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Mit Schere, Stift und Fixogum

Die 12. Tage der Typografie

Die Dozenten des Workshops (v.l.): Peter Reichard und Tanja Huckenbeck, Stefan Claudius, Alessio Leonardi und Veronika Burian.

Im Printhouse der Akademie Druck+Medien NRW in Düsseldorf trafen sich Typo­grafie-Interessierte zum gemeinsamen Arbeiten und zum Gedankenaustausch. Drei informative Vorträge eröffneten am Freitag die Veranstaltung, Samstag und Sonntag wurde dann in vier Workshops gezeichnet, geklebt, gebaut – überwiegend und ganz bewusst ohne Computer.

Nicht die perfekte Umsetzung ist das Ziel dieser Veranstaltungsreihe, im Vordergrund stehen vielmehr die Ideenfindung und das kreative Ausprobieren. Dementsprechend nannte Alessio Leonardi seinen Workshop „Kreatives Basteln“. „Da­bei helfen unsere Hände und die Augen; wir verkleben uns, stinken nach Farben und werden ganz glücklich“ – so formulierte der Berliner Schriftgestalter und Grafikdesigner mit italienischen Wurzeln sein Konzept. Gebastelt wurde wirklich. Es entstanden Plakate mit Wörtern und Sätzen aus gerissenen und gefalzten Papierschnipseln oder aus dreidimensionalen Kartonbuchstaben. Ein Teilnehmer baute eine Hochhaussiedlung: Beim Blick von oben formten die Straßenschluchten das Wort „echt“ – und somit das Motto der dreitägigen Veranstaltung.

Feilen am typografischen Detail. „Echt Garamond?“ hieß es bei Tanja Huckenbeck und Peter Reichard vom Offenbacher Gestaltungsbüro Typosition, die zusammen mit dem Akademie-Team auch für die Tagungsorganisation verantwortlich zeichnen. Sie ist gelernte Schriftsetzerin, er gelernter Drucker – das prägt. Beide lieben das Feilen am typografischen Detail und das Spiel mit dem wunderbar vielseitigen Material Papier. In ihrem Workshop sensibilisierten sie einerseits für die historischen Wurzeln unserer gebräuchlichsten Satzschriften und für kleinste formale Unterschiede. Zu den Klassikern gehört die Garamond – aber welches ist die „echte“? Die Garamond-Version von D.Stempel, von Adobe oder Jan Tschicholds Replik, die Sabon?

Andererseits ging es um gestalterische Grundlagen, um Raster und Satzspiegel beispielsweise. Eine fiktive Broschüre für ein (erst noch zu gründendes) Garamond-Museum war schließlich zu entwerfen, ganz analog, mit Blindtexten und Bildmaterial aus Papier, mit Stift, Typometer, Schere und Fixogum. Ganz bewusst blieben die Computer hier aus. 15 Teilnehmer widmeten sich dieser Aufgabe, darunter Mediengestalter im ersten Lehrjahr, aber auch Berufsschullehrer und Ausbilder mit 30 Jahren Berufserfahrung. Fünf Azubis kamen allein von Hornbach; der Baumarkt leistet sich einen eigenen Kreativbereich und bildet auch aus. Die Angst vor der unbedruckten Fläche war allenthalben sichtbar. Im Laufe der Zeit gab es aber doch eine Entwicklung weg vom vollgestopften Layout hin zu mehr auflockerndem Weißraum.

Arno Stolz versammelte in seiner Setzkasten-Galerie kleinformatige Originale von Persönlichkeiten der Kreativ-Szene – Victor Malsy stellte das Projekt aus den 1980er-Jahren vor.

Das analoge Arbeiten kommt in der Ausbildung oft viel zu kurz und bleibt doch so wichtig. Im Workshop der Schriftgestalterin Veronika Burian ging es – ebenfalls ohne Computer – auf „Entdeckungsreise in die Welt des Typedesign“. Das Codewort lautete „videospan“ – beim Skizzieren, Schreiben und Zeichnen des kleinen „a“ gab es jede Menge Aha-Erlebnisse. Ganz klar: Auch im Workshop von Stefan Claudius, in dem das CD-Cover der Lieblingsmusik zu gestalten war, wurde handgreiflich-haptisch gearbeitet; gleichwohl kamen hier auch Digitalkameras zum Einsatz.

Setzkasten-Galerie. Eingeleitet wurde das Workshop-Wochenende mit drei Vorträgen am Freitag. Einen wunderbaren Einstieg bot Victor Malsy, der zusammen mit Philipp Teufel an der FH Düsseldorf lehrt und mit ihm in Willich ein Gestaltungsbüro betreibt. Er stellte die Setzkasten-Galerie von Arno Stolz aus Dortmund vor. Dieser, Jahrgang 1934 und gelernter Schriftsetzer, hatte vor rund 30 Jahren ein einzigartiges Projekt begonnen. Er bat damals einige prominente Schriftgestalter und Typografen um ein kleines Original für ein Setzkastenfach. Als erste steuerten Hermann Zapf, Anton Stankowski, Willem Sandberg und Helmut Schmidt Rhen etwas bei. Zeichnungen, Kalligrafie, auch Dreidimensionales fand sich im Laufe der Jahre ein. Zwei große Kästen wurden so gefüllt und zwei kleine, mit insgesamt rund 280 Originalen. Milton Glaser schickte ein wunderbar zweifarbiges Ei, Wolfgang Weingart goss eine gebogene Messinglinie in Gips, Paul Flora zeichnete Wagner im Kahn, Philipp Luidl setzte: „Schrift ist gefrorene Sprache. Das Tauwetter nennen wir Lesen.“ Wim Crouwel steuerte einen kleinen Text aus seinem konstruierten „Neuen Alphabet“ von 1967 bei. Arno Stolz versammelte die Crème de la Crème der Typoszene; auch der ehemalige Direktor des Gutenberg-Museums Hans A. Halbey ist mit einen Tampen-Jongleur vertreten, unter den Zeichnern finden sich so illustre Namen wie Loriot, Piatti und Carlé.

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