Horizonterweiterung: Schrift im realen und virtuellen Raum


Heide Hackenberg.

Steffen Schuhmann (anschlaege.de, Berlin) forderte Transparenz bei Pitches einschließlich Honorierung und wünscht sich eine Wettbewerbsdatenbank, klare Lohnstrukturen und mehr Sensibilisierung für gutes Design.

Erik Spiekermann, Fachautor, Informationsdesigner, Schriftgestalter und ganz aktuell einer von 27 Botschaftern des Europäischen Jahres für Kreativität und Innovation (Edenspiekermann, Berlin und Amsterdam), appellierte an die Kollegen: „Design ist eine Haltung, kein Produkt. Haltung kann man nicht durch eine Kammer verordnen." Er empfahl zudem ein Manifest für Auftraggeber, in dem unter anderen stehen sollte: „Wir sind keine Lieferanten, sondern Partner. Fordern Sie uns, sprechen Sie mit uns, vertrauen und bezahlen Sie uns!"

Heide Hackenberg, Fachautorin (AGD; Fidius): Eine Designkammer bringt nichts. Die Szene müsse sich klar machen, dass Design „ein kraftvoller Wirtschaftszweig ist, dessen Leistungen angemessen bezahlt werden müssen." Am Preisdumping sei sie letztlich selbst schuld: „Lernen wir endlich zu argumentieren, indem wir den betriebswirtschaftlichen Nutzen von Design erläutern." Wirtschaftslehre und Selbstvermarktung gehörten unbedingt mit in die Ausbildung.

Johannes Erler (Factordesign, Hamburg): Für Design und Typografie müsse stärker sensibilisiert werden, eine „bessere Bewaffnung" sei nötig (Argumente) und außerdem eine professionelle Designkritik.

Tanja Mühlhaus vermittelt als Fachreferentin in der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen zwischen Kreativen, Wirtschaft und Politik. Sie begrüßt sehr die Initiative Deutscher Designverbände (iDD), in der sieben Verbände organisiert sind und die für eine Bündelung der Interessen sorgt. Mühlhaus vertrat zugleich die Auftraggeberseite und beklagte fehlenden Respekt seitens der Agenturen und teils auch Unzuverlässigkeit.

Henning Krause (Präsident des Bundes deutscher Grafik-Designer e.V.) brach eine Lanze für die Verbände, die ihren Berufsstand „in der Welt da draußen vertreten“ und sich „einmischen“. Es gäbe Handlungsbedarf, denn in Deutschland habe man immer noch nicht erkannt, dass Kommunikationsdesign eine Wachstumsbranche ist; in Großbritannien und Skandinavien sei man da schon weiter. Von den Kreativen wünschte er sich mehr Einsatz: sie sollten neugierig auf den Kunden sein und sich intensiv mit seinem Unternehmen auseinandersetzen.

Florian Pfeffer (Designbüro one/one; Stiftung out:put) versuchte die Zuhörerschaft durch Hypnose von der Teilnahme an unfairen Designwettbewerben abzuhalten ... Er forderte

Eigeninitiative und Berufsethos: Anstatt nach einer Kammer zu rufen, sollten sich Designer lieber an die eigene Nase fassen.

Aktuelles P.S.: Mit der Unterzeichnung der iDD-Satzung am 11. Juli in der Zeche Zollverein, Essen, „haben die Verantwortlichen der Verbände den wichtigen Schritt von der gemeinsamen, eher locker verbundenen Initiative zur Bildung einer Rechtskörperschaft vollzogen“ (aus der Pressemitteilung). Damit erhält die iDD mehr Gewicht. Zu den wichtigsten Anliegen gehören die Herstellung einer umfassenden Rechtssicherheit für den Berufsstand der Designerinnen und Designer (Vermarktung geistigen Eigentums, Versicherungsschutz/KSVG, Einsatz für faire Wettbewerbe) sowie unter anderem auch Verbesserungen in der Ausbildung.

Erschienen in DD 30/2009

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