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„Wir glauben sehr stark und sehr fest an die Branche, die wir beliefern“

Der Maschinenbauer Kolbus über Marktsegmente mit großem Potenzial
 

Der Geschäftsführende Gesellschafter der Kolbus GmbH & Co. KG, Kai Büntemeyer.

Über die Druckindustrie ist in der Öffentlichkeit ein Bild entstanden, das die Realität verzerrt, so Kai Büntemeyer, Geschäftsführender Gesellschafter des Maschinenbauers Kolbus. Dieses Bild müsse dringend gerade gerückt werden. Denn auch wenn sich die Märkte aktuell stark verändern, gibt es Segmente mit großem Potenzial – wie die Verpackungsproduktion und den Digitaldruck. Auf der Drupa will Kolbus diese in den Fokus nehmen.

Deutscher Drucker: Die Druckindustrie hat jetzt innerhalb kurzer Zeit mit Manroland und Kodak zwei große Insolvenzen erlebt. Die Zahl der Anwenderbetriebe ist ebenfalls drastisch zurückgegangen. Wie schätzen Sie die momentane Situation ein?
Kai Büntemeyer: Wir glauben sehr stark und sehr fest an die Branche, die wir beliefern. Das heißt, ich halte also manche Aussagen der letzten Zeit – dass wir es mit einem Strukturwandel zu tun haben, der zu einer deutlichen Verkleinerung der Druckindustrie führen wird – für absolut nicht gegeben. Das ist maßlos übertrieben. Sicherlich ist die Druckindustrie insofern eine gesättigte Branche, als dass sie nicht schneller wachsen kann als das allgemeine Wirtschaftswachstum der jeweiligen Volkswirtschaften. Und speziell Deutschland hat seit etwa 30 Jahren ein sehr geringes Wirtschaftswachstum.

DD: Dennoch scheint es der Gesamtwirtschaft derzeit besser zu gehen als der Druckindustrie ...
Büntemeyer: Da muss man auch hinzurechnen, dass man es mit einer kapitalintensiven Industrie zu tun hat und mit dem Umstand, dass das Investitionsverhalten extreme Ausschläge verursachen kann. Maschinen in der Druckindustrie können innerhalb des Verantwortungsbewusstseins durchaus zwischen sieben und 13 Jahren eingesetzt werden. Im Schnitt sind wir dann etwa bei zehn Jahren. Bewegt sich das Pendel aber mal in Richtung neun oder in Richtung elf Jahre, dann hat das enormen Einfluss auf die Investitionstätigkeit. Und diese Schwankungen betreffen natürlich direkt die Investitionsgüterhersteller, die die Druckindustrie beliefern.
Insofern können ein Krisengefühl oder ein Hochzeitgefühl dafür sorgen, dass es auf einmal ganz drastische Überkapazitäten gibt. Wenn Sie dann auch noch den Markt auf einzelne Segmente runterbrechen, kann eben so ein extremer Eindruck entstehen, als hätten wir überhaupt keine Arbeit mehr oder es würde für jeden gebotenen Preis gedruckt.

DD: Den viel zitierten und beklagten Preisverfall würden Sie gar nicht so unterschreiben?
Büntemeyer: Doch, den gibt es, aber er kommt eben zustande in einer Druckindustrie, die sich nur gemeinsam mit der Volkswirtschaft entwickelt. Das reicht durchaus, um solche Ausschläge zu haben.
Meiner Meinung ist über die Lage der Druckindustrie in der letzten Zeit ein Bild entstanden, das der Realität einfach nicht entspricht. Wenn Sie heute zu einem durchschnittlichen Kreditsachbearbeiter oder Kundenbetreuer bei einer Bank in Deutschland gehen und sagen, Sie möchten einen Kredit für eine Druckerei aufnehmen, dann ist es ja in Ordnung, wenn er sagt, „das stelle ich mir aber etwas schwierig vor“. Aber die Situation, die geschaffen wurde, ist die, dass der Mann vor Lachen umfällt. Und das ist unnötig.
Wir haben nicht eine Druckindustrie, die strukturell verschwindet, sondern eine Druckindustrie, die sich mit der Wirtschaft entwickelt. Das heißt in Industrieländern sehr langsam, aber in Schwellenländern durchaus dynamisch.

DD: Welchen Umsatzanteil hat der deutsche Markt bei Kolbus im Vergleich zum weltweiten?
Büntemeyer: Grundsätzlich zehn Prozent. Deutschland ist ja ein Land, in dem relativ viel für Drucksachen ausgegeben wird – und wir haben im internationalen Vergleich noch immer relativ kurze Maschinenlaufzeiten.
Vergleichen Sie beispielsweise die USA mit Deutschland: Die Deutschen geben erheblich mehr Geld für Drucksachen aus als die Amerikaner. Und in den USA sind die Maschinenlaufzeiten erheblich länger als bei uns, sodass für ein Haus wie Kolbus der Markt USA und der Markt Deutschland durchaus vergleichbar sind. Die Amerikaner können teilweise auch ganz extrem sein. 2010 haben wir es so erlebt, dass die US-Betriebe alle zusammen kaum Maschinen kauften – fast nichts. Da kommt es dann zu den oben erwähnten Schwankungen.

DD: Wie begegnen Sie solchen Entwicklungen?
Büntemeyer: Wir müssen den Kunden einen Anreiz für Neuinvestitionen geben. Das heißt 20 Prozent Leistungssteigerung der Maschinen, des Materials in einem Zehnjahreszyklus müssen wir schon bringen. Da wird zum Beispiel der Markt in Deutschland nicht mitwachsen. Das heißt also, aus unserer Sicht ist dann Deutschland ein Markt, der schrumpft – was den Maschinenabsatz betrifft.

DD: Die Entwicklungen der Gesamtwirtschaft sind eine Sache. Wie schätzen Sie aber gerade in Ihrem Segment, der Buchproduktion, die Entwicklung digitaler Medien wie E-Books et cetera ein?
Büntemeyer: Insgesamt sind wir überzeugt, dass die Effekte gering sind. Es gibt einen Effekt, aber der wird falsch eingeschätzt. Dieser Effekt ist dann zu beobachten, wenn elektronische Lesegeräte verkauft werden – meist im Weihnachtsgeschäft. Da wurde sicher in den letzten Jahren eine dreistellige Millionen-Euro-Zahl an Umsatz generiert, der nicht mit Büchern gemacht worden ist. Was aber nicht der Fall ist, ist, dass der Verbraucher, der jetzt ein Lesegerät besitzt, plötzlich weniger gedruckte Bücher kauft, als er es sonst getan hätte.

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Leserkommentare (1)

Wolfgang R. | Mittwoch, 28. März 2012 14:46:02

Auch mal die Kehrseite sehen

[Zitat]Wir werden zeigen, wie einfach der Prozess ist – dass ich quasi meinen USB-Stick an einem Ende in die Maschine stecke, dann auf einen Knopf drücke und am anderen Ende das fertige Buch rausfällt.[Zitat]
Das kostet auch nur Arbeitsplätze, und den Menschen fehlt das Einkommen um das fertige Buch zu kaufen .... Maschine kaufen nichts ... überhaupt nichts.

Finishing

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