Weiterempfehlen Drucken

Liegt die Zukunft des Digitaldrucks im Flüssigtoner?

Elektrofotografische Digitaldrucksysteme nehmen es mit dem Inkjetdruck auf
 

Bei Xeikons Flüssigtoner-Verfahren müssen die Tonerpartikel zum Substrat gerade einmal 5 µm überwinden. Die Druckmaschine selbst wird in der für Xeikon typischen vertikalen Bauweise ausgeliefert werden.

Fast alle elektrofotografischen (xerografischen) Digitaldrucksysteme arbeiten mit Trockentoner und bieten gegenüber dem Offsetdruck sowohl Vorteile als auch Nachteile. Heute haben die Trockentoner-basierten Digitaldrucksysteme jedoch ihre Grenzen in Sachen Bildqualität und Druckgeschwindigkeit erreicht. Sie bekommen immer stärkere Konkurrenz durch die neuen, schnellen Inkjetdrucksysteme. Mit Hilfe von Flüssigtoner wollen Xeikon und Océ nun jedoch dem elektrofotografischen Druckverfahren neuen Schwung verleihen und sogar noch schneller und besser drucken als im Inkjetdruck.

In Anlehnung an die Bürofarbdrucker wurden auch die Digitaldruckmaschinen für die Druckindustrie auf Basis des elektrofotografischen Verfahrens mit Trockentonern konzipiert. Sie sollten nicht nur schneller als die Bürofarbdrucker sein, sondern auch die Bildqualität des Offsetdrucks erreichen. Das ging gründlich daneben. Der Anspruch, dass eine Digitaldruckmaschine die gleiche Bildqualität wie eine Offsetdruckmaschine liefern muss, ist verständlich, aber auch unrealistisch. Denn nicht nur die Farben – Offsetfarbe und Pulvertoner unterscheiden sich völlig – auch die Farbübertragung und Papierbehandlung führen zu unterschiedlichen Resultaten.

Die 5 Probleme des Trockentoners

Vor 20 Jahren kamen die ersten Digitaldruckmaschinen für Offsetdrucker auf den Markt. Bis heute haben sie  eine Farbdruckqualität erreicht, die ebenso gut sein kann wie ein Offsetdruck. Dennoch sehen Fachleute fast immer sofort den Unterschied zwischen beiden Verfahren – weil die Anmutung anders ist.

  • Die Offsetfarbe wird auf gestrichenem Papier 1 – 2 µm hoch aufgetragen, mit einem Trockentoner im elektrofotografischen Verfahren jedoch 8 – 15 µm hoch, weil die Pigmente zur Farbübertragung bei Größen von weniger als 5 µm Durchmesser zu schweben beginnen.
  • Um den Toner auf dem Papier zu fixieren, wird er mit einer Heizwalze bei 180 – 220 °C quasi auf das Papier aufgeschmolzen. Dadurch erscheint die Farbschicht glänzend. 
  • Beim Falzen der fixierten Drucke platzt die geschmolzene Farbe häufig im Falz auf. 
  • Durch die Hitze der Fixierung verliert das Papier Feuchtigkeit und wird wellig.
  • Für die Übertragung der Farben wird ein hoher Anteil an Farbpigmenten benötigt, was Drucksachen mit hohem Farbanteil sehr teuer macht. Der Flächendeckungsgrad muss also in der Preiskalkulation berücksichtigt werden.

Flüssigtoner von HP Indigo

Nur ein Hersteller liefert heute Maschinen, deren Drucke auch von Fachleuten als die „offsetähnlichsten Digitaldrucke“ beurteilt werden, nämlich HP Indigo. Deren Technologie wurde seit 1984 entwickelt und erstmals auf der Ipex 1993 vom Erfinder Benny Landa vorgestellt. Die Maschinen bezeichnete er als „Digital Offset Press“. Damit unterstützte Landa die These, Digitaldruckmaschinen müssten Offsetqualität drucken – was damals unsinnig war und sich als großes Problem erweisen sollte. Er wählte den Vergleich, weil er als Erster in der Druckindustrie Flüssigtoner einsetzte, die Farben nacheinander auf einen Gummituchzylinder auftrug und anschließend alle Farben zusammen aufs Papier übertrug. Damit nutzte er das Prinzip des Offsetdrucks und weckte mit der doppeldeutigen Bezeichnung „Digital Offset Press“ Erwartungen, die er zum damaligen Zeitpunkt nicht einhalten konnte. Erst 1999 konnte das Unternehmen mit der Ultrastream 2000 eine stabil druckende Maschine liefern, die wirklich die Bildqualität des Offsetdrucks erreichte. Das fiel auch der Firma Hewlett-Packard auf, die sich erst aus Interesse an der Technologie finanziell beteiligte und Mitte 2001 das Unternehmen Indigo komplett übernahm.

Nur ein Makel haftet den Indigo-Drucken heute noch an: Bei der Übertragung des Flüssigtoners auf die Gummiwalze entsteht ein Polyethylenfilm, der mit der Farbe aufs Papier übertragen wird. Diese Schicht löst sich bei der Druckfarbenentfernung im Papierrecycling jedoch nicht auf und verschmutzt mit ihren Partikeln das Neupapier. HP ist sich des Problems bewusst und arbeitet an einer Lösung, Druckereien mit Indigo-Maschinen sollten deshalb ihr Makulaturpapier bis dahin nicht ins Altpapier zum Recycling geben.

Die Grenzen erreicht

Xerox hat als Erfinder des elektrofotografischen Druckprinzips (Xerografie) in 20 Jahren Weiterentwicklung das Ziel des Offsetdrucks erreicht. Mit der iGen 150 bietet das Unternehmen heute eine Trockentoner-Druckmaschine an, die vielleicht die Anmutung des Offsets nicht erreicht, dafür aber höchste Ansprüche an die Bildqualität erfüllt. Mit 150 Seiten A4 pro Minute hat Xerox mit der iGen 150 zudem die Geschwindigkeitsgrenze für den Vierfarbendruck erreicht.

Für den schnelleren Rollen-Vierfarbdruck hat man mit der Cipress 500 ein Inkjetdrucksystem entwickelt, das bis zu 150 m/min druckt, was rund 2050 A4-Seiten pro Minute entspricht. Zum Einsatz kommt hier eine Festtinte, die sofort nach dem Auftreffen auf das Papier trocken ist. Um Systeme für noch höhere Druckleistungen anbieten zu können, hat Xerox vor einem Jahr zudem die französische Firma Impika mit ihren Inkjet-Rollendruckmaschinen übernommen.

Ist der Inkjetdruck am schnellsten?

Der Inkjetdruck erreicht dank der Graustufentechnologie und der Piezo-Düsenköpfe inzwischen eine fotografische Qualität, die in Farbumfang und -brillanz der Xerografie und dem Offset ebenbürtig sein kann. Als Farbe dient der reine Farbstoff, der zusammen mit Lösungsmitteln eine flüssige Tinte bildet und das Drucken bei hohen Geschwindigkeiten ermöglicht. Wegen der schädlichen Dämpfe der Lösungsmittel werden heute meist Tinten verwendet, die mit ultraviolettem Licht getrocknet werden.

Aber ist damit der Inkjetdruck das schnellste Druckverfahren und der vierfarbige elektrofotografische Tonerdruck am Ende? Nein, denn der Flüssigtoner erweitert die Grenzen: Zur Drupa 2012 zeigten Océ mit der Infinistream und Xeikon mit der Trillium-Technologie, wie sie mit der Xerografie und Flüssigtoner in neue Anwendungsbereiche und Produktionsgeschwindigkeiten vorstoßen können. Immerhin hatte schon HP Indigo bewiesen, dass man mit Flüssigtoner eine offsetähnliche Druckqualität erreichen kann. Da in den Indigo-Modellen aber alle vier bis sieben Farben zuerst nacheinander auf den gleichen Gummizylinder und erst danach aufs Substrat übertragen werden, sind sie verhältnismäßig langsam. Infinistream und Trillium hingegen sind Rollendruckmaschinen, die mit vier bzw. acht Druckwerken auf schnell laufende Rollen drucken.

Seite 1 | 2 »
Anzeige

Firmen-Suche

Leserkommentare (1)

EnTe | Montag, 30. Juni 2014 09:06:02

Stochern im Nebel...aber gutes Thema!

Ein sehr netter Artikel, mein Respekt. Die Frage, welche sich bestimmte Hersteller wie z.B. Xerox stellen müssen ist: Können die Technologien, welche eingekauft wurden (Impika) den bereits vorhandenen Kunden schmackhaft gemacht werden und sind diese überhaupt zielgerichtet. Und da sehe ich das Problem! Die Qualität und vorallem die Kundenanwendungen werden doch durch diverse Technologien gar nicht abgedeckt. Nehmen wir eine mittelständige Druckerei, welche im Digitaldrucksegement mit mittleren Auflagen zu arbeiten hat - mit angrenzendem Bogenoffset (das ist ja wohl die Mehrzahl). Was nutzt dieser Druckerei, eine Rollenmaschine mit Flüssigtoner oder Trockentoner? Diese kann weder mit vorgedruckten Offsetbestandteilen (Bogen) arbeiten, noch kommen von der Rolle sinnvolle Synergien zustande. Problem, was die Hersteller haben ist; oftmals nicht auf Anwenderebene zu arbeiten! Da werden Maschinen konstruiert, die keiner brauch oder viel zu teuer in Wartung und Verbrauch sind.

Letzlich ist der qualitative Aspekt sicher wichtig und wird durch viele Hersteller mittlerweile erreicht, aber bei vielen Anwednungen oftmals nicht ausschlaggebend (Tiefdruckerzeugnisse sehen optisch auch mißerabel aus - und werden doch produziert!).

Ich meine, ob Flüssig- oder Trockentoner: Für uns Anwender im Bogenbereich spielen zwei Aspekte in Kombination die entscheidende Rolle, und da tun sich die Hersteller extrem schwer: Bogengröße + Geschwindigkeit (das sind die Hauptprobleme der daraus resultierenden Preise)!

P.S. Ein Argument gegen die Tonersysteme ist nicht mehr ganz up to date: Es gibt Trockentoner mit matter Erscheinung - das Argument zählt also nicht mehr ganz! ;-)

Druck

Download "Large Format Printing & Wide Format Printing"

Neue Märkte und ungeahnte Möglichkeiten im Großformatdruck

Poster, Banner, Dispalys, Textilien ... Die Anwendungsmöglichkeiten im Großformatdruck sind nahezu unendlich. Und immer mehr Druckereien sehen ihre Chancen in diesem Geschäftsfeld. Aber welche Technologie passt zum Unternehmen? Welche Systeme entsprechen tatsächlich den gestellten Anforderungen? In der Broschüre "Large Format Printing & Wide Format Printing" haben wir die wichtigsten Anbieter für Sie zusammengestellt. Sie steht kostenlos im print.de-Shop zum Download bereit.

» mehr

Druck&Medien Awards 2016: After-Show-Party

Jetzt NEU

Die print.de-Karte der wichtigen Branchenkontakte

Mehr Details zu den einzelnen Anbietern in Ihrer aktuellen Ausgabe des Deutschen Druckers unter Service/Das Branchenverzeichnis A-Z
mehr

Top-Themen

Deutliche Passerprobleme und Streifenbildungen bei den Druckmustern von Landa.

Landa: viel Show um Nichts?

Wie bereits 2012 glänzt Landa Digital Printing auch auf der Drupa 2016 mit einer fulminanten Show. Die Ankündigungen, dass die Nanografie qualitativ neue Maßstäbe setzen würde, hält aber keiner ernsthaften Betrachtung Stand. An keinem der von uns besuchten Drupa-Stände haben wir schwächere Druckmuster gesehen als bei Landa.
mehr

Zukunft des Digitalen ist Print

17 neue Internetseiten gehen in jeder Sekunde online und auf jeder von Ihnen werden riesige Mengen Content veröffentlicht. Ohne Zweifel: das World Wide Web und die Entwicklung der mobilen Devices haben das Mediennutzungsverhalten grundlegend verändert und die klassischen Medien in Bedrängnis gebracht. Und trotzdem liegt die Zukunft des Digitalen im gedruckten Produkt, ist sich Andrew Davis sicher.
mehr

Aktuell bei Top 10

Die zehn schönsten Malbücher für Erwachsene

Malbücher für Erwachsene erobern derzeit weltweit die Bestseller-Listen. Spätestens nach dem Erfolg des Malbuchs "Mein verzauberter Garten"der Schottin Johanna Basford war der Trend bei Erwachsenen angekommen, die auf der Suche nach Entspannung nach dem Buntstift greifen. In unserem Ranking haben wir die zehn für uns schönsten Malbücher zusammengestellt.
mehr

Druck&Medien Awards 2016 – Get-together und Dinner

CGI – So sieht die Zukunft der Bildbearbeitung aus

Umfrage

Veranstaltet Ihr Unternehmen eine Mitarbeiter-Weihnachtsfeier?

Jetzt abstimmen

Kommentare

Services

Bitte warten...