Ausgezeichnet schmökern


„Abgelegene Inseln“. Sehr unterschiedliche Titel vereint die Gruppe 3 der Sachbücher und Ratgeber. 169 Einreichungen machen sie zur zweitstärksten Kategorie nach den Foto- und Kunstbänden (313). Mit „Einfach beeindruckend“ findet sich ein gleichsam normales Kochbuch unter den Prämierten; diese den Buchmarkt mit dominierende Gattung ist herstellerisch meist top, konnte sich im Wettbewerb der Stiftung Buchkunst bislang aber selten durchsetzen.

Einfach wunderbar ist – gestalterisch wie inhaltlich – der „Atlas der abgelegenen Inseln“. Judith Schalansky, Kommunikationsdesignerin, Schriftspezialistin (Buch „Fraktur mon Amour“; Schalansky hierzu im Interview in DD Nr.37/2006, Seite 10) und zugleich hervorragende Autorin, hat als DDR-Kind die Welt noch mit dem Finger auf der Landkarte erkundet. In dem bei Mare erschienenen, selbst gestalteten Buch erzählt sie von „Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde“. Der Halbleinenband mit Farbschnitt in Knallorange zeigt auf der rechten Seite die jeweilige Insel im Maßstab 1:125000 und liefert links sachliche Informationen und die oftmals absurd-hintergründige Geschichte dazu. Pures Lesevergnügen.

Die Farbe Orange dominiert auch bei Roberto Bolanos viel diskutiertem Roman »2666«. Ob literarisches Meisterwerk oder nicht – gestalterisch und produktionstechnisch ist das Buch jedenfalls vorbildlich.

Ein buchbinderisches Highlight ist Klaus-Jürgen Winklers Bauhaus-Kalender 2010. Mit abgeschrägter Unterkante und »tiefergelegtem« Gummiband zum Festhalten der Seiten beweist das Kalenderbuch aufgestellt gute Standfestigkeit. Das typografische Grundkonzept überzeugte nicht alle, es erhielt »nur« eine Anerkennung.

Erfolgsverlage. Und wer macht nun die meisten schönsten Bücher? Die 47 prämierten Titel kommen aus 37 verschiedenen Verlagen. Keiner verbuchte mehr als zwei Prämierungen insgesamt. Bei den Betrieben, die drucken und weiterverarbeiten, behaupten demgegenüber recht deutlich Clausen & Bosse/CPI Books sowie Kösel ihre Spitzenposition, gefolgt von Ebner und Pustet. Bei den Spezialisten dominiert mit sechs Auszeichnungen die Leipziger Verlags- und Industriebuchbinderei. Zweimal wurde in der Slowakei und einmal in Österreich produziert.

Einfach ist es nicht, bei so vielen Titeln Entscheidungen zu treffen. Die beiden Wettbewerbsjurys leisten – in immer anderer Zusammensetzung – alle Jahre wieder Vortreffliches. Während in der zweiten Phase intensiv debattiert wird, gibt es bei der Endabstimmung keine Diskussionen mehr; dann werden nur noch Stimmen gezählt. Für eine Auszeichnung ist die Zweidrittelmehrheit erforderlich. Wer am jeweiligen Buch in irgendeiner Form beteiligt ist, verlässt den Raum.

Die gedruckte Dokumentation mit dem gekürten Jahrgang 2009 soll im kommenden März erscheinen. Gewinnerlisten und Ausstellungstermine finden sich aber schon jetzt im Internet unter: www.stiftung-buchkunst.de.

Seite « 1 | 2 | 3 | 4 »
Anzeige

Firmen-Suche


Weiterempfehlen Drucken Heft-Abo

Leserkommentare

Noch keine Kommentare. Geben Sie den Ersten ab!

print.de-News jetzt auch per Whatsapp

Die besten Events von print.de – Jetzt Tickets ordern!

Deutscher Druck- und Medientag 2017

Jetzt NEU

Die print.de-Karte der wichtigen Branchenkontakte

Mehr Details zu den einzelnen Anbietern in Ihrer aktuellen Ausgabe des Deutschen Druckers unter Service/Das Branchenverzeichnis A-Z
mehr

Top-Themen

Geschäftsführer Christian Aumüller (Aumüller Druck) hinterfragt den ökologischen Sinn von Forstwirtschaftszertifikaten für Druckereien.

"Fürs FSC/PEFC-Zertifikat werden Druckereien ordentlich gegängelt!"

Am Rande eines Interviews mit „print.de“ über das Engagement der Industriedruckerei Aumüller Druck in Regensburg in Sachen betrieblicher Umweltschutz berichtete Geschäftsführer Christian Aumüller über seine jahrelangen Praxiserfahrungen mit der FSC/PEFC-Zertifizierung und hinterfragt deren Sinnhaftigkeit für die Druckindustrie.
mehr

Ganz so unbedeutend ist die Druckbranche gar nicht

Wenn das Geschäft einer Druckerei nicht mehr auskömmlich ist, hört man immer wieder dieselben Begründungen: „Das Internet macht uns das Leben schwer.“ Oder: „Wegen des ruinösen Preiskampfes haben wir keine Chance.“ Warum solche negativen Statements der Printbranche nicht gerecht werden und warum Zeitschriften als Premiumprodukte auch häufiger als alle zwei Monate erscheinen können, erläutert Bernhard Niemela, Geschäftsführer Deutscher Drucker.
mehr

Aktuell bei Top 10

Die 10 besten Schriften 2016

Das sind die 10 besten Schriften des Jahres 2016 – zumindest wenn es nach der britischen Type Foundry "HypeForType" geht. Das britische Versandhaus für Schriften hat die aus seiner Sicht besten Schriften des vergangenen Jahres gekürt.
mehr

Ganz großes Kino für Print: Wie die Creatura-Initiative begeistert

CGI – So sieht die Zukunft der Bildbearbeitung aus

Umfrage

Ist der Aufschwung auch bei Ihnen angekommen?

Jetzt abstimmen

Kommentare

Services

Bitte warten...