Das Tiefdruckgebiet schrumpft


 

Wie sich die Druckverfahren den Markt aufteilen: Der Tiefdruck wird vom Nachfragetrend einerseits und der Rollenoffset-Konkurrenz andererseits in die Zange genommen.

Einst Konkurrenzlos

In den 1960er und 1970er Jahren, als die großen Tiefdruckereien wie Gruner Druck Itzehoe, Axel Springer Ahrensburg oder Bruckmann gebaut wurden, war das nicht nötig, denn Drucken hatte kaum Konkurrenz zu fürchten. Neben dem Radio gab es drei Fernsehprogramme, die nur einige Stunden pro Tag sendeten. Das 1948 gegründete Magazin „Stern“ erreichte seine höchste Verkaufsauflage im 1. Quartal 1967 mit sagenhaften 1.931.438 Exemplaren. Seinerzeit, so Bertram Stausberg, wäre niemand auf die Idee verfallen, einen „Spiegel“ – wie es inzwischen der Fall ist – im Offset drucken zu wollen.

Der Tiefdruck sei bis in die 1990er Jahre das „wirtschaftlich überlegene Verfahren für High-Volume-Druck“ gewesen. Fortschritte in der Automatisierung des Zylinderwechsels und bei der elektromechanischen Gravur sowie stetig leistungsfähigere Druckstraßen hielten den Rollenoffset auf Abstand, der Mitte der 1990er Jahre bei 48-Seiten-Maschinen und 1,46 m Bahnbreite angekommen war. Im Tiefdruck wurden ab 1996 bereits 3,60 m breite Papierbahnen bedruckt, als die erste KBA TR10B bei Broschek anlief.

Die Kostensituation

Doch der Offset holte auf, technisch wie wirtschaftlich. Die Tiefdruckereien waren stets Hochburgen der Gewerkschaft. In den Jahren, als man gut verdiente, galten Besetzungsregelungen, Zuschläge und Tariferhöhungen nicht als Problem. Dagegen kriselte es bei vielen Rollenoffsetdruckern in den 1990er Jahren, wo dann teils auch die Tarifbindung über Bord geworfen wurde. Wer die Krise meisterte, konnte in der Folge auf einer ganz anderen Personalkostenbasis agieren. Die Tiefdrucker begannen den Atem der Rollenoffsetdrucker in ihrem Nacken zu spüren. Technisch war nach der Präsentation der 4,32m- „XXL“-Klasse die Luft weitgehend raus. Nur in der Vorstufe gab es noch nennenswerte Neuerungen wie die Lasergravur.

Die XXL-Klasse im Rollenoffset kommt

2011 lief die erste 2,86m-Offsetrotation in Deutschland an – eine Technik, die in dieser Spezifikation zwar überwiegend für den Werbebeilagendruck eingesetzt wird, die aber auch Konkurrenz für die Tiefdrucker beim Ringen um die Zeitschriften- und Katalogaufträge darstellt. Vom DD auf das gut laufende Marktsegment „Werbebeilagen“ angesprochen, stellt Dr. Stausberg fest, dass die Prinovis-Strategie „nicht auf eine Steigerung des eigenen Marktanteils in diesem Segment“ abziele. Der Umbau weiterer Pubikationstiefdruck-Maschinen wäre seines Erachtens nicht sinnvoll. Dass der Handel nichts von gehefteten Beilagen hält, bedauert er. Die Versuche mit punktueller Querleimung hätten wiederum nicht das erhoffte Resultat gebracht.

Dass diese Aussage „Keine Werbebeilagen“ nicht für den Tiefdruck als Ganzes gilt, zeigt Rose Druck in Landau. Der frühere Standort der Schlottgruppe produziert auf Maschinen, die – mit Trichtern ausgestattet – stehende Seiten und problemlose Längsleimung erlauben.
Wenn aber schon die Beilagen außen vor sind, will Prinovis doch seine Marktposition bei Katalogen und vor allem Zeitschriften mit aller Kraft verteidigen und ausbauen. Stolz verweist Bertram Stausberg darauf, große Zeitschriftenpakete aus den Häusern G+J, Springer, Funke und Klambt jüngst über mehrere Jahre verlängert zu haben. Dies sei auch der leistungsfähigen Druckweiterverarbeitung zu verdanken, mit denen alle Prinovis-Werke ausgestattet sind und die er als ein echtes USP des Unternehmens sieht.

Auf beiden Beinen stehen

Der Prinovis-CEO ist überzeugt, dass alle Tiefdruckereien mittlerweile Zeitschriften produzieren, die in diesem Verfahren die Grenze der Wirtschaftlichkeit erreicht haben. Dank der neuen Offsetkapazitäten könnte Prinovis nun aber bestehende Aufträge – so sie denn noch weiter in der Auflage fallen und die Kunden einverstanden sind – in das andere Druckverfahren überführen und so weiter im Unternehmen halten.

Längst stehen auch andere Tiefdrucker technologisch auf beiden Beinen. Bauer unterhält in Rastatt den Offsetstandort VPM Druck. Die TSB-Gruppe betreibt in Meineweh südlich von Leipzig eine Rollenoffsetdruckerei. Burda hat zwar aus der Schlott-Hinterlassenschaft eine weitere Tiefdruckerei erworben, aber mit der zunehmend offset-orientierten TSB-Gruppe eine Vertriebskooperation begründet, um für alle Auflagen und Produkte gerüstet zu sein.

Die Pluspunkte des Tiefdrucks

Nach wie vor sehen die Tiefdrucker zwei große Pluspunkte ihres Verfahrens: Zu einen die völlige Format-Flexibilität und zum anderen die Druckqualität, „die auf einfachen Papieren besser ist als im Offset“, so Bertram Stausberg. Der Ausdruck von Bildern sei auf einfachen Substraten im Offsetdruck so nicht erreichbar. Deshalb habe der Tiefdruck unter den fachkundigen Herstellungsleitern in der Industrie und bei den Verlagen viele Fans, die bei annähernder Preisgleichheit diesem Verfahren den Vorzug geben. Der schwedische Möbelhausgigant Ikea ist wohl das bekannteste Unternehmen, das einen Großteil seiner Produkte im Tiefdruck produziert. Leider – aus der Sicht der Drucker – sei aber das Anspruchsniveau in vielen Druckprodukten gesunken. Bertram Stausberg: „Es wird auch die Repro nicht mehr in dem Maße hochqualitativ hergestellt wie das früher der Fall war“

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