Liegt die Zukunft des Digitaldrucks im Flüssigtoner?


 

Auf Basis der Océ-Infinistream-Technologie hat Canon/Océ eine Rollendruckmaschine entwickelt, die bei einer Bahnbreite von 711 mm mit bis zu 120 m/min druckt und für den Faltschachtel-Verpackungsdruck konzipiert wurde.

Die Océ Infinistream

Auf der Drupa 2012 wurde die Infinistream-Technologie im Werk in Poing vorgestellt (siehe Deutscher Drucker, Ausgabe 30/2012). Dahinter verbirgt sich eine modulare Rollendruckmaschine in Reihenbauweise, die bei einer Bahnbreite von 711 mm mit bis zu 120 m/min druckt. Als Hochleistungsmaschine für den Faltschachtel-Verpackungsdruck konzipiert, druckt sie nur im Schöndruck (Simplex) und produziert bei 120 m/min umgerechnet 14400 Bogen im Format B2 oder 7200 B1-Bogen. Durch die Reihenbauweise und die bis zu sieben Druckstationen, arbeitet die Infinistream wie eine Offsetdruckmaschine, die Farbübertragung erfolgt in jedem Druckwerk jedoch nach dem fotoelektrischen Druckprinzip. Mit Hochleistungs-LEDs werden die Druckdaten auf die lichtempfindliche Bildtrommel ge-schrieben, der elektrofotografisch aktivierte Flüssigtoner von den belichteten Stellen der Bildtrommel übernommen und von ihr auf eine Gummituchwalze übertragen. Von dieser druckt nun die Tonerfarbe auf die Papierbahn, die in jeder Druckstation die nächste Farbe aufnimmt.

Hier kurz die wichtigsten Pluspunkte:

  • Die Druckfarbe ist ein niedrig viskoser ölbasierter Flüssigtoner, der vor dem Auftrag nicht erwärmt werden muss.
  • Der Nass-in-Nass-Druck der Infinistream liefert laut Océ eine Qualität, die einem Offsetdruck im 70er-Raster entspricht.
  • Alle Standard-Offsetpapiere lassen sich bedrucken, aber auch beschichtetes Faltschachtelmaterial.
  • Eine Vorbehandlung der Substrate oder ein Primern ist nicht notwendig. 
  • Dank der nahtlosen Druckzylinder und des endlosen Echtzeit-Bebilderungsprozesses er-möglicht das Drucksystem vollvariable Formatlängen, inklusive 70/100- oder B1-Bogen.
  • Der eingesetzte Flüssigtoner wurde eigens von Océ formuliert und kann in einer Schicht-dicke aufgetragen werden, die mit 2 bis 4 μm ähnlich dünn ist wie im Offsetdruck – und das auch bei ungestrichenen Papieren. Dadurch soll der Toner beim Falzen, Nuten oder Rillen nicht brechen, wie es beim Trockentoner häufig passiert – ein wichtiges Argument für Faltschachteldrucker. 
  • Bei der Prüfung der De-Inkbarkeit zeigten laut Océ erste Tests nach der Ingede-Methode 11p gute Ergebnisse. Weitere Tests mit zusätzlichen Kartonsorten folgen sukzessive.

Die Xeikon Trillium

Die Xeikon-Maschinen wurden Ende der 80er-Jahre von Agfa für den fotoelektrischen Druck entwickelt und 1993 zur Ipex erstmals vorgestellt. An der Spitze der Modellpalette steht heute die Xeikon 8800, die eine Rollenbreite von 504 mm bedrucken kann und bei 19,20 m/min bis zu 260 A4-Seiten pro Minute druckt.

Um höhere Druckgeschwindigkeiten zu erreichen, übernahm Xeikon Patente der australischen „Research Laboratories of Australia“, die seit Jahrzehnten Flüssigtoner entwickelt hatten. Xeikon konstruierte neue Druckwerke im elektrofotografischen Prinzip für Flüssigtoner und präsentierte die Technologie auf der Drupa 2012 unter dem Namen Trillium. Basis der Technologie ist die gelartige Toner-Suspension in Weißöl als Trägerflüssigkeit mit Tonerpartikel von nur 2 μm Größe. Von der Bildwalze wird die Farbe auf einen Gummituchzylinder übergeben, der das Druckbild mit einem Abstand von nur 5 μm auf die Papierbahn aufbringt. Vergleich: Im Inkjetdruck sind es laut Xeikon rund 1500 μm; beim Trockentoner und niedrigviskosem Flüssigtoner rund 200 μm. Durch den geringen Abstand zum Papier lassen sich die Tonerpartikel exakter platzieren und sollen gemäß Xeikon eine höhere Bildqualität ergeben.

Die Trillium-Druckmaschine wird im gleichen Prinzip gebaut wie die bisherigen Trockentonermaschinen in dem für Xeikon typischen vertikalen Druckprozess und als Duplexmaschine mit zwei Drucktürmen. Das macht sie sehr kompakt und deutlich weniger schwer als Reihendruckmaschinen im Offsetprinzip. Die Trillium soll in einer Rollenbreite von 504 mm und mit 60 m/min bis zu 780 A4-Seiten pro Minute drucken – dreimal so schnell wie mit Trockentoner! Nach Auskunft der Ingede hat Xeikon die Drucke zur Prüfung vorgelegt, mit dem Resultat, dass sie ebenso problemlos wie Trockentoner- oder Offsetdrucke zu recyceln sind.
 

Setzt sich Flüssigtoner durch?

Wenn man mit Flüssigtoner dreimal schneller drucken kann als mit Trockentoner, stellt sich die Frage, wer dieses Wissen nutzen kann, wo der Markt für solche Maschinen liegt und wie groß er ist.
Theoretisch könnte jeder Anbieter von farbigen Trockentonerdruckmaschinen beginnen, auch Flüssigtonerdruckmaschinen zu bauen. Canon hat dies durch die Übernahme von Océ als Weltmarktführer im fotoelektrischen Trockentoner-Rollendruck getan. Xerox, als Weltmarktführer im Trockentoner-Bogendruck, hat – statt eine Flüssigtonerdruckmaschine zu entwickeln – erst die Cipress-Inkjetdruckmaschine entwickelt. Sie wird mit ihrem speziellen Tintengranulat im Vergleich zu wasserbasierten Pigmenttinten von den Kunden weniger gut beurteilt. Dank der Übernahme von Impika hat der Hersteller zudem eine aufwärts- kompatible Druckerfamilie bis zur Impika iPrint Evolution mit 250 m/min oder der iPrint Extreme mit bis zu 375 m/min im Programm. Warum sollte Xerox also noch eine Flüssigtonerdruckmaschine zur eigenen Konkurrenzierung entwickeln?

Für die Entwicklung einer solchen Maschine muss man mindestens fünf Jahre einrechnen, und für die Markteinführung weitere drei Jahre. Welcher Manager wird sich dazu entscheiden, angesichts der notwendigen Entwicklungs- und Einführungskosten eine solche Entwicklung ohne zwingende Notwendigkeit zu beginnen?

Wo ist der Markt?

Offsetdruckmaschinen werden auf sechs bis zehn Jahre abgeschrieben, richtig Geld verdient eine Druckerei aber erst mit den abgeschriebenen Maschinen. Das bedeutet, dass der Markt von millionenteuren Druckmaschinen heute wenig dynamisch ist. Heidelberg, KBA und Manroland können das leider bestätigen. Und Endlosdruckereien, Bücherdruckereien und Großbetriebe für Direktwerbung sind alle bereits ausgerüstet und werden bereits von Inkjetdruckmaschinen-Anbietern intensiv bearbeitet. Die Erneuerung ihrer heutigen Maschinen wird durch die Abschreibungszeiten und die Dauer der Leasingverträge bestimmt. Es wird sich zeigen, wie viele Maschinenhersteller auf elektrofotografischen Flüssigtonerdruck im Hochleistungsbereich setzen werden.

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Leserkommentare (1)

EnTe | Montag, 30. Juni 2014 09:06:02

Stochern im Nebel...aber gutes Thema!

Ein sehr netter Artikel, mein Respekt. Die Frage, welche sich bestimmte Hersteller wie z.B. Xerox stellen müssen ist: Können die Technologien, welche eingekauft wurden (Impika) den bereits vorhandenen Kunden schmackhaft gemacht werden und sind diese überhaupt zielgerichtet. Und da sehe ich das Problem! Die Qualität und vorallem die Kundenanwendungen werden doch durch diverse Technologien gar nicht abgedeckt. Nehmen wir eine mittelständige Druckerei, welche im Digitaldrucksegement mit mittleren Auflagen zu arbeiten hat - mit angrenzendem Bogenoffset (das ist ja wohl die Mehrzahl). Was nutzt dieser Druckerei, eine Rollenmaschine mit Flüssigtoner oder Trockentoner? Diese kann weder mit vorgedruckten Offsetbestandteilen (Bogen) arbeiten, noch kommen von der Rolle sinnvolle Synergien zustande. Problem, was die Hersteller haben ist; oftmals nicht auf Anwenderebene zu arbeiten! Da werden Maschinen konstruiert, die keiner brauch oder viel zu teuer in Wartung und Verbrauch sind.

Letzlich ist der qualitative Aspekt sicher wichtig und wird durch viele Hersteller mittlerweile erreicht, aber bei vielen Anwednungen oftmals nicht ausschlaggebend (Tiefdruckerzeugnisse sehen optisch auch mißerabel aus - und werden doch produziert!).

Ich meine, ob Flüssig- oder Trockentoner: Für uns Anwender im Bogenbereich spielen zwei Aspekte in Kombination die entscheidende Rolle, und da tun sich die Hersteller extrem schwer: Bogengröße + Geschwindigkeit (das sind die Hauptprobleme der daraus resultierenden Preise)!

P.S. Ein Argument gegen die Tonersysteme ist nicht mehr ganz up to date: Es gibt Trockentoner mit matter Erscheinung - das Argument zählt also nicht mehr ganz! ;-)

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