3D-Druck als Dienstleistung: Ein Markt, der sich entwickelt?


 

In seinem Report 2013 rechnet 3D-Druck-Spezialist Terry Wohlers mit einem deutlichen Wachstum. Bis 2021 soll das Marktvolumen auf über 10 Milliarden US-Dollar anwachsen. Quelle: Wohlers Report 2013

Initiative 3Dion

Nun gibt es in diesem jungen, sich erst noch formierenden Markt noch jede Menge offene Fragen – und noch nicht genügend Antworten darauf. Viele dieser Fragen sind in jüngster Zeit beim RGF gelandet, dessen Kerngeschäft aber nach wie vor in der grafischen Industrie sowie der Werbetechnik angesiedelt ist. Jetzt hat der Händlerverbund das Thema in eine eigene Initiative mit dem Namen 3Dion ausgegliedert, zum einen aus Ressourcengründen, zum anderen aus strategischen Gründen – um das Thema besser adressieren zu können.

Ausgegliedert aus dem RGF soll 3Dion ein neutrales Netzwerk von Herstellern der Hard- und Software, von Händlern, Dienstleistern sowie Anwendern sein. Dabei werden sowohl der B-to-B- als auch der B-to-C-Markt adressiert. Dazu zählen beispielsweise Druckereien, Dienstleister, Fertigungsingenieure, Techniker, Werkzeugbauer, Modellbauer, Architekten, Bestatter, Dentallabore, Designer, Optiker, die Werbemittelindustrie, aber eben auch Bastler, „3D-Druck-Enthusiasten“, Studenten oder Schüler. RGF-Mitgieder können 3Dion beitreten, es besteht aber keine zwingende Verbindung.

Ansprechpartner für 3Dion ist Sheldon Nazaré, der auf seiner Visitenkarte die Bezeichnung „Networker“ führt. Er will die verschiedenen Marktteilnehmer zusammenbringen, betont aber, „3Dion verkauft nichts und tritt nicht als aktiver Anbieter von Systemen und Dienstleistungen auf.“ Die Initiative verstehe sich als reine Non-Profit-Organisation. 3Dion gehe es um die Informationsvermittlung durch Schulungen, Infoveranstaltungen und Präsentationen. Dazu arbeitet 3Dion mit Messen – wie der Messe Erfurt – sowie mit Schulen und Hochschulen zusammen. Ebenso werden Beratungsdienstleistungen erbracht. Generell sollen erweiternde Geschäftsfelder und Geschäftsmodelle aufgezeigt und Kontakte geknüpft werden.

Interview 

Kann der 3D-Druck zu einem Geschäftsfeld für grafische Unternehmen werden, Herr Meurers?

DD: Wo könnte sich denn für die klassischen Druckdienstleister ein Markt im Bereich 3D-Druck auftun?
Thomas Meurers: Das Umfeld unterteilt sich in zwei Hauptsegmente: B-to-B und B-to-C. Der 3D-Druck-Kunde, der ein Objekt schaffen möchte, kann beispielsweise ein Business-Kunde sein, der bereits eine eigene Inhouse-Produktion hat. Diese Kunden kommen gelegentlich an Kapazitätsgrenzen oder benötigen für bestimmte Teile Materialien, die sie selbst gar nicht verdrucken können. Dann gehen sie auf einen Dienstleister zu.  
Auf der anderen Seite kann der Kunde eben auch ein Consumer sein, der zu Hause vielleicht selbst so einen Drucker stehen hat. Sobald er aber eine höhere Qualität haben möchte oder Anforderungen hat, die sein Homedrucker nicht erfüllen kann, wendet er sich ebenfalls an einen Dienstleister.

Allerdings haben sich hier doch sicherlich bereits Dienstleister etabliert ...
Wir kennen heute in Deutschland etwa 300 Dienstleister für die Industrie. Diese 300 Dienstleister werden dann gefragt, wenn Kapazitätsengpässe sind. Wenn aber die Nachfrage steigt, werden diese 300 Betriebe gar nicht nachkommen, weil sie selbst teilweise nur eine oder zwei Maschinen haben. Wenn jetzt auf einmal alle Architekten um die Ecke kommen und ihre Häuser gedruckt haben wollen – und das ist eine Entwicklung, die sich greifbar abzeichnet – dann brauchen wir Dienstleister. Und diesen Markt gilt es zu entwickeln.

Was raten Sie einem grafischen Unternehmen, das jetzt in den 3D-Druck einsteigen will?
In unseren Seminaren warnen wir schon fast ein bisschen davor, sich einfach mal eine Maschine hinzustellen und loszulegen. Denn dann kauft sich die Druckerei vielleicht einfach mal einen Makerbot für 2000 Euro, was sicherlich der falsche Weg wäre. Aber auch in eine Maschine zu investieren, die 30000 oder 50000 Euro kostet, ohne eine detaillierte Vorbereitung, wäre genauso verkehrt – auch wenn diese Systeme sicherlich die idealen Einstiegslösungen für Dienstleister wären.
Also man sollte sich tatsächlich gut darauf vorbereiten. Die Druckereien wissen ja auch, wie wichtig das Datenhandling ist. Das sind Themen, die sie kennen, aber es ist eine andere Welt – und die muss man sich erst einmal erschließen.

Wenn ich als Druckdienstleister eher den B-to-C-Markt adressieren möchte, dann komme ich um ein Online-Portal nicht rum, oder?
Richtig. Es gibt auch erste Ansätze für Web-to-Print-Lösungen in diesem Bereich. Auch hier sind wir im RGF durchaus aktiv. Wir haben im Web-to-Print-Umfeld zwei Partner, darunter die Firma Printdata aus Eggenstein mit einer eigenen Web-to-Print-Lösung. Ein weiterer Lösungslieferant könnte Color Alliance sein mit einer Software, die auf Augmented Reality basiert. Da kann man nicht nur seine Lampenschirme gestalten, sondern sie auch ins eigene Wohnzimmer importieren, um zu sehen, wie sie darin aussehen.

Beitrag erschienen in Deutscher Drucker, Ausgabe 12/2014

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