Finishing von der Rolle


Was bringt der Rollendigitaldruck? Drei Beispiele aus der Praxis

Ab dem Jahr 2020, wenn nicht sogar schon früher, wird der Digitaldruck weltweit dominieren und den Offset-Druck überholt haben – das ist zumindest die Annahme des Falzmaschinenherstellers MBO aus Oppenweiler. Ein Grund dafür sei die enorme Zeitersparnis durch die Möglichkeit der Inlineverarbeitung. Vorausgesetzt, die Finishing-Linien sind auf die komplexen Anforderungen abgestimmt.

Auf der MBO-Veranstaltung im Rahmen des Stuttgarter Druckforums 2010 zeigte Hartmut Sohn anhand mehrerer Beispiele aus der Praxis, wie sich durch entsprechendes Finishing im Rollen-Digitaldruck die Prozesse optimieren lassen. Sohn, bei MBO Product Group Manager Digital Solutions und selbst gelernter Buchbindemeister, hat für MBO America eine Reihe von Weiterverarbeitungs­linien für den Rollen-Digitaldruck mit konzipiert und realisiert.

Beispiel Softcoverproduktion

Das Druckunternehmen Harlequin ist Weltmarktführer bei Softcover-Romanserien mit rund 120 neuen Titeln pro Monat. Weil die Verkaufszahlen der einzelnen Titel immer schwerer vorhersehbar waren, nahm Harlequin 2006 zusätzlich zum Offsetdruck eine komplette Produktionslinie mit Rollendigitaldruck in Betrieb. „Seitdem vergehen bei Harlequin zwischen Auftragseingang und Auslieferung keine acht Stunden mehr“, sagt Sohn. So können digital ge­druckte Exemplare bereits schnell den ersten Nachfrageschub be­dienen.

Die Zahl der unverkäuflichen Restexemplare konnte Harlequin halbieren, ohne dass auch nur ein einziger Titel des Gesamtkataloges nicht lieferbar gewesen wäre. Harlequin denkt bereits darüber nach, mit Inkjet-basierten Digitaldrucksystemen die Geschwindigkeit weiter zu erhöhen und den Break-even-Point gegenüber dem Offsetdruck von derzeit 3600 Exemplaren zu steigern.

Beispiel Broschürenfertigung

Bei Lifetouch, einem auf Schuljahrbücher spezialisierten Druckunternehmen, kommt der Digi-finisher von MBO/Hohner zum Einsatz, um rückstichgeheftete Broschüren zu fertigen. Er ermöglicht es, in der Mitte der Broschüre, also unter dem gesammelten dynamischen Teil, noch eine statische Beilage von bis zu 16 Seiten beizufügen und noch mehrere statische Bogenteile außen aufzulegen.

Beispiel Cover Matching

Der Digifinisher spielt auch bei einem Dienstleister für one-2-one-Kommunikation eine entscheidende Rolle. Dieser ist unter anderem spezialisiert auf personalisierte Krankenversicherungsbroschüren, die im Schnitt rund 100 Seiten dick sind. Dem Unternehmen ging es darum, die Produktionsgeschwindigkeit und -sicherheit zu optimieren und künftig auch personalisierte Cover einzusetzen.

Inzwischen kommen dort drei MBO-Finishing-Linien zum Einsatz. Sie ermöglichen es dem Druckhaus, nearline von der Rolle zu fertigen. Um personalisierte Cover den korrekten Inhaltsseiten zuzuordnen, werden beide Teile mit einem identischen Barcode versehen. Wenn der Inhaltsteil auf der Sammelkette des Digifinishers kommt, liest ein Barcodeleser im Umschlaganleger den Barcode des Umschlags. Falls die Barcodes nicht identisch sind, stoppt die Anlage.

Erschienen in DD 6/2010

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