Wenn die Grenzen der Standardisierung im Offsetdruck erreicht sind, was tun?


Optische Aufheller. Der Einfluss optischer Aufheller in Proof- und Druckpapieren (OBA) auf die Messtechnik wird meist unterschätzt, denn hier erfolgt meist nur eine Referenzierung auf das Papierweiß. Jedoch besteht zum Beispiel ein erheblicher Einfluss auf die Druckkennlinie, wenn sie mit L*a*b* gemessen wird, und den Vollton des Cyan, je mehr optischer Aufheller sich im Substrat befindet. Dadurch wird die Druckdichte reduziert, zum Proof entstehen Abweichungen.
Der UVcut-Filter ist keine Lösung, denn er lässt die oftmals sehr hohen Anteile an blauen Farbstoffen unberücksichtigt. So bleiben Reste an b* von -5 durchaus erhalten. Wenn man bedenkt, dass b* = -50 einen Wert von 100 Prozent Cyan repräsentiert, dann wird schnell klar, was dies bedeutet. Auch kann durch den UVcut-Filter das Messergebnis von blau (b*= -3) nach gelb (b* = 3) verschoben werden. All dies ist in der ISO nicht berücksichtigt und kommentiert. So werden Angaben gemacht, welche Papiere nach L*a*b* „in der Norm“ sind, aber wie mit diesen dadurch aufkommenden Veränderungen (Fehlern) umgegangen werden soll, wird dem Anwender mit keinem Wort mitgeteilt. Dieses Schweigen erzeugt Messgläubigkeit. Die neuen, vorgeschlagenen Papierdefinitionen der ISO bringen hier zwar Verbesserungen, jedoch auch neue Probleme. So sollen die Papiere in Strich und Papiergewicht eingeteilt werden. Wenn man nun in einer dieser Papier-Gruppen mit seiner Farbe innerhalb der Norm liegt, ist das Papier nach den neueren Vorstellungen der ISO in der Norm – sonst nicht. Jedoch kann es vorkommen, dass die Druckerei „A“ auf diesem Papier in die Norm kommt, aber Druckerei „B“ nicht. Warum? Das Papier enthält optische Aufheller, und die Druckerei „A“ verwendet ein Cyan, das den optischen Aufhellern entgegenarbeitet, und die Druckerei „B“ eines, das diese noch verstärkt.

Jedoch entsprechen beide Farben der ISO 2846. Der Kunde denkt natürlich, dass die Druckerei „B“ „unfähig ist“, nach der Norm zu drucken. Das sind eben diejenigen Toleranzen, die zu solchen Resultaten führen können. Ähnlich kann es aber auch heute schon passieren beziehungsweise wird das meiste außerhalb der Norm produziert, da man mit seinen Farben nicht in die Norm kommt, wie viele Druckereien sagen. Genau genommen werden zwei Farbserien benötigt: Eine für Papiere mit geringen optischen Aufhellern und eine für Papiere mit viel optischen Aufhellern. Auch ist daran zu denken, dass die unterschiedlichen Messgeräte zu unterschiedlichen Messergebnissen führen. Immer noch gibt es keinen „Meter“ oder „Maßstab“ für die Antwort auf die Frage, was ist das richtige Messergebnis? Das betrifft Messungen der optischen Aufheller (und Blauanteile) durch unterschiedliche Anregung in der Beleuchtung, ebenso wie die eigentliche Farbmessung.

Die Tonwertreproduktion. Angenommen, man druckt einen 50-prozentigen Ton, ohne Tonwertzunahme, auf verschiedenste Papiere, dann sieht man optisch annähernd (Unterschied des Papierweiß) die gleiche Helligkeit. Wird nun mit gleicher Tonwertzunahme gedruckt, erhält man eine dunklere, aber auch annähernd gleiche Helligkeit der Tonfläche. Nun werden aber nach ISO unterschiedliche Tonwertzunahmen zum Beispiel auf gestrichenem und ungestrichenem Papier gedruckt. Das führt nicht nur zu unterschiedlichen Helligkeiten (ungestrichen dunkler), sondern auch in den Mittel- und Dreivierteltönen zu geringerem Kontrast, da durch die flachere Kurve der ungestrichenen Papiere an Differenzierung verloren geht. Der Kunde möchte aber möglichst auf allen Papieren das gleiche beziehungsweise optimale Ergebnis beziehungsweise den gleichen Eindruck. Das wird aber mit dieser Technik, die der Tradition der Technik mittels Filmreproduktion (heute CtP) entspricht, nicht erreicht. Das wäre aber möglich. Besser wäre eine einheitliche Tonwertwiedergabe für alle Papiere. Ob dann noch ein kleiner Ausgleich wegen der Papierfärbung und des Dichteauftrags nötig ist, müsste eine intensive Untersuchung zeigen. Jedenfalls ist eine einheitliche Tonwertzunahme eine deutliche Verbesserung der Qualität und sicher im Interesse des Kunden.

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