Der Digitaldruck macht Verpackungen zu personalisierten 3-D-Marketing-Tools


Insgesamt misst die neue Verpackungslinie bei Hirschmann DCC Packaging 22 Meter. Sie beginnt mit der Farbdigitaldruckmaschine iGen 4 von Xerox (links), an der ein Epic-Lackierer, ein Bogenauslagemodul für die Zwischenlagerung sowie eine Stanze von Kama (rechts) angeschlossen sind.

Verschiedene Verpackungsanwendungen erfordern zudem unterschiedliche Herangehensweisen. So genügt bei herkömmlichen Verpackungen die Verwendung von UV-Lacken, in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie ist jedoch ein wasserbasierender Lack Bedingung. Beide Anforderungen kann Hirschmann DCC theoretisch umsetzen. In der Praxis dauert es aber zwei bis drei Stunden, um die Lackiereinheit zu reinigen und für den Einsatz des jeweils anderen Lackes umzustellen. Nach zeitsparenderen Lösungen sucht Siegmar Kästl bereits. „Da wird noch einiges an Lehrgeld bezahlt, Perfektion muss man sich erst erarbeiten“, erklärt der Geschäftsführer. „Wir versuchen, das Ganze erst einmal auf wirtschaftlich solide Beine zu stellen“, fügt er hinzu. Deshalb werden die einzelnen Module der Verpackungslinie auch separat genutzt – zum Drucken oder zum Lackieren und Stanzen angelieferter Druckbogen. Mittel- und langfristiges  Ziel ist es jedoch, auf der „Gallop“ Verpackungen ausschließlich online zu produzieren. Dafür soll in naher Zukunft auch die Softwarelösung XMPie eingesetzt werden, die es den Kunden ermöglicht, ihre Verpackungsdesigns über ein Web-Interface zu gestalten und zu bestellen. Gleichzeitig bietet XMPie dem Druckdienstleister die Möglichkeit, seinem Kunden dank der gesammelten Daten, individuellere und zielgerichtete Druckerzeugnisse anbieten zu können.

Individualisierung. Die Kunden noch persönlicher ansprechen und so die Responsequote erhöhen: Personalisierung und Individualisierung sind nicht nur im Mailingbereich das A und O, sondern werden auch bei Verpackungen immer wichtiger. Zusätzlich sollten Verpackungen einen Fälschungsschutz gewährleisten. Für die Individualisierung der Produkte sorgt bei der „Gallop-Lösung“ die Farbdigitaldruckmaschine iGen 4 von Xerox, für Stanzungen, Rillungen und Perforationen ist die Kama-Pro-Cut-Stanze zuständig. Dank ihr kann Hirschmann DCC Packaging Heißfolienprägungen, Blindprägungen, Reliefprägungen mit transparenter Heißfolie, Heißfolienprägungen mit Mikrostruktur, Hologrammprägungen sowie Scratch-off-Folien (Rubbelfarbe) aufbringen beziehungsweise umsetzen. Zudem lassen sich Etiketten mit Stanzblech und Magnetplatte oder Klebe-Etiketten im Kiss-Cut anstanzen. Ein Produkt, das Kästl mit der neuen Verpackungslinie bereits hergestellt hat, ist beispielsweise ein eineinhalb Zentimeter starker „Info-Brief“, der als „3-D-Marketing-Werkzeug“ Direct- Mailing und Verpackung kombiniert. Ein bildpersonalisiertes Motiv auf der einen Seite weckt die Aufmerksamkeit des Empfängers, die andere Seite trägt einen persönlichen Gruß sowie die Adresse. So ist keine Etikettierung oder Adressierung mehr notwendig. Im Inneren des Info-Briefes hält eine kleine Vertiefung Platz für persönliche Anschreiben, Pralinen oder Visitenkarten bereit. Bei der Einweihungsfeier der Verpackungslinie wurden zudem – passend zur damaligen Jahreszeit – personalisierte Pfefferkuchenhäuschen aus Karton mit einer Heißfolienprägung verteilt. Prototypen für weitere Faltschachteln, auch mit Fenster und in verschiedenen Größen, gehören ebenfalls zu Kästls Musterpaket. „Stecken statt Kleben“ heißt ein Produktionsprinzip, hinter dem eine vom Unternehmen entwickelte Stanzform steht, dank derer die Faltschachteln nicht mit Leim verklebt werden, sondern einfacher verarbeitet werden können.

Warum Verpackungen digital produzieren? 

Spätestens seit der Drupa 2008 hat der Digitaldruck mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. Andere Druckverfahren müssen oft ganz oder teilweise ihre angestammten Aufträge an die moderne Toner- oder Inkjetbasierte Technologie angeben. So kommt er auch in der Verpackungsindustrie zunehmend häufiger zum Einsatz. Diese sieht sich, ähnlich wie der restliche Druckmarkt, mit fallenden Auflagengrößen und dem daraus entstehenden Zwang zur Kostenreduzierung konfrontiert. Immer mehr Verpackungsvarianten, zum Beispiel für unterschiedliche Regionen sollen bei immer weiter zu reduzierenden Arbeitsschritten realisiert werden.Ein weiterer Trend im Verpackungsmarkt ist die Differenzierung, die die Verpackung zu einem Marketing-Werkzeug, Werbemittel und Botschaftsträger mit zielgruppenspezifischen Text- und/oder Bildinhalten werden lässt. Hier spielen bereits heute Veredelungen eine große Rolle. Diese gewinnen im Bereich des Sicherheitsdruckes bei Verpackungen zusätzlich an Bedeutung. Es werden sowohl optische Sicherheitsmerkmale als auch Datamatrix- sowie Barcodes eingesetzt.Mit dem digitalen Verpackungsdruck können Druckdienstleister nun auf diese Trends reagieren: Es ist eine bedarfsgerechtere Produktion von Klein- und Testserien oder Messedummies möglich. Länderversionen und Chargen-Kennzeichnungen sind flexibler zu produzieren und aufzutragen sowie reduzierte Bestellmengen wirtschaftlicher zu produzieren. In der Folge verkürzt dies auch die Lieferzeiten für die Produkte.

Erschienen in DD 8/2010

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