Schriften-Welten in Schwarzweiß


 

Eine Schrift für den Eiffelturm: André Baldinger hat die Display-Version seiner AB Eiffel nach dem Konstruktionsprinzip des Bauwerks gestaltet. Entsprechend der drei Plattformen unterscheidet er drei Niveaus: je höher, desto filigraner – hier zu sehen die leichteste Version.

Extreme Gegensätze vereint

Die technischen Werkzeuge für das Typedesign haben sich im 20. Jahrhundert mehrfach gewandelt. Gegenwärtig ermöglichen Software-Programme professionellen Gestaltern eine nie gesehene Vielfalt und Qualität sowie Experimente aller Art. Das führt, wie die Ausstellung zeigt, auch zu ausgeklügelten Deko-Schriftsystemen mit unzähligen Glyphen. Die Grow von Johannes Breyer und Fabian Harb gehört dazu und auch die MeM von Elena Schädel und Jakob Runge, bei der die Buchstaben in einem Wort exzentrische Einzeldarsteller sind. Ohne Open Type nicht denkbar. Kreativität ist hier nicht nur beim Entwurf gefragt, sondern vor allem bei der Programmierung, nicht zuletzt bei der Anwendung.

Ein kreativer Tüftler ist auch Peter Bil’ak, geboren in der Tschechoslowakei und lebend in den Niederlanden. In Mainz ist er mit seiner Karloff vertreten. Sie vereint extreme Gegensätze in sich. Für die Idee des Schönen stehen die eleganten Formen einer Didot oder Bodoni, für das Hässliche die monströsen Alphabete des Italienne-Stils mit überbetont-fetten Serifen, wie sie ab etwa 1820 zuerst in englischen Schriftmustern auftauchen. Mit unvereinbaren Gegensätzen zu spielen und gezielt Konventionen zu brechen, das hat Tradition, spätestens seit der Fuse-Bewegung. Antiqua und Fraktur hat hierzulande Gertrud Nolte in ihrer Arbeit „Ich lüge“ hintersinnig zusammengefügt. Lars Harmsen und Boris Kahl mischen Stilelemente von Clarendon und Fraktur, wie in der Ausstellung zu sehen ist. Eine Leseschrift für Mengensatz ist die Fraktendon genannte Schrift-Kreatur natürlich nicht; für Anlässe wie Halloween passt sie dagegen gut.

Ausstellung läuft noch

Die Präsentation zeigt die Kreativität der Szene, die auf der Schriftgeschichte fußt, aber durch neue Fragestellungen, neue Aufgaben und neue Technik zu eigenen Lösungen findet. So betritt der Besucher eine faszinierende Welt in Schwarzweiß. Simon Störk und Lukas Wezel haben diesen Kosmos gebaut, ausgehend von einer Aussage Adrian Frutigers, für den der Weißraum in den Buchstaben das Wesentliche ist.

Als besonderer Publikumsmagnet erwiesen sich die drei Typo Talks mit den Schrift-Weisen Gerard Unger und Jost Hochuli sowie renommierten Jüngeren wie Andrea Tinnes, Nadine Chahine, Peter Bil’ak, André Baldinger, Lars Harmsen und den zwei ganz jungen Johannes Breyer und Fabian Harb. Die Ausstellung ist noch bis zum 27. Oktober zu sehen. Eine Publikation ist in Planung. Informationen und Links zu den Schriftgestaltern unter www.callfortype.de   

Autorin: Silvia Werfel

Erschienen in Ausgabe DD19/2013

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