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Der Prüfstein für die Branche

Bosch-Druck nimmt neue Inkjet-Produktionslinie "inkfinity" in Betrieb
 

Ludwig Gschwendtner, Product Support Specialist von Canon (l.) und Bosch-Druck-Geschäftsführer Dr. Rüdiger Schmidt an den Wendestangen der Magnum Flexbook, die aus der Papierbahn vorverleimte Buchblocks erstellt.

Dem Inkjetdruck gehört die Zukunft, war sich das Gros der Branche nach der Drupa 2012 sicher. Doch einen richtigen „Big Bang“ hat es seither nicht gegeben. Mit der Océ Imagestream 3500 könnte sich das nun allerdings ändern. Denn die Inkjet-Rotation hat dank ihrer Auflösung, Leistung und Medienvielfalt das Zeug, den Offsetdruck-Markt ordentlich durcheinander zu wirbeln, ist man sich beim weltweiten Erstanwender Bosch-Druck in Ergolding sicher.

Mehr als 19 Millionen Klicks sind seit der offiziellen Inbetriebnahme der Océ Imagestream bei Bosch-Druck Mitte April auf dem Zähler der Inkjet-Rotation gelandet – umgerechnet rund 60 Millionen A4-Seiten, Stand 1. Juli 2015. Eine beachtliche Zahl für nicht einmal drei Monate Laufzeit – und am Ende doch nicht überraschend. Denn die Investition in „inkfinity“, wie das Unternehmen die neue Produktionslinie getauft hat, war von der Geschäftsleitung um Dr. Rüdiger Schmidt von langer Hand geplant und vorbereitet. „Man darf heute nicht mehr warten, bis die Maschine steht“, so Schmidt. „Wer investiert, muss parallel dazu ein Vertriebskonzept entwickeln.“ Das gelte umso mehr für Maschinen, die – wie die Océ Imagestream 3500 – wahre „Seitenfresser“ sind. Denn eine Kapazität von rund 170000 A4-Seiten pro Stunde will erst einmal ausgelastet werden.

Mit Originalmustern aus Japan bepackt, hat das damals drei-, heutige vierköpfige Außendienst-Team schon vor vielen Monaten die Werbetrommel für den Inkjetdruck von der Rolle gerührt und so für einen auftragsmäßig stabilen Einstand der Océ Imagestream gesorgt. Für unnötig langwierige Einrichteprozesse blieb da wenig Zeit – „es kamen quasi immer wieder ‚echte‘ Aufträge ‚dazwischen‘“, erinnert sich Ludwig Gschwendtner vom technischen Support bei Canon – und das habe der Maschinentechniker bisher noch nicht erlebt. Nur wenige Wochen nach dem Start läuft „inkfinity“ bereits stabil ein-, oft auch schon zweischichtig. Bis Ende des Jahres soll sie konstant zwei-, nach Möglichkeit dreischichtig betrieben werden. Außerdem will Bosch-Druck den Anteil des Digitaldrucks am Unternehmensumsatz von derzeit 35 Prozent auf 50 Prozent Ende 2016 steigern.

„Inkfinity“

Mit der Océ Imagestream 3500, dem Herzstück der neuen „inkfinity“-Produktionslinie, ist es erstmals möglich, auch matt- und glanzgestrichene Standard-Offsetpapiere zu bedrucken – und zwar ganz ohne Vorbehandlung und Grundierung, auf einer Bahnbreite von bis zu 76 cm, mit einer Auflösung von 1200 x 1200 dpi und alles zusammen bei voller Maschinengeschwindigkeit von 160 m/min (umgerechnet rund 9,6 km/h). „Die Océ Imagestream 3500 liefert die beste Inkjetqualität, die es derzeit auf dem Markt gibt“, fasst Dr. Rüdiger Schmidt die ersten Erfahrungen mit der Inkjet-Rolle zusammen. Gerade bei bisher problematisch bis unmöglichen Aufträgen – nämlich die auf gestrichenen Offsetpapieren – überzeuge die Maschine.

 
 

Maßgeblich für die Qualität verantwortlich sind die neu entwickelten 1200-dpi-Druckköpfe von Kyocera sowie die dazugehörigen wasserbasierenden Pigmenttinten. Diese gehen eine Reaktion mit dem Papierstrich ein; darum ist ein Primern nicht mehr notwendig. Aufgrund der winzigen Tröpfchengröße von nur 2 pl, gelangt zudem weniger Feuchtigkeit aufs Papier, es kann schonender getrocknet und muss selten überhaupt noch rückbefeuchtet werden. Das Druckprodukt dankt es mit einer sehr guten Planlage.

Ausgerichtet ist die neue Produktionslinie auf die Broschürenfertigung. Sie umfasst neben der Inkjet-Rollenmaschine eine Flexbook-Anlage von Magnum. Dort wird die Papierbahn entsprechend der Nutzen geschnitten, die einzelnen Seiten zu-sammengetragen und als vorverleimte Buchblöcke ausgegeben. Dank der Rollenbreite von 76 cm, auf der drei A4-Seiten nebeneinander Platz finden, können bei maximaler Leistung immer drei Buchblöcke gleichzeitig ausgegeben werden – jedes mit einem individuellem Inhalt. Damit ist die neue Inkjet-Rolle um ein vielfaches produktiver als die der bei Bosch-Druck vorhandenen Flüssigtoner-Rollenmaschinen. Der Faktor liegt laut Schmidt im zweistelligen Bereich.

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