Wenn die Grenzen der Standardisierung im Offsetdruck erreicht sind, was tun?


Woran liegt das? ISOcoated_v2_eci ist ein Profil, das mit bestimmten Farben, einem bestimmten Papier und speziellem Wasser mit Additiven gedruckt wurde. Auch wenn man die Mischwerte aus zehn Druckereien nimmt, kann es in anderen Druckereien zu obigen Abweichungen kommen, wenn innerhalb der Toleranzen gearbeitet wird. Alles auf 100 Prozent der Werte zu drucken, ist unmöglich, weshalb es ja Toleranzen gibt. Die Drucke können zum Proof deutlich sichtbar verschiedene Ergebnisse bringen, obwohl beide im Standard produziert sind. Wenn beide an den Limits und dann auch noch gegensätzlich produziert werden, ist das Ergebnis absolut untragbar für den Kunden. Hier kann nicht mehr von einem Kontraktproof gesprochen werden. Dies ist unter der Aussage zu sehen, dass diese Toleranzen im Proof und Druck aufgrund der industriellen Produktionsweise und der technischen Bedingungen benötigt werden. Der Grund liegt darin, dass auch der Farbhersteller nach ISO 2846 seine Toleranzen hat und weitere Unterschiede der Farben in der Norm nicht berücksichtigt sind, wie zum Beispiel das Farbannahmeverhalten. Die weiteren Faktoren, wie oben erwähnt: Das Papier und Wischwasser kommen noch hinzu. So weicht der Druck vom Proof ab, der ja andere Druckbedingungen (Farbe/Papier/Wasser ...) aufweist, als es bei der Erstellung von ISOcoated_v2_eci der Fall war. Es geht also darum, nicht einfach 100 Prozent zu fordern, sondern zu verstehen, was hier zusammenwirken kann.

Papierweiss. Zurück zum Papierweiß, denn hierzu gibt es noch eine gute Beobachtung. Die meisten Proofsysteme beachten primär nur die Färbung des Papiers bei der Simulation des Papierweiß. Jedoch sind Papiere mit Aufhellern und blauen Farbstoffen meist in der Luminanz deutlich „grauer“, zum Beispiel L*90-94, als ein gutes Proofpapier, das einen L*-Wert von 97 hat. Optisch sind diese aufgehellten Papiere jedoch deutlich weißer, was theoretisch einem L* deutlich über 100 entsprechen würde – das gibt es aber nicht gibt. Wie soll nun diese Helligkeit auf dem Proofpapier mit L* 97 simuliert werden? Für jedes Druckpapier ein eigenes Proofpapier?! Das gäbe ein Durcheinander. So lange die Messtechnik mit optischen Aufhellern und blauen Farbstoffen, die uns als weiß erscheinen, nicht so umgehen kann, wie wir sehen, ist eine Lösung vorerst nicht in Sicht. Leider gibt es im Markt immer noch viele Proofpapiere, die „zertifiziert“ sind, jedoch erhebliche optische Aufheller oder blaue Farbstoffe enthalten und die Messung optisch stark verändern. Jedoch verweist der Hersteller des Proofs auf das „hervorragende Messergebnis und das zertifizierte Papier“, das er gekauft hat, ohne zu wissen, was für optische Veränderungen durch das Papier und dessen Messungen entstanden sind. Messgläubigkeit hat eben seine Grenzen in der Praxis.

Das Resultat. Der Proof ist nie eine 100-prozentige Simulation des Drucks. Es kommt immer wieder zu mehr oder weniger deutlich sichtbaren Abweichungen, die der Drucker nie erreichen kann. Dies in der Papiersimulation, ebenso wie im Zusammendruck von mehreren Farben (Trapping). Es ist eine Illusion, zu glauben, wenn das Messergebnis des Medienkeils nach ISO 12647-7 optimal ist, kann es der Druck auch optimal erreichen. Hier steht Messgläubigkeit gegen Wissen über den Prozess. Der Messgläubige ist aber der eigentliche Verlierer. In der Praxis ist es jedoch der Drucker, der gescholten wird, ohne es verschuldet zu haben.

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