Lesen in Zeiten des Internets


Digitale Handarbeit – die Buchstaben der Type Jockey von Andrea Tinnes visualisieren Klänge.

Bei Fontshop gibt es jetzt drei Lizenzstufen, die sich nach den Pageviews pro Monat richten (500.000; 5 Millionen; 50 Millionen). Ebenfalls Webfont-Services bieten beispielsweise Monotype, Typotheque, Google und Typefront, dies teilweise kostenfrei.

Hingabe zum Detail. Leidenschaft, Spielfreude und Experimentierlust sind die Voraussetzungen für gute Arbeit; auch der Mut, zu scheitern, gehört dazu. Als besondere Spezies erscheinen die Schriftgestalter, die mit so viel Hingabe am Buchstabendetail feilen. Die Schrift- und Grafikdesignerin Andrea Tinnes hat mit ihrer Begeisterung bereits viele Studenten infiziert. Sie entwarf so ausgeklügelte Textschriften wie die Skopex-Familie und arbeitet gerade an einer neuen namens Roletta. Die aus dem Playground-Projekt resultierende Type Jockey ist anders, sie erinnert an elektronische Musik. Ein Gitterraster dient als Basis, Farben kommen hinzu und lassen wandelbare Buchstaben wie akustische Signale aus der Lineatur heraustreten. Die Strukturen wurden manuell erstellt – digitale Handarbeit. Einige Aktionen widmeten sich der mittels Marker, Pinsel oder Breitfeder geschriebenen Schrift. Der Kalligrafie-Workshop von Andreas Frohloff war wie jedes Jahr sehr gut besucht und Thomas Hoyer zog die Blicke auf sich, als er die Glastüren am Eingang der Schwangeren Auster mit Texten beschrieb – seitenverkehrt, zum Mitlesen für den auf der anderen Seite stehenden Betrachter. Niels Shoe Meulman, niederländische Graffiti-Legende, faszinierte mit einer noch größer angelegten Aktion: Im Foyer »pinselte« er eine Samurai-Weisheit aus dem Hagakure auf eine 1 x 8 m große Leinwand und veranschaulichte live, was er unter dem von ihm geprägten Begriff Calligraffiti versteht.   

Leben und Gestalten im Web – Chance oder Risiko? 

Mit 400 Millionen Nutzern ist Facebook die drittgrößte „Nation“ der Welt. In den sozialen Netzwerken von Twitter, Facebook & Co. tauscht man dabei längst nicht mehr nur Informationen aus. Die stetig wachsende Gemeinde ist zu einer mächtigen Kontrollinstanz geworden; sie lässt Wirtschaftskonzerne und Politiker straucheln, macht aus unbekannten Menschen Stars – blitzschnell, expansiv und ohne Unterstützung der alten Medien. In einer fulminanten Präsentation schilderte Frank Schomburg von Nextpractise, Bremen,  den „Machtwechsel vom Anbieter zum Nachfrager“, die „Strategien der Bewältigung von Komplexität“ sowie die beiden „Grundhaltungen im Umgang mit dem Netz“, wie sie die „digital visitors“ und die „digital residents“ verkörpern. Sein Fazit: „Außergewöhnliche Wirkungen entstehen in sozialen Netzen in erster Linie über emotionale Resonanz: Empathie wird zur Schlüsselkompetenz.“

Volkssport Design? „Wie können Profis trotz Crowdsourcing und den Billiganbietern des Internet überleben?“, fragte Moderator Florian A. Schmidt. Bei der den Thementag beschließenden Gesprächsrunde ging es richtig zur Sache. Mit Bastian Unterberg und Michael Kubens waren die Gründer der bereits recht erfolgreichen Plattformen jovoto.com und designenlassen.de beteiligt sowie mit Prof. Dr. Jörg Petruschat (u.a. Leiter des Instituts für Innovation und Design, Dresden) und Prof. Torsten Stapelkamp (u.a. Hochschule Hof) zwei Spezialisten für Design-Theorie und -Praxis. Petruschat: Kreative sollen sich den komplexen, per Crowdsourcing nicht lösbaren Designproblemen widmen. Das Gewicht liege hier in der entsprechend zu honorierenden Phase der Ideenfindung. Stapelkamp: Freiberufliche Ge­stalter sind Unternehmer. Gute Argumenta­tion sei wichtig und Kontakte zu knüpfen, besser auf Fachveranstaltungen face-to-face als online im Web.

Fazit: Die Internet-Konkurrenz existiert. Die einzige Chance liegt in der eigenen Professionalisierung.

Erschienen in DD 18/2010

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