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Warum sollten Offsetdrucker jetzt in den Inkjetdruck im 3B-Format einsteigen?

Die Inkjet 3B-Maschinen auf der Drupa
 

Für den Verpackungsdruck, aber auch den Offset-Akzidenzdruck, zeigte Heidelberg die Primefire 106 auf der Drupa 2016.

Zur Drupa 2016 wurde – als Alternative für die Offsetdrucker – eine größere Zahl von Inkjet-Druckmaschinen in 106 cm Druckbreite erwartet. Angekündigt oder neu gezeigt wurden jedoch nur neue Modelle, die jetzt in Betatests gehen und frühestens 2017 auf den Markt kommen werden. Erfolgreiche Offsetdrucker fühlen sich dadurch nicht bedrängt, sondern sehen die Inkjetdruckmaschinen im 70x100-Format eher als Lösung auf der Suche nach einem Problem.

Inkjetdruck als Lückenfüller?

Bis heute beherrschen die Farblaserdruckmaschinen mit Trocken- oder Flüssigtoner den digitalen Farbdruck für Kleinauflagen. Von Auflage 1 bis irgendwo bei 1500 A4-Seiten kosten sie weniger als Offsetdrucke. Offsetdruckereien mit einer eigenen Laser-Digitaldruckabteilung drucken, je nach Seitenumfang, pro Auftrag ab Auflagen von circa 400 Ex. bis 600 Ex. bereits wieder im hoch automatisierten Offset. Hätten sie schon heute einen Inkjetdrucker, wäre dieser Wechsel zum Offsetdruck erst ab Auflagen irgendwo zwischen 1000 bis 1500 A4-Seiten. Die neuen Inkjetdruckmaschinen im Format 70 x 100 sollen laut den Herstellern diese Lücke zwischen Farbtonerdruck und Offsetdruck schließen. Bei der Planung solcher Maschinen vor einiger Zeit mag diese Lücke bestanden haben, heute aber im harten Wettbewerb im Markt, zwischen Digital- und Offsetdruck, ist diese kleiner geworden.

Kein Anbieter von diesen 3B-Maschinen hat auf der Drupa Preise und Kosten genannt, aber unter zwei bis drei Millionen Euro werden sie nicht zu haben sein. Dass diese Summen sich in der „Marktlücke“ amortisieren lassen, muss erst noch bewiesen werden. Sicher ist: Eine Akzidenzdruckerei muss heute schon ein beachtliches Volumen an Digitaldruck haben, um solche Maschinen zu rechtfertigen. Sie sind nichts für Einsteiger.

Die Vorzüge des Digitaldrucks

Der Tonerdruck hat mehrere Vorteile: Preiswert in der Kleinauflage und ein kompletter Wechsel der Seiten von Druck zu Druck. So kann eine Broschüre, ein Katalog oder eine Zeitschrift fertig zusammengetragen, in beliebiger Auflage gedruckt, mit den Umschlag versehen und gebunden werden. Vollautomatisch produziert und kostengünstig, was auch eine Qualität darstellt.

Offsetdrucker mit ihren hohen Auflagen und großen Druckformaten sehen dies mit Neid, weil die Weiterverarbeitung im Offset zu den üblichen A4- oder A3-Formaten aufwändiger, langsamer und teurer ist. Statt hier auf Lösungen der Hersteller von Offsetdruck- und Weiterverarbeitungsmaschinen zu warten, haben sie schon vor 10 bis 15 Jahren mit den Farbtonerdruckmaschinen im A3+-Format, heute SAR3 genannt, begonnen. Dabei haben sie gelernt, dass man für den Digitaldruck eine eigene Organisation vom Außen- und Innendienst, andere Mitarbeiter und Produktionslösungen aufbauen musste. Am schwierigsten jedoch war es, den Kunden die neuen Möglichkeiten der digitalen Drucktechnik zu zeigen und damit Aufträge zu generieren.

Ich bin schon da!

Es gibt erfolgreiche, große Offsetdruckereien, die bis heute keinen Digitaldruck machen und deshalb weder diese Kundennachfrage bedienen, noch den Einstieg planen. Die große Mehrzahl der erfolgreichen Akzidendruckereien aber haben schon lange eine Digitaldruckabteilung, mit der sie erfolgreich produzieren.

Für sie sind die neuen Inkjetdruckmaschinen im Format 50 x 70 oder sogar im kleineren SAR3- Format mit Blatt- oder Bogendruck eine sorgfältige Überprüfung wert. Diese Inkjetdruckmaschinen erreichen eine gute Bildqualität, drucken wesentlich schneller, kennen keine Clickrate und verwenden weniger teure Tinten. Für einen Umstieg auf eine Inkjetdruckmaschine im 70 x 100-Format hingegen müssten sie jedoch sehr viele Digitaldruckaufträge haben, damit sie die große Investition amortisieren können.

So traf ich auf der Drupa Andreas Krüger, Inhaber des Krüger Druck + Verlag, im saarländischen Merzig, der als traditioneller Heidelberg-Drucker mit drei modernen 3B-Speedmaster mit 18 Druckwerken druckt. Auf meine Frage, ob ihn die neuen 70 x 100-Inkjetdruckmaschinen interessieren, war die Antwort: „Überhaupt nicht. Ich habe im Dezember 2015 die neue Canon Imagepress C10000VP mit Efi Fiery Rip und Finisher installiert und drucke damit fertige Kataloge, mit bis zu 120 Seiten. Damit mache ich alle Kleinauflagen, die sich im Offset nicht lohnen. Ich wüsste nicht, was ich mit einer 70 x 100-Inkjetmaschine soll.“ Er kann seine zunehmenden Digitaldruckaufträge mit der SAR3-Maschine mit Farbtonerdruck in Offsetqualität auf Grammaturen von 60 bis 350 g/qm, mit 100 Seiten A4 pro Minute drucken und das mit höchster Auflösung von 2 400 x 2 400 dpi.

Mit der Indigo 50000 zeigte HP die bisher leistungsfähigste Indigo-Maschine für den qualitativ hochstehenden Fotobuch-Druck.

One Pass Printing

One Pass Printing. Der große Hype der neuen Inkjetdruckmaschinen liegt in der höheren Druckgeschwindigkeit des One Pass Printing gegenüber dem bisherigen Scanning-Modus. In diesem fährt der Druckkopf ein- oder mehrmals seitlich über das stillstehende Papier, während im One Pass Modus eine Druckkopfleiste über die ganze Maschinenbreite auf das gleichmäßig darunter laufende Papier druckt. Das bedeutet, dass sinnvollerweise nur noch Rollenpapier bedruckt werden sollte.

So druckt der Posterdrucker Canon Color Wave 910 in 106 cm Breite, heute 18 Laufmeter pro Minute, also 25 Poster im Format 70 x 100 pro Minute oder 1 500 pro Stunde! Solche Geschwindigkeiten erreicht man jedoch nur mit wasserbasierten Pigmenttinten, deren Wasser durch Hitze verdampft werden muss. In der Druckmaschine muss für den Duplexdruck eine Trocknung, Wendung  und eine Rückführung des Papiers vorhanden sein. Je schneller nun die Maschine drucken soll, umso effizienter muss die Trocknung sein. Weil die frühere Methode sehr teuer ist, zum beidseitigen Druck einfach zwei Druckmaschinen hintereinander zu installieren, sucht jeder Hersteller seine eigenen Lösungen für die Trocknung und Wendung des Papiers.

One Pass Printing ist nicht neu. Xeikon verwendet bereits seit 1990 dieses Prinzip. Die von Rob Haak bei Barco entwickelte „The Factory“ wurde bereits auf der Drupa 2000 eingeführt. Richtig in Schwung kam One Pass Printing dann durch die Entwicklungen von Kodak mit der Prosper Stream, Memjet mit der Waterfall- und Dimatix (heute FujiFilm) mit der Samba-Technologie.

Single Pass Printing

Aus der Not machen die Hersteller eine Tugend, indem sie die Single-Pass-Maschinen für Anwendungen konzipieren, bei denen keine Rückseite bedruckt werden muss.

  • Poster: Das ist bei Postern der Fall, weshalb die schnellen Posterdrucker Color Wave (Canon), Page Wide (HP) und KIP 800 von der Rolle drucken und die Poster abschneiden.
  • Verpackungen: Es erklärt aber auch das große Angebot an Verpackungsdruckmaschinen für die Faltschachtelproduktion. Das ist nicht etwa ein riesiger, neuer Markt, sondern einfach die Not, Single Pass Maschinen anbieten zu müssen, die keine Wendung haben. Das ist zum Beispiel so bei Heidelberg mit der Primefire 106, wo eine Wendung erst angekündigt wurde.
  • Wellpappendruck: Hier zeigten Durst die Rho 130 SCP, HP die Pagewide C500 Press und EFI die Nozomi C18000, und damit drei neue Maschinen für den Hochleistungsdruck von Wellpappe oder Karton im Großformat.
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