Weiterverarbeitung und Vernetzung: Flächendeckende Nutzung nicht in Sicht


Die Sigma-Line von Müller Martini arbeitet mit dem Workflow-System Connex komplett JDF-gesteuert.

Müller Martini

Seit mehr als sechs Jahrzehnten stellt die in Zofingen ansässige Schweizer Firmengruppe Müller Martini Anlagen für die grafische Industrie her. Das Unternehmen ist führend in der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung einer breiten Palette von Weiterverarbeitungs-Systemen und im Rollenoffsetdruck. Die Produktpalette reicht von formatvariablen Rollenoffset-Druckmaschinen über die Rotationsabnahme, Sammelhefter, Klebebinder, Hardcover-Linien und Zeitungsversand-Systemen bis hin zu Digital Solutions, mit denen das Potenzial des Digitaldruckes voll genutzt werden kann.

DD: Wie schätzen Sie den Stand der Nutzung von JDF in der Weiterverarbeitung ein? Wie stark sind Weiterverarbeiter an der Vernetzung mittels JDF interessiert?
Markus Schluep: JDF wird in der Weiterverarbeitung noch nicht weit verbreitet genutzt. Zwar beobachten wir, dass Weiterverarbeiter grundsätzlich an einer Vernetzung interessiert sind. Aber sie wissen oft nicht so recht, wie sie sich an das große Themengebiet herantasten sollen, oder sie verfügen nicht über genügend Personalressourcen. Die Vernetzung gewinnbringend zu nutzen, bedeutet für die Weiterverarbeiter nicht nur, sich mit Vernetzung auseinandersetzen. Vielmehr muss ein Verantwortlicher den Lead übernehmen, Ziele definieren, die Umsetzung planen, die Vernetzung realisieren, die Anwender schulen – kurz: es ist ein eigenes Projekt.

DD: Worin liegen die Probleme oder Hürden? Was könnte Ihrer Meinung nach zur Verbesserung dieser Situation beitragen?
Schluep: Aktuelle Produktionslinien in der Weiterverarbeitung bestehen typischerweise aus einer Anzahl von Maschinen verschiedener Herkunft und unterschiedlichen Alters. Die Koordination des Workflows geschieht oft auf Zuruf. Es ist eine dringende Aufgabe der Hersteller, dem Weiterverarbeiter die Vorzüge von JDF und JMF gerade im Zusammenhang mit heterogenen Linienstrukturen plausibel zu machen. Der Einstieg in eine automatisierte Workflow-Einbindung ist für den Betreiber nie ohne Aufwand, weil zunächst die Abläufe und das Betriebskonzept hinterfragt werden müssen. Müller Martini erleichtert den Einstieg mit dem Connex-Information-System derart, dass ein risikoloser Start möglich ist. Basierend auf dem JMF-Interface wird eine Informationsplattform angeboten, die zunächst ohne Rückwirkung auf die Produktionslinie funktioniert. Das Connex-System ist flexibel und kann später jederzeit mit Modulen zur JDF-Auftragsverwaltung erweitert werden. Auch die Integration weiterer Produktionslinien in das Connex-System ist zu einem beliebigen Zeitpunkt möglich. Connex funktioniert sowohl im Standalone-Betrieb als auch in enger Zusammenarbeit mit einem MIS- oder Vorstufen-Workflow-System. Alle neuen Maschinen von Müller Martini basieren auf einer Automatisierungsplattform, welche die Interoperabilität der Maschinen in der Produktionslinie sichert. Die Workflow-Einbindung, basierend auf der Automatisierungsplattform, ist einfach und risikolos. Müller Martini arbeitet an Konzepten, die die Integration bestehender Maschinen in die Welt von JDF und JMF vereinfacht.

Markus Schluep koordiniert die Workflow-Integrationsprodukte und vertritt Müller Martini in der CIP4-Organisation, in welcher das Unternehmen Partnermitglied ist.

DD: Welche Trends erkennen Sie für die Zukunft?
Schluep: Kurze Durchlaufzeiten, minimale Lagerhaltung, Kleinstauflagen und gesteigerte Ansprüche an die Qualität der Produkte prägen den Markt. Der Grad der Abhängigkeit jedes Unternehmers von seinen Zulieferern und seinen Abnehmern steigt weiter an. Die Effizienz bezüglich Auftragsabwicklung und Materialflussmanagement muss mit einem durchgängigen System sichergestellt werden. Müller Martini hat diese Trends erkannt. Am Beispiel unseres digitalen Systems Sigma-Line wird deutlich, wie Vorstufe, Digitaldruckmaschine und Weiterverarbeitung mit dem Connex-Workflow-System – basierend auf JDF und JMF – zu einer effizienten Produktionslinie kombiniert werden. Die für Digitallinien entwickelte Technologie hat sich bewährt und setzt sich auch in anderen Bereichen durch. Traditionelle Weiterverarbeiter, die sich im veränderten Markt behaupten wollen, werden rasch die Workflowintegration und die Prozessoptimierung aus der Welt des Digitaldrucks übernehmen. JDF und JMF bilden die Basis einer offenen Schnittstelle, die für Maschinenlieferanten, Prozessautomatisierer und Lieferanten von Management-Informations-Systemen (Branchensoftware) zentrale Bedeutung hat.

Erschienen in DD37/2011.

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