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"Die grafische Industrie muss ihre Vorteile noch konsequenter ausspielen"

Prognose für die Druckweiterverarbeitung

"Die grafische Industrie muss ihre Vorteile noch konsequenter ausspielen", meint Müller-Martini-CEO Bruno Müller.

Trotz Internet, Smartphone und E-Book bedeuten die elektronischen Medien nicht das Ende des gedruckten Wortes. Im Gegenteil: Gedruckte Medien sind lebendiger denn je. Allerdings tun grafische Unternehmen ebenso wie Maschinenhersteller gut daran, ihre Marktkenntnisse zu verbessern und beim Druck und erst recht in der Weiterverarbeitung die Voraussetzungen für innovative Printprodukte zu schaffen.

2005 wurden in den USA täglich 53 Millionen Zeitungen verkauft, ein Jahrzehnt später werden es gemäß Prognosen noch 35 Millionen sein. Bad News wie diese verleiten die grafische Branche – von Verlagen über Buchbindereien bis zu den Maschinenherstellern – schnell einmal dazu, die Lage bezüglich Printprodukten pessimistischer zu beurteilen, als sie in Wahrheit ist.
Denn längst nicht alle Zahlen zeigen nach unten. So gehen Brancheninsider davon aus, dass das Volumen beim Werbedruck (Beilagen, Broschüren, Direct Mails), der mit beinahe 50 Prozent den weitaus größten Anteil am weltweiten Druckmarkt ausmacht, bis in fünf Jahren um über fünf Prozent steigen wird.
Und auch der Verlagsdruck wird weiterhin leicht wachsen. Denn den rückläufigen Tendenzen in den USA und in Westeuropa steht ein zweistelliges Volumenwachstum bei einem Großteil der Printmedien in Asien gegenüber. Wenn man bedenkt, dass ein Chinese heute nur drei Dollar pro Jahr für Printmedien ausgibt (im Vergleich zu 300 Dollar eines Deutschen und gar 600 Dollar eines Japaners), dann lässt sich das Potenzial für die grafische Branche bei dem 1,3-Milliarden-Volk nur erahnen.

Wo die Printmedien punkten können. Natürlich hat sich das Kommunikationsverhalten und damit verbunden der Werbemarkt in den letzten Jahren durch den Einfluss der E-Medien stark verändert, und dieser Prozess wird andauern. So hält sich die Zahl der Menschen, die täglich eine Zeitung lesen (weltweit 1,9 Milliarden) heute die Waage mit den Internetbenutzern. Deren Zahl steigt weiter rasant, gleichzeitig wächst aber auch die Mediennutzungsdauer insgesamt.
So wird in Deutschland, wo 57 Prozent aller Haushaltungen eine Zeitung abonniert haben, auch heute noch mehr Zeit fürs Lesen von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern aufgewendet als fürs Surfen im Internet. Die Frage wird sein, wie die „digital natives“, also jene Bevölkerungsschichten, die in die Welt von Internet, Handy & Co. hinein geboren wurden, zur Nutzung von Drucksachen animiert werden können. Allerdings gibt es geografische Unterschiede, die nicht so schnell nivelliert werden dürften: Während in den großen Industrienationen über 70 Prozent der Bevölkerung auf das Internet zugreifen, sind dies in Entwicklungsländern nur 21 Prozent. Wenig erstaunlich deshalb, weil global gesehen die Auflagen von Tageszeitungen selbst in der aktuellen Wirtschaftsflaute wachsen – dank markant steigender Leserzahlen in Asien, Südamerika, Afrika und Osteuropa. Auch die global längst nicht durchgesetzte Alphabetisierung aller Bevölkerungsschichten bietet genügend Wachstumspotenzial für alle Medien.

Die Werte der gedruckten Medien. Das gedruckte Wort wird auch in den nächsten Jahrzehnten wichtig sein – vorausgesetzt, die Printmedien positionieren sich klug und vermarkten ihre Vorteile gezielt. „Printmedien können ihre Stärken“, so Bruno Müller, CEO von Müller Martini, „besonders gezielt dort ausspielen, wo die E-Medien schwächeln. Zum Beispiel, wenn es um bezahlte Inhalte geht – einem Punkt, der in den E-Medien verpönt, aber längst fällig ist. Die Printmedien können hier vor allem punkten, wenn sie ihren Anzeigenkunden ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, mehr Flexibilität und Mehrwert bieten – und eine hohe Professionalität.“ Hinzu kommt, dass die Risikofaktoren wie Privatsphäre, Persönlichkeitsschutz, Glaubwürdigkeit, Bezahlen für Inhalte oder technische Mängel wie etwa die Lese„freundlichkeit“, mit denen die E-Medien-Industrie konfrontiert ist, tendenziell heruntergespielt werden. „Die E-Medien sind neu und ‚hip’, die Druckmedien dagegen als altmodisch verschrien“, so Bruno Müller. „Es finden sich daher viel schneller Argumente für die E-Medien als für die Druckmedien. Die Werte der gedruckten Medien wie Qualität, Glaubwürdigkeit und Werbewirksamkeit sind zu selbstverständlich geworden. Diese Vorteile muss die grafische Branche noch konsequenter ausspielen.“

Gefragt sind neue Denkweisen. Das veränderte Kommunikationsverhalten verlangt auch neue Denkweisen für das Zusammenspiel der verschiedenen Medienformen – insbesondere für Verlagshäuser.
Damit beispielsweise Zeitungen ihre Rolle als Leitmedium weiterhin ausspielen können, müssen sie entsprechend interessant gestaltet werden – mit Beilagen, Specials, Semicommercials, aufgeklebten Karten. Das erhöht nicht nur ihre Attraktivität für die Leser, sondern birgt auch Chancen für zusätzliche Erlösquellen für die Herausgeber. „Im Versandraum können wir die Zeitung mittels Zoning individualisieren und personalisieren. Auf der Druckmaschine geht das nicht“, sagt Jerk Hammelsvang, Produktionsdirektor bei Fynske Medier im dänischen Odense.

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Leserkommentare (1)

www.rq-verlag.de | Sonntag, 22. Januar 2012 19:52:23

Gestaltung & Druckweiterverarbeitung

Das sehen wir auch so, aber der schwierigste Weg ist es, den Weiterverarbeiter mit dem Gestalter von Druckmedien zusammen zubringen, um Ideen überhaupt produktionstechnisch und kostengünstig herzustellen.
Diverse Druckweiterverarbeitungen haben enorme Ideen und Möglichkeiten die aber im Sande verlaufen, da die Parteien "Gestaltung" und "Weiterverarbeitung" nur über die Druckerei kommunizieren und somit kein Austausch stattfindet.
Die gerade aufkommenden "hip" Elektronikprodukte können und werden in der Zukunft keine Druckerzeugnisse benötigen ( siehe Apple ), aber Druckerzeugnisse könnten "hip" werden durch eine Kombination von Druck & Elektronik........

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