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Ausgezeichnet schmökern

Gruppe1 Bolano P1050717: Literarisches Meisterwerk oder nicht? Darüber streitet die Kritik. Zumindest gestalterisch und herstellerisch ist Roberto Bolanos Roman »2666« über jeden Zweifel erhaben.

Schönste deutsche Bücher 2009. Die Lust auf Auszeichnungen durch die Stiftung Buchkunst ist ungebrochen – 440 Einsender reichten insgesamt 1035 Titel ein (Vorjahr: 468 Einsender, 1072 Titel). Die Jury vergab 47 Prämierungen und 17 Anerkennungen. In die Shortlist gelangten weitere 40 Bücher.

Zahlenspiele: Das teuerste im Jahrgang 2009 ausgezeichnete Buch ist für 650 Euro, das günstigste für zwei Euro zu haben. Gedruckt wurden diese beiden Titel in Auflagen von 60 beziehungsweise 1000 Exemplaren. Natürlich besteht ein Zusammenhang zwischen Aufwand, Auflagenhöhe und Preis – eine Binsenweisheit. Zentrales Anliegen der in Frankfurt am Main ansässigen Stiftung Buchkunst bleibt jedoch das Buch als normales Verlagsprodukt. Die Sachgruppen spiegeln dies wider, seit 2009 gibt es statt neun sinnvollerweise nur noch acht. Die „Sonderfälle“ (zum Beispiel experimentelle Studentenprojekte) wurden mit den „nicht in den Handel“ gelangenden Drucken (zum Beispiel aufwendige Firmenpublikationen, Diplomarbeiten) zusammengeführt.

Buchkultur. Bibliophiles mit Text und Originalgrafik findet sich bei der Allgemeinen Literatur in Gruppe 1. Diesmal wurden hier gleich zwei Werke des Leipziger Bibliophilen-Abends prämiert, beide in jeweils 150 Exemplaren gedruckt und rund 290 Euro teuer. Besonders begeistert war die achtköpfige Jury von „Blaubart. Das Märchen. Die Satire. Die Parodie“ mit Texten von Charles Perrault, Friedrich dem Großen und Peter Rühmkorf, ausgestattet mit sechs Farbholzschnitten in der Technik der verlorenen Form von Klaus Süß. „Toller Schuber“, „Typo kraftvoll und passend“, „wunderbare Haptik“ – so lauten die Anmerkungen auf dem Beurteilungsbogen. Die Beteiligten wird’s freuen, allen voran Thomas Glöß, der für die Gesamtgestaltung und den Satz verantwortlich zeichnet. Ein normales Verlagsprodukt ist dieses mit erlesenem Material und größter Sorgfalt produzierte Werk nicht; schließlich widmet sich der Leipziger Bibliophilen-Abend mit Ausstellungen, Exkursionen und seiner Edition bibliophiler Drucke der „Pflege und Hebung der Buchkultur“, mithin dem besonders Erlesenen, Vorbildhaften.

Künstlerische Aspekte. Bleiben wir ausnahmsweise bei den ungewöhnlichen Projekten. Um ein solches handelt es sich nämlich auch bei dem eingangs erwähnten Titel mit Auflage 60. Vier Jahre vergingen von der Idee bis zur Fertigstellung des üppigen Bandes „plakat | holz | lettern“. Präsentiert werden 24 Plakatschriften, ausgewählt von den Mitherausgebern und Gestaltern Christof Gassner und Katrin Holst aus dem Fundus des Hessischen Landesmuseums Darmstadt, genauer aus der Abteilung Schriftguss, Satz und Druckverfahren (bis 2001 Haus für Industriekultur genannt). Dieses ganz besondere Schriftmusterbuch wurde nicht nach historischen Gesichtspunkten oder mit dem Anspruch auf Vollständigkeit zusammengestellt; ausschlaggebend waren allein künstlerische Aspekte. Die teils über hundert Jahre alten, zwischen drei und 96 Cicero großen Holzbuchstaben, von denen nun wohl zum letzten Mal gedruckt wurde, haben gerade wegen ihrer unterschiedlich starken Abnutzungsspuren eine ganz eigene Ausstrahlung – für Schriftfreunde ein Genuss. Dass dieses Projekt verwirklicht werden konnte, ist unter anderem den ehrenamtlich tätigen Setzern und Druckern zu verdanken. Die Jury hob zudem die hervorragende Weiterverarbeitung durch die Darmstädter Handbuchbinderei Klaus Pohl hervor. Fraglich bleibt, wer sich so ein exklusives Objekt leisten kann und will ...

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