Klebstoffaspekte für grafische Anwendungen in der Praxis


Dr. Hermann Onusseit

Reaktive Klebstoffe. Auch bei der Konzeption von Two-shot-Systemen hat man versucht, die Möglichkeiten von reaktiven Systemen anzuwenden. Eine Möglichkeit besteht in der Anwendung von Dispersionen als Primer und reaktiven PUR-Schmelzklebstoffen als Topcoat. Solche Systeme können unter Nutzung einer Zwischentrocknung sowohl konventionell über Walzen, bezüglich des Polyurethan-Schmelzklebstoffes auch über Düsen (zum Beispiel beim Umschlag) verarbeitet werden. Die optimierten Verarbeitungsviskositäten und rheologischen Eigenschaften beider Produkte erlauben minimale Auftragsstärken zur Verbesserung des Aufschlagverhaltens und nicht zuletzt der Wirtschaftlichkeit. Dem kommt entgegen, dass die Systeme über einen schnellen Festigkeitsaufbau verfügen, der die Gebrauchsfähigkeit der Klebebindung bereits nach wenigen Stunden garantiert.

Fazit. Die Klebstofftechnologie hat bis heute einen hohen technischen Stand erreicht, sodass viele Produktionsprozesse ohne das Kleben undenkbar wären. Auch grafische Erzeugnisse lassen sich bei der richtigen Wahl der Klebstoffe einfach und sicher kleben. Bei der Auswahl der geeigneten Klebstoffe kommen sowohl die Kriterien in Betracht, die schon seit eh und je für die Auswahl von Klebstoffen in der grafischen Industrie herangezogen worden sind, als auch Kriterien, die sowohl durch die neuen Druckverfahren als auch durch die neuen Weiterverarbeitungsanlagen initiiert werden.  

Autor: Dr. Hermann Onusseit - Der Autor dieses Textes ist Technischer Direktor bei Henkel (Düsseldorf)

Sicherheitsbestimmungen für PUR-Klebstoffe 

Arbeitsschutz. Zwar stellen die bisherigen Polyurethan-Schmelzklebstoffe bei der Einhaltung der ausgearbeiteten Schutzmaßnahmenkonzepte keine Gefahr für Anwender dar, die Praxis zeigt jedoch, dass die Vorgaben nicht immer umgesetzt beziehungsweise eingehalten werden können. Bei Standardklebstoffen mit einem Isocyanat-Anteil zwischen 1 % und 5 % muss die Emission von Dämpfen durch Ablufthauben weitgehend verhindert werden. Ist dies nicht möglich, besteht eine Tragepflicht von Schutzkleidung, damit die Risiken minimiert werden. Für die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen hat der Betreiber der Buchbinderei Sorge zu tragen. Zwar sind im Klebebinder selbst bei geschlossenen Schutzhauben und einer entsprechenden Absaugung kaum Emissionen messbar, Arbeiten am offenen Binder können jedoch problematisch sein. Generell sollte auch hier eine effiziente Absaugung vorhanden sein, was aber in den meisten Fällen nicht überall realisierbar ist. Eine Gefährdung bei der Verarbeitung lässt sich deshalb leider nicht vollkommen ausschließen. Bei Reinigungs- und Einstellarbeiten oder Spülvorgängen ist ein direkter Kontakt mit Isocyanat möglich.
Durch die Entwicklung emissionsarmer Polyurethan-Schmelzklebstoffe hat die Klebstoffindustrie darauf reagiert und damit auch auf die wachsende Bedeutung nachhaltiger Produktionsverfahren. Gegenüber vielen marktüblichen Klebstoffen mit einem Gehalt von durchschnittlich 3 % enthalten zum Beispiel die Purmelt-Micro-Emission-Produkte weniger als 0,1 % Isocyanate. Damit unterschreiten sie den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert für die Kennzeichnungspflicht. Micro-Emission-Polyurethan-Schmelzklebstoffe zeigen unter Praxisbedingungen auf allen gebräuchlichen Bindeanlagen und Auftragssystemen eine Verringerung des monomeren Isocyanats in der Arbeitsatmosphäre um bis zu 90 %. In puncto Klebleistung stehen diese Produkte den Standardprodukten in nichts nach.

Erschienen in DD 14/2009

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