Klebstoffaspekte für grafische Anwendungen in der Praxis


Neben einer gezielten Wahl der Rohstoffe und einer geschickten Formulierung bestehen Möglichkeiten, Adhäsion und Kohäsion zu optimieren, zum Beispiel darin, dass man durch chemische Reaktion einen Klebstoff verändert – wie es bei den reaktiven Polyurethan-Schmelzklebstoffen der Fall ist – oder darin, dass man zwei, in seltenen Fällen auch drei, unterschiedliche Klebstoffe nacheinander einsetzt. Weit verbreitet sind die Klebebindesysteme, bei denen nacheinander zwei Klebstoffe eingesetzt werden, so genannte Two-shot-Verfahren“.

Two-shot 1. Der Einsatz von unterschiedlichen Dispersionen für den Primer und den Topcoat hat eine lange Tradition. Häufig handelt es sich um von der Rezeptur her ähnliche Systeme, bei denen die Viskosität den Ansprüchen an einen Primer und an einen Topcoat angepasst worden ist. Solche Systeme können sowohl mit als auch ohne Zwischentrocknung gefahren werden. Durch den Einsatz eines Two-shot-Systems mit zwei Dispersionsklebstoffen lässt sich zum einen die Adhäsion zur Blattkante optimieren, zum anderen gerade bei schweren Umschlägen die Mitnahme durch die Dispersion sicher gewährleisten. Mit diesen Two-shot-Dispersionen lässt sich auch eine Verbesserung der Kälteflexibilität erzielen.

Two-shot 2. Schmelzklebstoffe haben aufgrund der Tatsache, dass mit ihnen hohe Produktionsgeschwindigkeiten möglich sind, einen weiten Einzug in die Herstellung von grafischen Erzeugnissen gehalten. Auch hier handelt es sich häufig um, von der Rezeptur her, ähnliche Systeme, bei denen die Viskosität den Ansprüchen an einen Primer und an einen Top-coat angepasst worden ist. Die Funktionalität solcher Systeme wurde speziell in der Katalogfertigung unter Beweis gestellt, wo sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren durch höhere Maschinenleistungen und Papierqualitäten mit hohem Sekundärfaser-Anteil deutlich verändert haben. Two-shot-Schmelzklebstoffsysteme zeigen verbesserte Pull- und Flexwerte bei gleich bleibend hohen Produktionsgeschwindigkeiten.

Two-Shot 3. Bei diesen Systemen versucht man, die Stärken der Dispersionsklebstoffe und der Schmelzklebstoffe gemeinsam zu nutzen. Als Primer wird gewöhnlich ein relativ niedrigviskoser Dispersionsklebstoff eingesetzt, der eine ausgezeichnete Blattkantenhaftung besitzt. Da der Dispersionsklebstoff nur für die Blattkantenhaftung zuständig ist, kann der Auftrag sehr dünn erfolgen. Nach anschließender Trocknung wird als Topcoat ein speziell auf dem Dispersionsfilm haftender Schmelzklebstoff eingesetzt. Dieser Schmelzklebstoff stabilisiert den Rücken und ist für die Mitnahme des Umschlags zuständig. Durch neue Rohstoffkombinationen ist es gelungen, verbesserte aufeinander abgestimmte Dispersions- und Schmelzklebstoffe zu entwickeln, die die gewünschten Anforderungen optimal erfüllen. Die niedrigviskosen Primer-Dispersionen zeichnen sich durch ausgezeichnete Benetzungseigenschaften aus und lassen sich sowohl über Standard- beziehungsweise Schaumwalzen verarbeiten. Die Schmelzklebstoffe zeigen eine hervorragende Haftung zum Dispersionsfilm und kommen aufgrund ihrer Filmeigenschaften dem Lay-Flat-Gedanken sehr entgegen, bei gleichzeitig sehr guten Flexwerten. Bei der richtigen Auswahl der Two-shot-Klebebindesysteme ist es möglich, sowohl die Qualität der Produkte im Vergleich zur normalen Schmelzklebstoffklebebindung als auch die Produktionsgeschwindigkeiten im Vergleich zur Klebebindung mit Dispersionen zu erhöhen. Zu beachten ist jedoch die Tatsache, dass ein Mehraufwand bei der Verarbeitung notwendig ist, da zwei unterschiedliche Klebstoffe eingesetzt werden müssen.

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