„Wir glauben sehr stark und sehr fest an die Branche, die wir beliefern“


DD: Für den US-amerikanischen Markt werden allerdings Zahlen angegeben, dass genauso viel bis mehr E-Books verkauft werden wie gedruckte Bücher.
Büntemeyer: Was aber nicht dazu gesagt wird, ist die Zahl, die dabei angewendet wird. Die meisten dieser E-Books sind ja geschenkt. Sie können ja mit dem, was out-of-Copyright ist, bis zu Tausende von Titeln auf so ein Lesegerät laden, für die Sie nichts bezahlen. Und die sind in diesen Zahlen alle mit drin. Wer sich jetzt 15 Bände Charles Dickens – sagen für eine Gebühr von 99 Cent – zulegt, der wäre ja nicht stattdessen am selben Tag in den Laden gegangen und hätte 15 Bände gekauft. Das muss man ganz klar sehen.
Ich glaube auch, das E-Book wird sich wesentlich zu einem eigenen Medium entwickeln. Ich glaube, dass die Lesegeräte aussterben werden und dann durch Tablet-PCs ersetzt werden. Man wird nicht eine ganze Tüte voller Geräte mit sich tragen wollen.

DD: Das heißt, Sie glauben fest an Ihr Marktsegment?  
Büntemeyer: Ich gehe insgesamt davon aus, dass wir weltweit einen wachsenden Markt zu beliefern haben. Zum Teil müssen wir das auch mit Produktivitätssteigerungen abdecken. Das heißt, dass unser Absatzwachstum dann nicht so sensationell sein wird, wie man vielleicht denken könnte, aber es wird durchaus, wenn wir aus der momentanen Krise raus sind, wieder stetig und kräftig sein. Für uns folgt daraus, dass wir uns weiterhin im Wesentlichen auf unseren Markt konzentrieren.  

DD: Sie sagen „im Wesentlichen ...“
Büntemeyer: Wir haben begonnen, unser Produktsegment in Richtung Verpackung auszuweiten. Entstanden ist dieser Schritt im Prinzip aus der Erkenntnis, dass wir in diesem Bereich bereits Kompetenzen haben. Konkret gesagt: Unsere Deckenautomaten sind ja im Kern Geräte, mit denen sehr hochwertiges und sehr empfindliches bedrucktes Papier auf Karton kaschiert wird. Da haben wir festgestellt, da gibt es auch einen Feinkartonagen-Bereich, für den das interessant ist. Wir adressieren also den Bereich hochwertiger Luxusverpackungen, in dem ich nicht mehr direkt auf den Karton drucken kann, sondern kaschieren muss.
Die ersten Prozentpunkte Umsatz werden bereits jetzt generiert. Im Laufe der nächsten zwei Jahre wollen wir auch unser Angebot noch etwas erweitern, um diesen Markt noch weiter zu erschließen. Einige Kunden in dem Sektor haben das schon erkannt, nutzen das, kaufen unsere Maschinen und produzieren damit.

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Wer sich 15 Bände Charles Dickens für 99 Cent auf dem E-Reader zulegt, der wäre ja nicht stattdessen in den Laden gegangen und hätte 15 gedruckte Bände gekauft.

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DD: Für wen eignen sich diese Maschinen? Eher für die Verpackungsdrucker oder auch für ihre klassische Kundschaft aus der Buchherstellung?  
Büntemeyer: Kann ich mir beides vorstellen. Ich denke mal, einen Buchdrucker wird das eher nicht interessieren. Einen Lohnbuchbinder möglicherweise schon, einen Lohndeckenmacher ganz sicher. Die Kette könnte folgendermaßen aussehen: Der Feinkartonagen-Hersteller kennt einen Lohndeckenmacher, fragt den, wie sich ein bestimmtes Problem vielleicht lösen lässt, und der sagt dann: Kolbus. Das Ganze ist ja eine kundengetriebene Entwicklung.

DD: Und wo geht die Reise für Kolbus im Kerngeschäft hin? Was werden zum Beispiel die Schwerpunkte Ihres Drupa-Auftritts sein?
Büntemeyer: Wir halten es für wichtig, einen großen Teil unserer Ausstellung, unseres Messestandes, dem Thema Digitaldruck zu widmen. Wir werden den Versuch unternehmen, unserer Kundschaft endgültig und umfassend zu zeigen, was Digitaldruck für sie bedeuten wird.

DD: Nämlich ...?
Büntemeyer: Es gibt ein sehr gutes Geschäftsmodell, das heißt Fotobuch. Das hat sich sehr gut entwickelt. Und da sind wir direkt mit reingewachsen. Kennzeichnend ist hier, dass der Verbraucher und der Herausgeber eine Person sind. Und dadurch bin ich in der Lage, sehr hochwertige, sehr teure Produkte anzubieten. Das heißt, das Buch kann 10, 20 oder gar 30 Euro kosten. Während im Industriebereich ein Buch in der Größenordnung von einem Euro liegen sollte. Und dieses Fotobuchmodell kann man ausweiten. Hier wird es noch viel mehr Einsatzmöglichkeiten geben.

DD: Und was werden wir zur Drupa bei Kolbus sehen?
Büntemeyer: Wir haben uns mit einem Partner zusammengetan und werden eine Digitaldruckmaschine zeigen, Schwarzweiß, eine sehr leistungsfähige.
Und wir werden zeigen, wie man jetzt in einem Durchlauf schwarz-weiße Bücher online von der Rolle durch den Klebebinder fix und fertig produziert. Wir werden zeigen, wie einfach der Prozess ist – dass ich quasi meinen USB-Stick an einem Ende in die Maschine stecke, dann auf einen Knopf drücke und am anderen Ende das fertige Buch rausfällt. Das werden wir zeigen.    
   

Erschienen in DD 4/2012

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Leserkommentare (1)

Wolfgang R. | Mittwoch, 28. März 2012 14:46:02

Auch mal die Kehrseite sehen

[Zitat]Wir werden zeigen, wie einfach der Prozess ist – dass ich quasi meinen USB-Stick an einem Ende in die Maschine stecke, dann auf einen Knopf drücke und am anderen Ende das fertige Buch rausfällt.[Zitat]
Das kostet auch nur Arbeitsplätze, und den Menschen fehlt das Einkommen um das fertige Buch zu kaufen .... Maschine kaufen nichts ... überhaupt nichts.

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