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Lesen in Zeiten des Internets

König Céphas Bansah.

Typo Berlin 2010. „Passion“ – im Berufsalltag kreativer Menschen spielt die Leidenschaft eine Schlüsselrolle. 60 Referentinnen und Referenten boten einen Einblick in ihre Arbeitsweise. Dabei ging es während der ausverkauften dreitägigen Konferenz von Fontshop unter anderem um generative Gestaltung und Webfonts, um leidenschaftliche Erfindungen und um die Macht sozialer Netzwerke.„

Wahrhaft königlichen Glanz verbreitete auf der großen Bühne der Typo-Hall am letzten Konferenz-Abend Togbui Ngoryifia Céphas Kosi Bansah. Er regiert seit seiner Krönung im April 1992 das im Osten Ghanas ansässige Volk der Ewe, circa 300000 Menschen sind das. Darüber hinaus ist er Kfz- und Landmaschinen-Meister mit eigener Werkstatt, sympathischer Entertainer und Deutschlands erster Weinkönig. Wie die Ewe im Bezirk Gbi in der Region des Voltasees leben, wie segensreich König Bansah von Ludwigshafen aus für seine Unter-tanen wirkt und wie er zu einem neuen Corporate Design kam, dies erfuhren die Konferenzteilnehmer vom König selbst und seinem Gestalter Julian Zimmermann. Der junge Mann, Student an der Hochschule Mannheim im Fachbereich Kommunikationsdesign, hatte genau dies als Aufgabe für seine Bachelorarbeit gewählt.

Leidenschaftlich setzt sich König Bansah für sein Volk ein. Die Einnahmen aus den Aktivitäten als Sänger und Entertainer fließen in Hilfsprojekte und Baumaßnahmen für sein Heimatland. Mit ebenfalls viel Einsatz ging Julian Zimmermann an die Arbeit. Beispielsweise begleitete er zusammen mit seinem Dozenten Bernhard Pompey und der Fotografin Mirka Laura Severa im Februar 2010 den König zehn Tage lang durch Ghana. Tief beeindruckt kehrte er heim, mit einer klaren Idee: Bei aller lebens- und farbenfrohen Exotik sollte das neue Corporate Design doch hoheitlich-würdevolle Zurückhaltung ausstrahlen. Das neue Wappen beispielsweise entfernt sich von der europäisch geprägten, ursprünglichen Heraldik, zeigt nun zeichenhaft reduzierte Bildelemente ohne Rahmung. Krokodilkopf, Voodoostein und der König, der einem Untertan auf den Früchte tragenden Baum hinaufhilft – dieses so dezente wie ausdrucksstarke Logo ziert alle Geschäftspapiere und ist auch im Internet zentral platziert (www.koenig-bansah.de).

Der Auftritt dieses Paares bildete den krönenden Abschluss der Konferenz, auch wenn nach einer Pause, in der viel königliches Akosombo-Bier verkauft wurde und Céphas Bansah unermüdlich Autogrammkarten mit seiner grafisch bemerkenswerten Unterschrift versah, noch das technisch aufwendige Experiment von Studio Dumbar folgte. Der König und sein Gestalter schlugen mit ihrer Geschichte alle in den Bann. Dafür spendete das Publikum stehend Ovationen.

Generative Gestaltung. Den Computer Daten sammeln und gestalten zu lassen, diese Idee ist nicht neu, wie Beispiele von Informatikern, Ingenieuren und Wissenschaftlern belegen. Zunehmend wagen sich nun Gestalter auf dieses Feld. In welcher Weise sich der Entwurfsprozess bei der „generativen Gestaltung" wandelt und welchen Nutzen Wissenschaft, Grafikdesign und Kunst davon haben, erläuterten Julia Laub und Hartmut Bohnacker, die an der HfG Schwäbisch Gmünd beide Kommunikationsdesign studiert haben.

Beim klassischen Weg findet eine Idee über die manuelle Umsetzung mittels Stift oder Tastatur beziehungsweise Maus zum visuellen Output. Anders bei der generativen Gestaltung: Hier wird die Idee analysiert, abstrahiert und in eine Regel übersetzt (Algorithmus), dann mittels einer Programmiersprache wie Processing in einen Quellcode transferiert, der ein Bild erstellt, gleichsam aus dem Nichts, „ohne dass die Hand je einen Strich gezeichnet hat".

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