Weiterverarbeitung und Vernetzung: Flächendeckende Nutzung nicht in Sicht


Rainer Prosi, Technical Officer der CIP4 ist bereits seit 1999 in die Entwicklung des Job Definition Formats (JDF) involviert.

CIP4-Konsortium

Die International Cooperation for the Integration of Processes in Prepress, Press and Postpress (CIP4) ist ein Zusammenschluss von Herstellern, Beratern und Anwendern aus der Druckindustrie, mit dem Ziel, auf Basis anerkannter Standards, die Prozessautomatisierung in der grafischen Industrie voranzubringen. Fast alle international namhaften Hersteller aus der grafischen Industrie sind Mitglied des CIP4-Konsortiums. Hierbei sind alle Bereiche des Workflows vertreten, von Design über Druckvorstufe, Digital- und konventionelle Druckverfahren bis hin zur Weiterverarbeitung.

DD: Wie schätzen Sie den Stand der Nutzung von JDF in der Weiterverarbeitung ein? Wie stark sind Weiterverarbeiter an der Vernetzung mittels JDF interessiert?
Rainer Prosi: Hier muss man klar zwischen der klassischen und der digitalen Weiterverarbeitung unterscheiden. Von allen Bereichen der Druckautomatisierung ist die klassische Weiterverarbeitung der Automatisierungs-resistenteste Bereich. Es gibt durchaus einige gutlaufende Kundenprojekte mit JDF-Integration – von einer flächendeckenden Nutzung sind wir jedoch noch entfernt. In der digitalen Weiterverarbeitung – also im direkten oder indirekten Anschluss an Digitaldruckmaschinen ist eine Automatisierung – auch mit JDF – nicht wegzudenken.

DD: Worin liegen die Probleme oder Hürden bei der Nutzung von JDF? Was könnte Ihrer Meinung nach zur Verbesserung dieser Situation beitragen?
Prosi: Zum einen sind in der konventionellen Weiterverarbeitung die Investitionszyklen recht lang und zum anderen werden viele Details der Voreinstellung erst in der Vorstufe und nicht in der Auftragsplanung festgelegt. Des Weiteren gibt es viele traditionelle Lösungen, die in ihrer Robustheit und Einfachheit sehr schwer durch Automatisierungslösungen zu übertreffen sind. Zum Beispiel kann man eine Papierdicke aus einem Computer-definierten Papierkatalog entnehmen und hoffen, dass tatsächlich alle Angaben der Planung um-gesetzt wurden, oder man klemmt ein vorhandenes Stück Papier aus dem Auftrag in das Einstellrad für Papierdicke. Dennoch ist besonders die Fähigkeit von JDF wichtig, Informationen aus der Produktion standardisiert zurückzumelden. Durch diesen Echtzeit-Überblick der Produktion ist eine verbesserte Auftragsplanung und Workflowsteuerung auch in der Weiterverarbeitung möglich.

Welche Trends erkennen Sie für die Zukunft?
Prosi: Zwei Trends werden die Automatisierung insgesamt aber besonders in der klassischen Nachverarbeitung beschleunigen: Kleinere Aufträge und Sammelformen. Durch kürzere Auftragslängen wird es immer wichtiger, Einrichtzeiten zu optimieren, da sich das Verhältnis von Einricht- zu Laufzeit verschlechtert. Dem kann mit Automatisierung der Einrichtung, Standardisierung der Produkte und Optimierung der Auftragsreihenfolge entgegengewirkt werden. Sammelformen machen den Offsetdruck auch für sehr kleine Auflagen gegenüber dem Digitaldruck preislich interessant. Sie erfordern aber deutlich mehr Logistik, da mehrere Aufträge über mehrere Sammelformen verteilt werden können, zum Beispiel der Einband einer Broschüre auf einer Sammelform und der Innenteil auf einer anderen. Hier liegt der Schwerpunkt der Automatisierung nicht nur auf der Voreinstellung von Weiterverarbeitungsmaschinen, sondern in der Organisation der Abläufe und Inventare. In der digitalen Weiterverarbeitung wird PDF/VT, der neue ISO-Standard zur Darstellung variabler Daten, für neue Impulse sorgen. PDF/VT erlaubt nicht nur die optimierte Wiederverwendung wiederkehrender Bilder, sondern enthält auch Metadaten zu den Einzeldokumenten des Auftrags, die eine datengetriebene, digitale Weiterverarbeitung ermöglichen. Diese muss vollautomatisch erfolgen, wobei PDF/VT die Dokumentenstruktur und JDF die Produktionsabläufe beschreibt.

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