Der Prüfstein für die Branche


Hinter der Imagestream, die zur Steigerung der Betriebsdauer langfristig auch mit einem automatischen Rollenwechsel ausgestattet werden soll, und der Magnum Flexbook steht der Klebebinder KM 200 von Kolbus bereit. Dieser wird derzeit zwar nearline betrieben, soll aber spätestens im Herbst an die Produktionslinie angeschlossen werden, sodass die Inlineproduktion nicht beim Buchblock, sondern beim klebegebundenen, fertigen Produkt endet.

Um sich die Flexibilität in der Weiterverarbeitung dennoch zu erhalten, hat Bosch-Druck zudem in einen Unwinder UW8 von Hunkeler investiert, mit dem die bedruckte Papierbahn aufgewickelt und near- bzw. offline verarbeitet werden kann.

Online vs. Print? 

Eine millionenschwere Investition in ein System zu tätigen, das sich gerade in der Entwicklung befindet – wie es bei der Océ Imagestream vor der Unterzeichnung des Kaufvertrags der Fall war – ist ein unternehmerisches Wagnis und erfordert zweifelsohne eine ordentliche Portion Vertrauen in die Inkjettechnologie. Doch die kommt bei Dr. Rüdiger Schmidt nicht von ungefähr. Bereits seit Anfang der 2000er-Jahre ist Bosch-Druck im Digitaldruck tätig, hat neben 30 Druckwerken im Offsetdruck noch vier HP-Indigo-, eine Océ-Varioprint und zwei LFP-Drucksysteme im ständigen Einsatz.

„Der Digitaldruck wird zum Prüfstein unserer Branche“, davon ist der Geschäftsführer überzeugt und erklärt auch, was er damit meint. Das hänge vor allem mit den Entwicklungen im Werbemarkt zusammen: Die Ausgaben für Online-Werbung wachsen weiterhin zum Teil zweistellig und die Werbetreibenden werden 2015 erstmals mehr Geld für Werbung im Internet als in Print ausgeben. Schuld daran sind nicht zuletzt die steigenden Preise für digitale Werbeflächen – der TKP (Tausenderkontaktpreis) habe sich in den letzten vier Jahren sogar verdoppelt, die Kosten pro Klick liegen je nach Bannerart inzwischen bei 50 Euro und mehr. „An diesem Punkt wird Print – entgegen der landläufigen Meinung – plötzlich sogar günstiger als Online“, so Schmidt. Beziehe man dann noch den Fakt ein, dass die Betrachtungsdauer bei Print-Anzeigen deutlich über der von Online-Anzeigen liegt und zudem die haptische Komponente immer neue Möglichkeiten zur Interaktion mit der Zielgruppe ermöglicht, dann sprechen vielleicht nicht alle, aber doch viele und vor allem gewichtige Argumente für Print.

 
 

Die „inkfinity“-Produktionslinie (von links oben nach rechts unten): Die bis zu 76 cm breite Papierbahn wird auf der Océ Imagestream 3500 bei 160 m/min und 1200 x 1200 dpi bedruckt und der Magnum Flexbook übergeben, wo sie je nach Nutzen geschnitten und die einzelnen Seiten der Broschüren zusammengetragen werden. Die vorverleimten Buchblöcke werden dann, ab Herbst sogar inline, an den Klebebinder KM 200 von Kolbus gegeben.

Potenziale heben

„Print kann Relevanz haben, wenn Druckdienstleister aus diesen Entwicklungen das Richtige ableiten“, ist Schmidt überzeugt. Dabei verschließt er natürlich nicht die Augen vor den Schwierigkeiten der Druckindustrie, vor sinkenden Auflagen, steigenden Rohstoffpreisen, der Konkurrenz durch neue Medienkanäle und der Anzahl der schließenden Betriebe. Und dennoch ist er „Überzeugungstäter“ genug, um die USPs, die Alleinstellungsmerkmale des gedruckten Mediums zu erkennen und diese beharrlich seinen Kunden – von Agenturen über Verlage bis hin zu großen Markenartiklern und Automobilherstellern – zu erklären.

Wenn es um die Entwicklung von Print in den nächsten Jahren geht, wird neben IT und Automatisierung der Digitaldruck, speziell der Inkjetdruck, eine entscheidende Rolle spielen. Spätestens jetzt, durch die Möglichkeiten der 30-Zoll-breiten Rollenmaschine in Kombination mit der hochautomatisierten Inline-Weiterverarbeitung, wird der digitale Klein- bzw. Teilauflagendruck in Farbe und hoher Qualität vor allem für Verlage an Bedeutung gewinnen. Sie können mit Vorabauflagen den Markt „antesten“, engere Zielgruppen ansprechen oder die bedarfsgerechte On-Demand-Produktion ausbauen und dadurch Lagerkosten reduzieren.

Für Agenturen liegt das größte Potenzial hingegen in der Verzahnung der (digital) gedruckten mit der Online-Welt und ihren Daten. Die vollständig individualisierte Kundenansprache ermöglicht einen neuen und direkteren Zugang zum Empfänger und auch das Empfehlungsmarketing kann auf einem höheren Niveau stattfinden. Durch die intelligente Integration von Response-Elementen wird der Erfolg einer „offline“ Print-Anzeige oder eines Mailings zudem problemlos nachvollzieh- und dokumentierbar – und das zu deutlich niedrigeren Kosten als zum Beispiel beim Online-Retargeting.

Umdenken

Für Druckereien wird die wachsende Bedeutung des Digitaldrucks auch in Zukunft neue Herausforderungen mit sich bringen. Allein auf die (vermeintlich) „sichere Bank“ Offsetdruck zu setzen, reicht dabei nicht aus. „Hoffnung, dass sich die Branche von allein wieder erholt, ist keine Strategie“, sagt dazu Dr. Rüdiger Schmidt. Man müsse als Unternehmer stets versuchen, das große Ganze im Blick zu behalten, Trends aufzuspüren, Technologien zu bewerten. Man müsse investieren, wo Differenzierung im Markt möglich ist. Das bedeute auch, gewisse Risiken einzugehen und – wie Bosch-Druck mit der Océ Imagestream 3500 – bereit zu sein, auch mal der Erste bei einer neuen Maschinentechnologie zu sein. Denn der Vorsprung, den man sich damit aufbauen kann, den müssen andere Unternehmen erst einmal aufholen.

Erschienen in DD14-15/2015

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