Die drei wichtigsten Themen


Die drei wichtigsten Themen für 2011 

Guido Häussler, HP

Digitaldruck verdrängt andere Druckverfahren

Das Thema 2011 bleibt die Konsolidierung der Branche. Die große Herausforderung: rechtzeitig auf neue innovative Themen setzen. Der Digitaldruck ist es, nun die vorherrschende Technologie im Schilder- und Display-Sektor und deren Vorteile ergänzen bzw. verdrängen das Großformatsegment Offset- und Siebdruck immer mehr. Wichtig ist, sich für den Wettbewerb zu rüsten. Hohe Flexibilität steht im Einklang mit hoher Effizienz. Der richtige Produktionsmix ist entscheidend. Dieser definiert sich aus Geschwindigkeit, Qualität und Kosten. Neue Bedruckstoffe schaffen neue Anwendungen. Dies sichert wiederum den Vorsprung am Markt. Internet-Sites werden intuitiver, Kaufvorgänge emotionaler, Werbung am POS/POP wird immer wichtiger. Heute gibt es innovative Anwendungen  wie personalisierter Druck oder versionierte Displays. Genauso wichtig ist der Aufbau eines gutes Branchen- Netzwerks, um Aufträge auch mal extern zu vergeben. Dies sichert komplexe Projekte und erhöht die Kundenloyalität. Ein weiterer Aspekt ist, alle Beteiligten zu Umwelt-Themen in die Verantwortung zu nehmen. Gerade bei herkömmlichen Verfahren mittels Sieb- bzw. solventbasierendem Druck gilt es Alternativen zu finden. HP hat dies mit der Einführung der HP-Latex-Tinte sowie einem Rücknahmeprogramm für HP Medien vorgemacht.

Peter Berger, Horizon

Stärkere Mediennutzung als Chance begreifen

Die Situation unserer Branche bleibt schwierig und auch das anhaltende Wirtschaftswachstum kann 2011 daran nichts ändern. Selten war deshalb unternehmerisches Denken und Handeln so sehr gefordert wie heute, und genau da sehe ich von Betrieb zu Betrieb große Unterschiede. Hier den Kleinmut – dort unternehmerische Risikobereitschaft. Hier die verzagte Hoffnung auf eine bessere Zukunft – dort die klare Analyse der Markttrends und den Aufbau eines neuen Geschäftsfelds. Ich plädiere dafür, das veränderte Mediennutzenverhalten der Menschen, die wachsende Verdrängung der Printmedien durch digitale Medien und die wachsende Konzentration auf dem Druckmarkt als Chance zu begreifen. Die Wahrheit ist: Wir alle müssen uns verändern, noch radikaler als bisher. Es gibt viele Unternehmen, die diesen Weg gehen. Sie entwickeln sich zum umfassenden Dienstleister für ihre Kunden. Für sie ist das Drucken nur noch ein Teil ihres Leistungsspektrums. Sie betreiben für ihre Kunden zum Beispiel auch  Datenbankmanagement, bauen grafische Abteilungen auf, kümmern sich um logistische Lösungen. Sie sind im besten Sinne in-tegrierte Kommunikationsdienstleister, wachsen mit ihren Kunden und sind dadurch auf die Zukunft vorbereitet. Ein Branchenbeobachter ermittelte im Frühjahr vergangenen Jahres, dass das Volumen für Druckleistungen auf dem deutschen Markt bis 2015 um drei Milliarden Euro sinken wird. Nutzen wir also die Konsolidierung auf dem Markt, um unser kreatives Potenzial freizusetzen. 2011 ist dafür ein gutes Jahr, weil die Wirtschaft insgesamt wächst. Es ist ja auch nicht so, dass das bedruckte Papier verschwindet, sondern die kleinen Auflagen werden mit der steigenden Bedeutung des Digitaldrucks noch deutlich an Volumen zulegen. Hier sehe ich für die Branche der Druckweiterverarbeitung große Chancen. Auf dieser Basis sehen wir einem guten Jahr 2011 entgegen.

Dr. Horst Steppat, Illies Graphik

Warum ist ein Kunde gerade mein Kunde?

Die inhaltlichen Auseinandersetzungen werden sich auch in diesem Jahr um Fragen der Positionierung bewegen. Der Unternehmer sollte wissen, warum ein Printbuyer seinen Auftrag bei ihm platziert. Es stellt sich also die Frage, mit welchem Geschäftsmodell sich eine größere Kundenbindung erreichen lässt und gleichzeitig neue Kunden gewonnen werden können? Besteht die Lösung in einer deutlichen Spezialisierung oder der Aufstellung als „Infrastrukturanbieter“ – also mit vielen Leistungen neben dem Druck? Basis für diese Antworten bildet der „Status quo“ des Unternehmens, insbesondere das vorhandene Know-how der Mitarbeiter, die Kundenstruktur sowie die technische Ausstattung im Unternehmen. Um die geplante Ausrichtung zu realisieren, sollten die Weiterbildungsmöglichkeiten der Mitarbeiter sowie ggf. auch sinnvolle Kooperationen mit anderen Unternehmen geprüft werden.

Helge Hansen, KBA

Kundenbedürfnisse sollten im Fokus stehen

Auch in der Druckbranche sollten unabhängig vom jeweiligen Tätigkeitsbereich die Bedürfnisse der Kunden stets ganz vorne im Fokus der Führungskräfte sein. Bei dem schnellen Komplettservice, den viele  Printkäufer im Zeitalter von Web-to-Print erwarten, bietet sich bei kleineren Unternehmen, die nicht die komplette Prozesskette selbst abdecken können, die Kooperation mit festen Partnern an. Dafür gibt es eine Reihe erfolgreicher Beispiele. Natürlich sind durch die Finanzkrise auch betriebswirtschaftliche Themen wie die mittelfristige Unternehmensplanung, die Liquiditätssicherung, Eigenkapitalausstattung oder die Rendite hereingenommener Aufträge in der Prioritätenliste der Managementaufgaben weit nach vorne gerückt. Die Erfüllung der Kriterien von Basel II wird heute bei der Kreditaufnahme vorausgesetzt und Basel III dürfte die Anforderungen der Banken weiter nach oben schrauben. Und schließlich sollten sich Führungskräfte bei notwendigen Investitionen nicht nur am jeweiligen Mainstream, sondern zunächst an der vorhandenen Auftrags- und Kundenstruktur orientieren. Nicht alles, was gerade in Mode ist, rechnet sich bei näherem Hinsehen auch.

Ursula Voss-Eiden, Kodak

Marktentwicklung, Technologie & Marketing

Die Themen Marktentwicklung, Technologie und Marketing sollten auf der Agenda ganz oben stehen. Die Umwälzungen auf dem Markt für Druckleistungen und stetig veränderte Kundenanforderungen verlangen von Führungskräften, die Positionierung des eigenen Unternehmens am Markt zu überdenken und ggf. neu zu definieren. In technologischer Hinsicht sind weitere Prozessautomatisierung und Web-Integration sowie flexible Digitaldruck-Lösungen mit Zusatznutzen angesagt. Immer wichtiger wird für grafische Betriebe das Marketing in eigener Sache – intelligent, selbstbewusst und unter Nutzung vielfältiger Kanäle. Bei alldem kann es nicht schaden, professionelle externe Hilfe in Anspruch zu nehmen, gerade wenn die Grenzen traditioneller Geschäftsfelder z.B. in Richtung Cross-Media oder integrierte Marketingdienstleistungen überschritten werden sollen.

Kai Büntemeyer, Kolbus

Der wichtigste gute Vorsatz

Natürlich ließe sich zunächst trefflich streiten, ob man genau drei Themen aus der Vielzahl der Aufgaben herausheben sollte. Wenn man sich auf das unterhaltsame Salonspielchen einlassen möchte, kann man eine Dreiteilung vornehmen nach den Kategorien: Was ist wichtig für alle Führungskräfte in Deutschland, was ist wichtig für verantwortliche Funktionsträger in der Industrie und was für die grafische Industrie im Besonderen. Thema Nr. 1 für Deutschland wäre dann nach meiner Meinung Ausbildung und Förderung des Nachwuchses. Das bedeutet, nach Kräften auszubilden und weiterzubilden im eigenen Betrieb und sich in der Gesellschaft einzusetzen für alles, was gut ist für Bildung und Erziehung. Zum Beispiel für die Abschaffung des Föderalismus im Bildungswesen. Für die Industrie würde ich als erwähnenswerte Aufgabe die konsequente und nachhaltige Steigerung der Produktivität sehen. Die Zahl der Teilnehmer am Arbeitsmarkt wird in Deutschland eher und schneller zurückgehen als die Gesamtbevölkerung, und das bedeutet zwangsläufig, dass ortsgebundene Unternehmen wie Druckereien nur bei drastisch steigender Produktivität überleben werden. Die meisten von uns werden bereits durch den Markt dazu genötigt; meine Anregung ist, das positiv zu sehen und nicht zu bejammern. Für die grafische Industrie im Besonderen ist die dritte Aufgabe dann eine lautstarke und wirkungsvolle Eigenwerbung. Unsere Industrie bietet Qualität, die nichts zu wünschen übrig lässt, zu sensationell günstigen Preisen und ist ein Vorreiter in Nachhaltigkeit und Umweltschonung. Vielleicht der wichtigste gute Vorsatz für 2011 könnte sein, an jedem einzelnen Tag eine Gelegenheit zu suchen, diese Tatsachen bekannter zu machen. Vielleicht sollten wir uns zukünftig in der Branche mit dieser Frage grüßen: „Was hast Du heute schon für unser Image getan?“

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