Altana und der Landa-Deal


 

Im Werk Güntersthal der Eckart GmbH, das 600.000 qm umfasst, werden die Effektpigmente produziert.

Wie groß ist die Altana-Gruppe?

Wie eingangs erwähnt, ist die Altana-Gruppe als global agierender Spezialchemiekonzern mit fast 2 Mrd. Euro Umsatz und weltweit 6000 Mitarbeitern tätig. Drei der vier Geschäftsbereiche beliefern Unternehmen der Druckindustrie und machen damit rund 1,5 Mrd. Euro Umsatz. In jedem der drei Bereiche ist das Engagement für die Druckindustrie unterschiedlich groß, bei Altana schätzt man, dass man rund 25 % des Umsatzes, also 375 Mio. Euro jährlich, mit der Druckindustrie macht. Damit ist Altana ein wichtiger Partner.

Hoch profitabel

Der Umsatz allein ist jedoch nicht das einzige Kriterium. Wichtig sind Umsatz pro Mitarbeiter, der Ertrag vor und nach Steuern, sowie das Eigenkapital und die Liquidität. Auf den Umsatz von exakt 1,952 Mrd. Euro hat Altana einen Ertrag von 397,4 Mio., also 20 Prozent, ein Betriebsergebnis nach Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 267,7 Mio. Euro oder 13,7 Prozent. Das heißt, dass Altana hoch profitabel ist und – leicht übertrieben – dass die in bar gezahlten 100 Mio. Euro für die Beteiligung von 33,3 Prozent an der Landa Corporation aus der Portokasse genommen werden konnten. Zumal die Alleinaktionärin des Unternehmens im Aufsichtsrat entscheiden kann, was mit dem jährlichen Ertrag geschieht. Die Millionen des „Weißen Ritters“ aus Wesel sind sicher ebenso gut investiert, wie von Landa benötigt.

Was bedeutet das für Landa?

 
 

Benny Landa, Indigo-Gründer und Geschäftsführer der Landa Corporation.

Benny Landa erlebt jetzt schon zum zweiten Mal, was es bedeutet, eine noch nicht ganz fertige Maschine in Serie zu bauen und vorfinanzieren zu müssen. Der Druck, den er mit der Entwicklung der Indigo-Maschinen erlebte, die er 1993 in Birmingham vorstellte und die erst 1999 die versprochene Druckqualität und Betriebssicherheit lieferten, war enorm hoch. Der Einstieg von HP und die Übernahme von Indigo im Jahr 2001 brachten Benny Landa mit 830 Mio. Dollar genug Geld, seiner Familie und den Finanziers die Kredite zurückzahlen und mit der Erforschung der Nanotechnologie ein neues Farbverfahren im Inkjetdruck entwickeln zu können.

Auf der Drupa 2012 bewies er zudem, dass er als Verkäufer sogar noch besser ist denn als Forscher, und versprach, seine „Indigo-Fehler“ nicht zu wiederholen. Er würde zwei Maschinenfabriken mit der Produktion seiner Landa-Maschinen beauftragen, Komori für Bogendruck- und Hunkeler für Rollendruckmaschinen, und selber nur die Imaging-Einheit und die Nano-Tinten produzieren. Allen Herstellern von Offsetdruckmaschinen bot er an, seine Maschinen auf Lizenz-Basis zu bauen, weil seine Nanografie dem Offsetdruck starke Konkurrenz machen würde.

Da die Druckresultate 2012 noch nicht so gut waren, dass die Lizenznehmer Heidelberg und Manroland eigene Entwicklungen begannen, musste er nun doch wieder alles selber machen. Dabei wurde ihm das Geld langsam knapp – und Altana hilft ihm jetzt sprichwörtlich als „weißer Ritter“ aus der Klemme.

Was bedeutet das für Altana? Altana dürfte unter den Herstellern der Druckindustrie zu den ertragreichsten gehören. Ihre Umsätze verdankt die Gruppe einem reinen und stabilen Materialgeschäft, denn Consumables verändern sich im Gegensatz zu Inverstitionsgütern nur wenig mit dem Auf und Ab der Gesamtwirtschaft. Und das Wichtigste: Altana ist wie kaum eine andere Firma fähig, die Herstellung von Nanofarben aus Landas Labor in die industrielle Großproduktion zu bringen. Die Zukunftschancen der Nano-Farbtechnologie gehen nämlich über die Druckindustrie weit hinaus in die gesamte Welt der Farben. Altanas 100 Mio. Euro für die Landa Corporation sind relativ wenig Geld für den Eintritt in die industrielle Herstellung der Nano-Farben.

Was wird die Drupa 2016 bringen?

Der Landa-Hype von 2012 wird die Drupa 2016 sicher nicht mehr beherrschen. Benny Landa wird erfahrene Verkäufer haben, die keine Träume mehr gegen Anzahlung verkaufen, sondern nur wirklich lieferbare Druckmaschinen. Die Verkaufszahlen werden von der Druckqualität und den Maschinenpreisen abhängen. Der Maschinenpreis wird bei Druckmaschinen so kalkuliert, dass die Entwicklungskosten, die Produktionskosten und Vertriebskosten je ein Drittel betragen.

Gemäß Benny Landa werden Landa und Altana bis zur Drupa 2016 eine Viertelmilliarde Dollar investiert haben, was gegenwärtig 220 Mio. Euro sind. Würde man die Entwicklungskosten auf 100 Maschinen umlegen, wäre jede Maschine mit 2,2 Mio. Entwicklungskosten und 6,6 Mio. Maschinenpreis anzusetzen. Würde man sie auf 200 Maschinen umlegen, wären es immer noch 1,1 Mio. und ein Endpreis von 3,3 Mio. Euro.

Wer also ernsthaft daran denkt, in einem Jahr auf der Drupa 2016 in den Inkjet-Akzidenzdruck einzusteigen, sollte seinen Fadenzähler und Taschenrechner mitbringen, aber das Checkbuch besser zuhause lassen. Er sollte prüfen, ob seine Kunden die Nanografie-Drucke besser finden als die gegenwärtigen Offsetdrucke. Danach sollte er prüfen, warum die Produktionskosten der Nanografie-Drucke niedriger sein sollen als seine Offsetdrucke. Und zuletzt sollte er einen Anwender der ersten Maschinen besuchen und sich das bestätigen lassen. Denn gemäß des Marketingplans von Landa sollen zur Drupa 2016 schon die ersten Beta-Maschinen ihre Produktion aufgenommen haben.

Erschienen in DD 13/2015

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