Wachstumsmarkt Digitaldruck: Was verbirgt sich hinter den digitalen Druckverfahren?


 

Etiketten, im Digitaldruck produziert, stellen einen Wachstumsmarkt für digitale Druckverfahren dar.

Die Druckweiterverarbeitung von Digitaldrucken

Die Herausforderungen, die sich bei der Weiterverarbeitung von Digitaldrucken ergeben, werden oft unterschätzt. Denn diese Weiterverarbeitung verlangt auf jeden Fall besondere Technologien und Produktionsschritte. Die Systeme müssen sich für die Forderungen des Digitaldrucks nach kleinen Auflagen und kurzen Lieferzeiten eignen.

In erster Linie gilt es, den Zeitvorteil des Digitaldrucks nicht durch das Versenden gedruckter Bogen aus der Druckerei an eine externe Buchbinderei zu verlieren. Durch eine Verarbeitung im eigenen Betrieb wird Zeit gespart, lassen sich die Kosten gezielt reduzieren und lässt sich die Wertschöpfung voll nutzen. Deshalb gründen Druckereien Weiterverarbeitungsbereiche oder nehmen deren Erweiterung vor. Für Digitaldrucker bildet sich ein neues Marktsegment mit steigendem Industrialisierungsgrad. Rainer Rindfleisch, Geschäftsführer der Kern GmbH, Spezialist für Kuvertiersysteme: „Jede zweite Maschine, die wir jährlich ausliefern, geht bereits zu Digital-, Offset- oder Hausdruckereien. Druckereien haben erkannt, dass insbesondere die Weiterverarbeitung, weil sie am Ende der Wertschöpfungskette steht, noch Potenzial und Wachstumsmöglichkeiten bietet.“

Da für den Digitaldruck kleine und kleinste Auflagen typisch sind, verlangt dies nach einer Weiterverarbeitungstechnik mit kurzen Rüstzeiten und hohem Automatisierungsgrad. Thomas Krischke, Leiter Postpress Commercial der Heidelberger Druckmaschinen AG, fasst die Herausforderungen zusammen: „Der übergeordnete Trend in der Druckweiterverarbeitung heißt: Steigerung der Effizienz und Produktivität. Bei häufig wechselnden Kleinauflagen – im Extremfall „Auflage 1“ im Digitaldruck – wird dies hauptsächlich durch Rüstzeitverkürzung in der Weiterverarbeitung möglich.“

Neben den Aspekten der hohen Automatisierung und kurzen Rüstzeiten ist heute auch die Kombinierbarkeit und Flexibilität von Systemen stark gefragt, um sie sowohl für Offset-, als auch für Digitaldrucke einsetzen zu können. Jörg Stutz, Geschäftsführer der Firma FKS, ist der Meinung, dass Maschinen zur Verarbeitung traditioneller Drucke selbstverständlich auch Digitaldrucke verarbeiten können, aber diese den Herausforderungen bei der Verarbeitung digitaler Druckbogen nicht stand halten. Ein Trend, der sich auf der Drupa 2012 zeigte, war der zu so genannten Hybridsystemen, die sowohl konventionell erstellte Drucksachen als auch Digitaldrucke separat oder beliebig gemischt verarbeiten können.

Weitere Besonderheiten in der Weiterverarbeitung resultieren aus den Möglichkeiten des variablen Druckens. Hierfür benötigt man keine konventionelle Sammelheft- oder Zusammentragmaschine, denn die Bogen werden im Digitaldruck bereits in der richtigen Reihenfolge gedruckt. Benötigt wird dagegen ein System, dass die Bogen nach dem Druck vereinzelt und einem Broschürensystem zuführt, das sie falzt, heftet und schneidet.

Das Drucken verschiedener Formate ist für ein digitales Drucksystem unproblematisch. Doch das Falzen unterschiedlicher Formate in wechselnder Reihenfolge ist mit konventionellen Falzmaschinen nicht möglich. Dafür hat beispielsweise MB Bäuerle als Lösung das „selektive Falzen“ entwickelt. Eine Längemesseinrichtung und spezielle Taschen bilden die Grundlage dafür. Das System misst die Länge jedes Bogens und erkennt, wann die Taschen zu verschließen beziehungsweise zu öffnen sind, um den richten Falz zu erzeugen. So lassen sich in beliebiger Folge 8- oder 16-Seiter oder gefalzte und ungefalzte Bogen produzieren.

Probleme in der Druckweiterverarbeitung von Digitaldrucken: Makulatur

Problematisch ist es, wenn bei personalisierten und individualisierten Drucken Makulatur entsteht. Fehlende Bögen müssen nachproduziert werden, da sie Einzelstücke sind. Die Produktion personalisierter und individualisierter Drucksachen wird aus diesem Grund oft mit Barcodes und entsprechenden Lesegeräten begleitet. Sind mehrere mit variablen Inhalten versehene Bögen zusammenzuführen, ist die Verarbeitungsreihenfolge entscheidend. Alle diese Besonderheiten haben zur Entwicklung neuer Systeme und Weiterverarbeitungslinien geführt, die folgende Anforderungen erfüllen sollten: ein möglichst einheitliches und einfaches Bedienkonzept, kurze Rüst- und somit kaum Stillstandszeiten sowie minimale Makulatur.

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