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Eine Sonderrolle

Eine Goss M-600 Folia mit Rollenwechsler, vier Doppeldruckwerken und Rollenquerschneider, wie hier abgebildet, ist 17,7 Meter lang. Zum Vergleich: Eine Heidelberg Achtfarben-Speedmaster XL 105 (inklusive Palettenstellplatz hinter der Auslage) bringt es auf 16,35 Meter. Wenn dieselbe Folia allerdings mit Lackierwerk und Trockner ausgestattet wird, erreicht sie 25 Meter Länge.

Die Einsatzgebiete von Bogen- und Rollenoffset gehen fließend ineinander über, wenn man an Planoauslagen für Akzidenzrotationen denkt bzw. an die Rollenanleger für den Bogen­offset. Mit der M-600 Folia hat Goss International zur Drupa 2008 eine weitere »Spezial-Maschine« vorgestellt, die ihre Nische im Grenzgebiet Bogen/Rolle finden könnte

Die Folia soll – laut Goss – „Bogenoffsetqualität mit der Geschwindigkeit einer Rollenmaschine kombinieren“: Sie ist für bis zu 30 000 Abschnitte pro Stunde ausgelegt. Damit wäre die Folia stolze 66 Prozent schneller als die Bogenmaschinen der 18 000er-Klasse. Durch den Verzicht auf Heatset-Trocknung und die Verwendung von Bogenoffset-Verbrauchsmaterial will Goss die Hürde für den Einstieg der Bogendrucker in diese „Rolle“ deutlich absenken.

Es ist ein Konzept, das nicht nur während der Drupa Drucker aus beiden Lagern – Rolle und Bogen – neugierig gemacht hat. Sehr namhafte deutsche Bogendruck-Unternehmer haben Teams ins französische Goss-Werk Montataire entsandt, um den dort produzierenden Prototypen mit eigenen Druckformen zu testen.

Ab Sommer beim Kunden. Die erste Installation bei einem Kunden, die auf der Drupa für Anfang 2009 avisiert wurde, lässt allerdings noch etwas auf sich warten. Das Druckunternehmen, ein „französischer Bogendrucker aus dem Hochqualitäts-Segment“, der noch anonym bleiben will, habe sich kurzfristig für den Bau einer neuen Halle entschlossen, in der die M-600 Folia nun im Sommer dieses Jahres ihr Kundendebüt geben soll.

Pudern in Vakuumkammer. Die Folia ist im Prinzip eine 16-Seiten-Rolle mit Planoauslage statt Falzapparat – aber auch ohne Heatset-Trockner. Um mit Bogenoffsetfarben bei dieser Geschwindigkeit drucken zu können, verfügt sie über spezielle Lackier-, Trockner- und Bestäubungs-Einheiten.

„Es war eine Herausforderung“, so Jean-Claude Pautrat, Leiter des Produktmanagements bei Goss in Montataire, „beidseitig Puder auf eine Papierbahn aufzubringen, die bis zu 5,8 m/s schnell ist“. Um mit ausreichend Druck arbeiten zu können „ohne den ganzen Drucksaal einzupudern“, verfügt die Weko-Anlage der Folia über Ionisierungsstäbe sowie neu entwickelte Auftragsdüsen und arbeitet in einer Vakuum-Kammer.

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