem Stellenmarkt meine Schuhe aus. Den Immobilienmarkt halte ich noch einmal zurück. Ich habe gelesen, dass in unserer Nähe eine Garage vermietet werden soll. Meine Sorge um Printprodukte ist verflogen.

Übrigens: In diesem Text sind 61 verschiedene Printprodukte erwähnt.

Seite « 1 | 2 | 3 | 4
Anzeige

Firmen-Suche


Weiterempfehlen Drucken Heft-Abo

Leserkommentare

Noch keine Kommentare. Geben Sie den Ersten ab!

print.de-News jetzt auch per Whatsapp

Druck&Medien Awards 2017 - die Gewinner

Die besten Events von print.de – Jetzt Tickets ordern!

Jetzt NEU

Die print.de-Karte der wichtigen Branchenkontakte

Mehr Details zu den einzelnen Anbietern in Ihrer aktuellen Ausgabe des Deutschen Druckers unter Service/Das Branchenverzeichnis A-Z
mehr

Top-Themen

Geschäftsführer Christian Aumüller (Aumüller Druck) hinterfragt den ökologischen Sinn von Forstwirtschaftszertifikaten für Druckereien.

"Fürs FSC/PEFC-Zertifikat werden Druckereien ordentlich gegängelt!"

Am Rande eines Interviews mit „print.de“ über das Engagement der Industriedruckerei Aumüller Druck in Regensburg in Sachen betrieblicher Umweltschutz berichtete Geschäftsführer Christian Aumüller über seine jahrelangen Praxiserfahrungen mit der FSC/PEFC-Zertifizierung und hinterfragt deren Sinnhaftigkeit für die Druckindustrie.
mehr

Ganz so unbedeutend ist die Druckbranche gar nicht

Wenn das Geschäft einer Druckerei nicht mehr auskömmlich ist, hört man immer wieder dieselben Begründungen: „Das Internet macht uns das Leben schwer.“ Oder: „Wegen des ruinösen Preiskampfes haben wir keine Chance.“ Warum solche negativen Statements der Printbranche nicht gerecht werden und warum Zeitschriften als Premiumprodukte auch häufiger als alle zwei Monate erscheinen können, erläutert Bernhard Niemela, Geschäftsführer Deutscher Drucker.
mehr

Aktuell bei Top 10

Die 10 besten Schriften 2016

Das sind die 10 besten Schriften des Jahres 2016 – zumindest wenn es nach der britischen Type Foundry "HypeForType" geht. Das britische Versandhaus für Schriften hat die aus seiner Sicht besten Schriften des vergangenen Jahres gekürt.
mehr

Druck&Medien Awards 2017 – Get-together und Dinner

Druck&Medien Awards 2017 – Die Verleihung

Umfrage

Planen Sie, 2018 neues Personal einzustellen?

Jetzt abstimmen

Kommentare

Services

Bitte warten...