"Die grafische Industrie muss ihre Vorteile noch konsequenter ausspielen.


Bruno Müller, CEO von Müller Martini.

Veredelung hat viele Gesichter. Gefragt ist also zur attraktiveren Gestaltung der Printmedien insbesondere die Weiterverarbeitung. „Als Weltmarktführer im Bereich Druckweiterverarbeitung bieten wir dabei wertvolle und entscheidende Unterstützung“, sagt Bruno Müller. „Dank der Modularität unserer Lösungen können die Anlagen jederzeit erweitert werden und mit den Aufgaben wachsen. Die ausbaubaren Systeme von Müller Martini beispielsweise bieten so den heutigen sich stark wandelnden Märkten viel Flexibilität und tragen dazu bei, die Wertschöpfung mit neuen Produkten zu erhöhen.“ Das gilt keineswegs nur für Zeitungen. Auch drahtgeheftete oder klebegebundene Printprodukte können zusätzlich zu speziellen Papierbeschichtungen, glänzenden Lackierungen oder effektvollen Laminierungen in der Weiterverarbeitung veredelt werden. Ob ein farbiger Heftdraht, Stanzungen, Klappen, Schutzumschläge, ein Leseband, Warenmuster oder Gimmicks – den Möglichkeiten, mit „Eyecatchern“ aus dem Einerlei von Druckprodukten herauszuragen, sind keine Grenzen gesetzt.

Werbern attraktive Formen bieten. Entscheidend dabei ist aber immer auch, dass die grafischen Unternehmen mit ihren Systemen einen guten Return on Investment erzielen. Das geschieht zum einen über den Verkauf von Werbeflächen. Hier wird es weiterhin wichtig sein, den Werbern attraktive Formen anzubieten und bei der Preisgestaltung auch ein Auge auf die neuen Medien zu werfen. Wegen des großen Preisdrucks und immer engeren Terminfenstern sind die grafischen Betriebe auf eine hohe Verfügbarkeit ihrer Produktionsanlagen angewiesen. Deshalb haben zum andern auch eine fundierte Aus- und Weiterbildung des Personals sowie regelmäßige Wartungen wesentlichen Anteil an einem hohen Investitionsschutz und einem entsprechend guten ROI. Ein professionelles und standardisiertes Serviceangebot trägt maßgeblich dazu bei, den Lebenszyklus der An-lagen zu erhöhen und bestehende Anlagen mit Ausbaumöglichkeiten fit für neue Produktideen und Märkte zu machen.

Print oder online? – Print und online! Entscheidend für den Erfolg in der Zukunft wird aber auch sein, wie sich die grafischen Unternehmen auf die Koexistenz mit den elektronischen Medien einstellen. Die Werbung setzte schon immer auf einen Medienmix, und Drucksachen haben in diesem Zusammenhang eine lange Erfolgsgeschichte mit besten Media-Effizienz-Kennzahlen.
Mit 35 Prozent Anteil an der Anzeigenwerbung sind Magazine und Zeitungen heute immer noch ein Schwergewicht im Werbemarkt. Doch die Werbeindustrie beobachtet die Nutzung der Medieninhalte genau und bezahlt dafür, dass Konsumenten im richtigen Umfeld auf ihre Produkte aufmerksam gemacht werden. „Viele unserer Kunden“, sagt Markus F. Hof, Chairman der European Letterbox Marketing Association (ELMA)
und CEO von Direct Mail Company, dem Schweizer Branchenleader für die Zustellung unadressierter Werbung, „steigen mit Print in weitere Werbemaßnahmen ein.“ So bekommen beispielsweise über 70 Prozent der deutschen Internetkäufer ihre Impulse aus einem Katalog. Die erfolgreiche Strategie von DMC ist deshalb eine Kombination zwischen Papier und Elektronik. Für Markus F. Hof lautet die Devise folgerichtig nicht „Print oder Online?“, sondern „Print und Online!“

Das sieht auch Sture Udd so. Dank des von ihm erfundenen Supermedia-Systems Up Code hat der CEO von UPC Print im finnischen Vaasa die Auflagen in seiner Druckerei markant gesteigert. Up Code mischt bedrucktes Papier mit dem Mobiltelefon. Indem ein quadratisches Schwarz-Weiß-Muster in einem Magazin oder Prospekt mit dem Handy abfotografiert wird, können Aktionen von Anzeigenkunden abgefragt werden. „Ich kann belegen, dass Prospekte, Werbebroschüren oder Flyer mit aufgedruckten Up Code 15 bis 20 Prozent mehr Verkäufe zur Folge haben. So hat Print Zukunft.“ Technologische Innovationen sind also keineswegs exklusiv der Online-Welt vorbehalten. Druckmedien können sich bestens an neue Situationen anpassen, indem sie sich mit den E-Medien vernetzen und diese ergänzen.

Neue Geschäftsmodelle. Neben Kombinationen zwischen den verschiedenen Medien entwickeln sich mit neuen Druckverfahren auch neue Geschäftsmodelle – beispielsweise im Digitaldruck, der die grafische Welt zweifellos verändert. Je leistungsfähiger die Digitaldruck-Systeme werden, desto anspruchsvoller wird auch in diesem Bereich die Weiterverarbeitung.
Weil der wachsende Markt für kleinere Auflagen die ideale Plattform für den Digitaldruck bietet, arbeitet Müller Martini mit Herstellern von Digitaldruckmaschinen zusammen. Die in den letzten Jahren mit dem digitalen Buchproduktions-System Sigma Line gesammelten Erfahrungen und das Produktsortiment von Müller Martini ermöglichen Lösungen für neue, vollautomatisierte Anwendungen. So werden leistungsfähige Klebebinder und Sammelhefter in das Gesamtsystem integriert.

Die modulare Bauweise ermöglicht auch hier Ausbauschritte und gibt den Kunden Investitionssicherheit, da die Anlage sowohl die Digitaldruck-Anforderungen der Gegenwart als auch der Zukunft erfüllen können. „Wir erweitern die Möglichkeiten der klassischen Weiterver-arbeitung, sodass das Potenzial des Digitaldruckes voll genutzt werden kann“, sagt Bruno Müller. Für den CEO von Müller Martini ist deshalb klar: „Unsere Industrie muss lernen, ihre allzu selbstverständlich gewordenen Stärken aktiver und systematischer zu vermarkten. Auch wenn Argumente laut werden, dass Print als Dinosaurier vom Aussterben bedroht sei – es gibt sehr gute Argumente für die Druckmedien im gesamten Medienmix. Ich bin überzeugt, dass das Printmedium noch sehr viel Entwicklungspotenzial hat, wir müssen es jedoch voll ausschöpfen. Und es ist wichtig, zu verstehen, was im Medienmarkt passiert, um die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Unser Geschäft wird anspruchsvoll bleiben – mit vielen neuen Chancen.“   

Autor: Dr. Markus Angst.
Erschienen in DD 42/2010.

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Leserkommentare (1)

www.rq-verlag.de | Sonntag, 22. Januar 2012 19:52:23

Gestaltung & Druckweiterverarbeitung

Das sehen wir auch so, aber der schwierigste Weg ist es, den Weiterverarbeiter mit dem Gestalter von Druckmedien zusammen zubringen, um Ideen überhaupt produktionstechnisch und kostengünstig herzustellen.
Diverse Druckweiterverarbeitungen haben enorme Ideen und Möglichkeiten die aber im Sande verlaufen, da die Parteien "Gestaltung" und "Weiterverarbeitung" nur über die Druckerei kommunizieren und somit kein Austausch stattfindet.
Die gerade aufkommenden "hip" Elektronikprodukte können und werden in der Zukunft keine Druckerzeugnisse benötigen ( siehe Apple ), aber Druckerzeugnisse könnten "hip" werden durch eine Kombination von Druck & Elektronik........

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