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Unentdeckte Erlösquellen?

Bernhard Leicht (WRH Marketing) mit einem Beispiel für eine Memo-Flag auf der belgischen Tageszeitung L’Avenir.

Geschäftsmodelle für Zeitungsverleger. Wohl kein anderer Hersteller der grafischen Industrie präsentiert so konsequent die passenden Geschäftsmodelle zur Technik wie der Versandraum-Spezialist Ferag und dessen Schwesterfirma WRH Marketing. Die Schweizer sehen im Weiterverarbeitungsbereich der Zeitungsbetriebe ein Schlaraffenland an Erlös-Chancen. Doch viele Verleger haben offenbar den Weg dorthin noch nicht gefunden.

Mitte März 2010 im Druckzentrum „L’Imprimerie“, das die Verleger der Tageszeitung Le Figaro gemeinsam mit der italienischen Seregni-Gruppe unweit des Flughafens Paris-Charles-de-Gaulle gebaut haben: Guido Steffen, CEO der WRH Marketing, steht vor drei Dutzend Fachjournalisten und macht Lobbyarbeit für Print: „Ich bin fest davon überzeugt, dass das Printprodukt wachsen wird – nicht unbedingt die Zeitung, aber das Printprodukt und seine Derivate“, sagt er und lässt keinen Raum für Zweifel.

Idee plus Technik. Seit Jahren bringt das Produktionsunternehmen Ferag in gleichbleibender Schlagzahl neue Technikmodule auf den Markt, die sich baukastenartig ergänzen und mit deren Hilfe eine ganze Palette unterschiedlicher Printprodukte realisiert werden kann. WRH Marketing wendet sich parallel an die Drucker, Verleger und Werber, um die Geschäftsidee hinter der jeweiligen Technik populär zu machen.

Es ist ein zuweilen mühsames Unterfangen. Seit fünf Jahren sind die Schweizer beispielsweise mit ihrem „Memo-Stick“ in der Branche unterwegs. Es gibt Verleger wie jener der italienischen Qualitätszeitung Corriere della Sera, welche die Memostick-Idee sofort und erfolgreich adaptiert haben. In anderen Ländern war es ein zäher Prozess, die Haftnotiz auf der Zeitungstitelseite als Werbe­medium zu etablieren – etwa in Deutschland oder der Schweiz. Für Guido Steffen ist das „ein Trauerspiel“: Es sei „unglaublich, was man da mit Nichts verdienen“ könne. 

Guido Steffen.

Das „Nichts“ sind  in diesem Fall die Memostick-Applikatoren, die es als „Accraply“ (ein Handelsprodukt der WRH Marketing) für rund 60000 Euro oder als Ferag-Eigenprodukt „Triliner“ zum Stückpreis von etwa 160000 Euro gibt. Letzterer kann auch Memosticks in Blockform verarbeiten sowie Postkarten aufkleben. Eine Handvoll Kampagnen reicht nach Steffens Überzeugung (und natürlich einer entsprechenden Modellrechnung zufolge) aus, um diese Investition zu refinanzieren.

Bis zu 32 Beilagen. Andere Länder, andere Märkte: Während die Einstecktrommel in Deutschland Standard im Versandraum ist und die technische Basis eines wichtigen Erlösstandbeins („Verlegertrommel“), blieb in Frankreich das Einstecken von Beilagen in die Tageszeitung praktisch unentdeckt. Nur in Lothringen und im Elsass, quasi im Einflussgebiet deutscher und Schweizer Gepflogenheiten, hat sich die Tageszeitung als Trägermedium durchgesetzt. Wie wichtig das Standbein Beilagen in Deutschland mittlerweile ist, zeigt die Aussage von Ferag-CEO Jürg Möckli, dass man für entsprechende Versandräume planerisch heute von wenigstens zehn Beilagenstationen ausgehe. Im Maximum seien auch schon mal 32 Rollstream-Anleger vorgesehen. „Amerikanischer Standard eben“, sagt Möckli mit Blick auf die, vor allem am Wochenende vor Supplemements und Beilagen überquellenden US-Blätter. Vor diesem Hintergrund ist die Komplettausstattung des neuen 81-Mio.-Euro-Druckzentrums nahe Paris ein Erfolg für den Schweizer Versandraumtechnik-Hersteller.

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