Effekte statt E-Book


Kinder- und Jugendbücher sind das Experimentierfeld der Verleger und Buchproduzenten: Zum Einsatz kommen neonfarbene Plastikschuber, Soundchips oder wahre Schatzkisten mit hochwertiger Innenausstattung.

Schuber, nicht nur zum Schutz. Zuvor erschien in der gleichen Reihe das Buch „Air/Luft – Einheit von Kunst und Wissenschaft“. Auch dieses Element sollte möglichst realitätsnah vermittelt werden: Ein aufblasbarer Luftsack dient in diesem Fall als Schutzumschlag. Nicht nur schützen soll der auffallend grellgrüne Filzumschlag mit Waschzettelchen, den O-Box in Darmstadt für den Frankfurter S. Fischer Verlag entwickelt hat. Er soll Buchhändler auf ihr persönliches Leseexemplar aufmerksam machen, wenn die Bücher bei ihm angeliefert werden. Wie man sieht, sind auch bei Schubern und Schutzhüllen der Kreativität keine Grenzen gesetzt. So steckt der Hamburger Cecilie Dressler Verlag seine Jugendbücher der Reihe „Geheimakte Joshua“ in durchscheinende neonfarbige Kunststoff-Schuber, die beim Buchhändler sofort ins Auge fallen dürften. Einen zweiten Hingucker ist bestimmt auch der Schuber für den Kunstkatalog „Christian Megert – Retrospektive“ wert – vom Künstler selbst gemeinsam mit Häfelinger + Wagner Design gestaltet. Der Betrachter erblickt sich darauf selbst, in einem integrierten Spiegel. Zu verstehen ist das Ganze als Teil des künstlerischen Katalog-Objekts: Über die Reflektion werde der Betrachter in das Bild integriert und darin Teil des Kunstwerks.

Andere Seiten aufziehen. Ein Kunstwerk ist auch das Buch „Your House“, das der Isländer Olafur Eliasson 2006 geschaffen hat. Es gehört mittlerweile zur Sammlung des New Yorker Museums of Modern Art und ist eine Art räumliche Wanderung durch das Haus des Künstlers. Die 3D-Darstellung des Hauses wurde dafür am Computer – wie mit dem Computertomographen – in 454 Scheiben geschnitten. Liegen die Blätter aufeinander, entsteht ein räumlicher Negativeindruck des Gebäudes und seiner Zimmer. Möglich machte es der Laserschnitt jedes einzelnen Blattes, der aber passgenau stimmen musste. „Um sicherzustellen, dass die Übergänge in höchster Präzision gefertigt werden, war ein sehr hoher Einrichte- und Kontrollaufwand erforderlich“, berichtet Karl Kretschmer, Firmeninhaber von Kremo. Der Spezialist für Laser-Papierfeinstanzungen in Mosbach wendet diese Technik auch für andere Printprodukte an – etwa für Buchdeckel oder Schmuckseiten. So haben die Mosbacher für den Bundesliga-Verein Hoffenheim im vor Kurzem erschienenen Image-Buch „Rhein-Neckar-Arena. Geschichte im Zeitraffer“ auf einer Seite die Stadionansicht gelasert.  

Web 2.0-Bücher. Ebenfalls künstlerisch, aber profanen Inhalten gewidmet, dafür nicht weniger originell ist das Kochbuch „Genie Essen. Chilli – Anstiftung zur Crossmedia Cuisine“, das die Agentur Chilli Mind in Kassel gemeinsam mit 64 Grafikern, Architekten, Fotografen und Künstlern aus neun Ländern entwickelt und gestaltet hat – mit crossmedialem Anspruch: Unter www.genie-essen.de können die Leser Rezepte abrufen und die Zutaten ausdrucken, das ganze Buch gibt’s auch als PDF zum Herunterladen und unterwegs können die Leser mit dem Handy ebenfalls auf die Zutatenlisten zugreifen. „Ziel war es, dem viel verschenkten Kochbuch soviel Effekte und Kleingedrucktes einzuhauchen, so dass man immer wieder stöbert und Neues findet“, erklärt Geschäftsführer Oliver Gerstheimer.
Viele neue Rezeptideen liegen auch beim Kochbuch on demand bereit, das der Gräfe und Unzer Verlag in München seit Kurzem anbietet. Unter www.kuechengoetter.de können sich Hobbyköche von 20 000 Rezepten inspirieren und eine Auswahl als individuelles Kochbuch drucken lassen.
Medien überschreitend ist auch das „Lebende Buch“ – ein aufgeschlagenes Buch, das über einen aufprojizierten Film erweitert wird und so geradezu magisch wirkt. Jede Seite ist individuell und lässt sich vor- und zurückblättern. Das Installationsobjekt, das die Liquid Agentur für Gestaltung in Augsburg entwickelt hat, lässt sich beispielsweise auf Messen oder bei Ausstellungen einsetzen.

Buchmesse inspiriert. Die Vielfalt zeigt: Bücher mit Effekten, die zu sinnlichen Erlebnissen (ver-)führen, können durchaus mit E-Book und Co. konkurrieren. Solange die Verlage, Druckereien und Agenturen kreativ bleiben. Spätestens auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober wird zu sehen sein, was es Neues gibt. Zum Beispiel eine Bibel im Moleskine-Outfit – mit klassischem schwarzem Einband, Gummiband, Lesebändchen, Blankoseiten und der praktischen Falttasche zum Aufbewahren von Zetteln und Fotos. Das wäre doch was für Sarah Kuttner, oder?

Für Innen und Außen die neue Vielfalt entdecken 

Die Kösel GmbH & Co. KG in Altusried im Allgäu hat eine Buchart zwischen preisgünstiger Broschur und hochwertigem Hardcover entwickelt: den sogenannten Flexband. Damit sollen Taschenbücher hochwertiger oder der Festband günstiger werden. Hintergrund ist, dass sich Verlage von ihren Mitbewerbern abheben und ihren Lesern etwas Besonderes bieten wollen – zu einem wirtschaftlichen Preis. Der Flexband hat die Buchdecke und die Funktion des Festbands, ist aber durch eine neue von Kösel entwickelte Technik deutlich günstiger. Im Aufschlageverhalten sei die neue Buchart dem klassischen Festband sogar überlegen, da das Buch aufgeschlagen liegen bleibt. Fünf verschieden veredelte Flexbände präsentiert die Musterkassette „Reflexbox“, mit der Kösel sein gesamtes Spektrum an Bucheffekten gleich mit vorstellt. Interessenten können die Box auf der Unternehmens-Website unter www.koeselbuch.de anfordern.

Autor: Nicola Scheifele
Erschienen in versio! 03/2009

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