Effekte statt E-Book


Kinder- und Jugendbücher sind das Experimentierfeld der Verleger und Buchproduzenten: Zum Einsatz kommen neonfarbene Plastikschuber, Soundchips oder wahre Schatzkisten mit hochwertiger Innenausstattung.

Buchdeckel zum Liebhaben Vor allem außen sollte schon erkennbar sein, dass ein Buch etwas zu bieten hat. Ein Trend, der aus dem angloamerikanischen Sprachraum stammt und mittlerweile auch hierzulande angekommen ist, wie Wolfgang Michael Hanke beobachtet. „Liegen Bücher auf dem großen Stapel der Buchhandlungen, gewinnen diejenigen, denen es gelingt die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen“, erklärt er. Seiner Meinung nach lassen sich mit intelligenten Lösungen attraktive – und erfolgreiche – Reihen entwickeln. „Wie ‚Das besondere Taschenbuch’ bei BTB, das in einem kleinen Taschenbuchformat mit einem flexiblen Leinenumschlag in jede Jackentasche passt und ein wertvolles Produkt zu einem super günstigen Preis – meist unter zehn Euro – transportiert.“

„Bei Kinder- und Jugendbüchern sind aufwendige Ausstattungen beinahe Standard.“ Wolfgang Michael Hanke, Random House.

Auch Barbara Arlt, Herstellungsleiterin bei Pearson Education Deutschland in München, weiß, wie wichtig es ist, „den Kunden dazu zu bringen, das Buch überhaupt in die Hand zu nehmen, seine Neugier zu wecken oder eben Titel zu etablieren, die das besondere Etwas haben“. Das gehe über den Inhalt – etwa mit einem Guru-Autor –, über Mehrwert, über den Preis, aber auch über das besondere „Etwas“. Bei Computerbüchern bestimmt nicht einfach. Aber das Fachbuch zum Apple-Betriebssystem OS X Leopard ist ein gelungenes Beispiel. Auf dem Buchdeckel prangt ein großes X aus Leopardenplüsch. Als das Buch auf den Markt kam, produzierte der Verlag 4000 Exemplare mit Plüsch und 4000, bei denen das Leopardenmuster nur aufgedruckt war. „Die mit Fell waren sofort vergriffen“, berichtet Arlt. Konsequenz für die nächste Auflage: Sie wurde nur noch mit dem Plüsch-X hergestellt. Der Titel habe sich inzwischen zu einem Kultbuch entwickelt. Und: „Die Mehrkosten, die wir für solche Effekte haben, sind in diesem Fall durch die erhöhten Verkaufszahlen gerechtfertigt“, sagt die Herstellungsleiterin. 

Cover vom Inhalt geprägt Schöne Beispiele für sinnreich gestaltete Buchdeckel gibt es inzwischen einige: So erschien vor Kurzem im Taschen Verlag in Köln das deutsch-englischsprachige Sachbuch „Extraordinary Records – Außergewöhnliche Schallplatten“. Das Besondere daran: Der Umschlag im quadratischen Format ist – wie eine Schallplatte – mit Rillen geprägt und in der Mitte mit einem Loch versehen. Ähnlich auf den Inhalt bezogen ist das Adidas-Image-Buch, das die Agentur Häfelinger + Wagner Design in München gestaltet hat. Auf dem Titel ist ein Läufer auf einer gelben Tartanbahn zu sehen. Wer darüber mit der Hand fährt, spürt eine Oberfläche wie Gummi-Granulat. Der gleiche Gedanke steckt hinter dem Image-Buch, das

 die Druckerei Raff in Riederich für Dunlop realisiert hat. Der Reifenhersteller wollte ein Buch, das außen in Haptik und Aussehen möglichst hundertprozentig einem original Dunlop-Reifen entspricht. Nach einigen erfolglosen Versuchen, ein Reifenprofil auf geeignetes Material zu prägen, wurde die Druckerei in Italien fündig. Das Material war tiefschwarz, gummiartig und einen Millimeter dick, so dass es sich gut prägen ließ. Mit Siebdruck kam das gelbe Firmenlogo auf den Umschlag – sehr aufwendige Prozesse, bis die richtigen Materialien und Dienstleister gefunden waren. Aber der Aufwand hat sich gelohnt: „Der Kunde war begeistert!“, heißt es aus dem Hause Raff. Die Druckerei hat zudem ein weiteres bemerkenswertes Buch umgesetzt: „Water/Wasser“ – ein Designbuch in der Reihe „Die vier Elemente“, das der Verlag Arnoldsche in Stuttgart voriges Jahr publiziert hat. Der Umschlag aus Lentikularfolie kombiniert mit dem blauen Buchdeckel vermittelt den Eindruck von Wasser.

Top Ten Cover-Veredelungen 2008 

  1. Lentikularcover
  2. Reliefprägung
  3. Heißfolienprägung
  4. Partieller UV-Lack
  5. Mattfolienkaschierung (schützt den Umschlag)
  6. Glanzfolienkaschierung (schützt den Umschlag)
  7. Drucklackierung (sehr wirtschaftlich)
  8. Leuchtlackierung
  9. Iriodinlackierung (Perlmutteffekte)
  10. Konturstanzung

(Quelle: „Börsenblatt plus“, 17. Juli 2008)

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