„Gedruckt oder digital ist egal, solange das Gesamtmedienkonzept stimmt“


Dirk Alten: „Medienkanäle kannibalisieren sich nicht, sondern werden sich ideal ergänzen. Vom Grundsatz her muss es uns künftig vollkommen egal sein, ob bei der Produktion ein digitales Endprodukt herauskommt oder gedruckt wird – Hauptsache das ganze Medienkonzept macht für den Kunden Sinn.“

DD: Welche Bedeutung hat der derzeit viel diskutierte Bereich Social Media für Schaffrath?

Hornen: Social Media ist für uns ein Kundenbindungsinstrument, ein sehr guter Kanal, um Kunden aktuell darüber zu informieren, was ein Unternehmen gerade tut. Großartige Erlöse kann ich hier eher nicht erzielen, allerdings die Community um mich herum erweitern (und ggfs. eines Tages auswerten) – wenn ich den Kanal ernst nehme und mich dauerhaft kümmere.

Im Moment schafft Schaffrath Neue Medien hier die Schnittstellen zu den Online-Publishingsystemen der Verlagskunden, die redaktionelle Betreuung liegt dann meist in den Verlagen. Die Integration von Social Content in Content-Management-Systeme ist allerdings schwierig, weil den Daten einfach die Struktur fehlt. Bisher hat meines Erachtens kein System derartigen Content richtig integriert. Aber auch hier ist es für uns wichtig, die Kunden richtig zu beraten: Ist der Medienkanal „Soziale Netzwerke“ wirklich wichtig für ihn? Kann er dadurch die richtigen Bedürfnis-gruppen erreichen?

Dirk Alten: Jetzt kommen wir meines Erachtens an den Punkt des Gesprächs, wo sich die Frage stellt: Was macht eigentlich das „Medienunternehmen von morgen“ aus? Wir müssen heute zur Kenntnis nehmen, dass es die ausschließlich printorientierte Vertriebsstrategie für eine reine Druckerei nicht mehr gibt. Also müssen wir uns der Entwicklung entsprechend als Medienunternehmen aufstellen und auch als solches wahrgenommen werden! Es darf nicht mehr allein darum gehen, dass mit irgendeinem Druckpreis alle Leistungen abgegolten sind. Wir müssen weiter vorne im Prozess ansetzen, im Bereich der Agenturen. Ideenentwicklung, Medien-Konzeptionierung, die Verbindung der klassischen mit den Online-Medien muss im Mittelpunkt stehen!

Verlage bringen schon jetzt vereinzelt Produkte auf den Markt, die die Medienkanäle miteinander kombinieren, beispielsweise über Techniken wie QR-Codes, automatische Bilderkennung, Augmented Reality et cetera Unsere Aufgabe ist es also, den Kunden zu zeigen: Welche Technologien gibt es, was könnt ihr machen? Und vor allem: Was macht für euch Sinn? Vom Grundsatz her muss es vollkommen egal sein, ob dabei dann ein digitales Endprodukt herauskommt und/oder doch gedruckt wird! Nur so können Mediendienstleister in Zukunft überleben. Crossmediale Beratung, Projektumsetzung sowie Analyse und Auswertung sind hier die Stichwörter.

Druck wird es aus meiner Sicht noch ewig geben, damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich singe hier keineswegs den Abgesang auf den Druck. Die Frage wird in Zukunft aber sein: In was für einer Wertigkeit? Für welche Bereiche? In welchem Umfang? Die grundsätzliche Festlegung eines Produkts auf nur einen Medienkanal (wie zum Beispiel den Druck) ist der falsche Ansatz und künftig auch gar nicht mehr machbar, da gebe ich Prof. Kretzschmar vollkommen recht.

DD: Schaffrath ist als großes Unternehmen relativ früh in die digitalen Medien gestartet, kann heute auf ein umfangreiches Partnernetzwerk zurückgreifen. Selbst mit den Gesellschafter-Verlagen lassen sich Synergien nutzen, etwa in Sachen professionelle Anzeigenentwicklung oder durch den Zu­griff auf Redakteure zur Contententwicklung. Wie aber soll sich ein kleiner Mittelständler aufstellen?

Alten: Sie haben schon recht: Ein Betrieb mit 10, 15 Leuten kann sich nicht einfach so nebenbei eine digitale Schiene aufbauen. Da fehlt es ja meist schon am Kapital. Aber man kann sich ja mit geeigneten Partnern zusammentun...

Hornen: Einen Ausnahmefall haben wir gleich hier bei uns in der Nähe, wo eine Kleindruckerei den Weg zum Medienzentrum äußerst erfolgreich beschritten hat. Die Druckerei hat es geschafft, ihren Kunden Mehrwerte zu bieten und neue Kanäle zu erschließen (Werbetechnik, Grafik- und Webdesign, Online-Marketing). Die haben dem Unternehmen im Krisenjahr 2009 durch eine neue Strategie zum besten Ergebnis in der Firmengeschichte verholfen. Die Druckerei hat über den digitalen Markt Aufträge für Print (und andersrum) generieren können. Übrigens hat auch diese Druckerei ihr ganzes Know-how fast ausschließlich intern aufgebaut!

"

Wir Drucker glauben doch immer, irgendetwas produzieren zu müssen. Es reicht aber heute nicht mehr aus, etwas zu produzieren.

Dirk Alten

"

DD: Viele Drucker sträuben sich immer noch gegen eine solche multimediale Entwicklung. Doch ist es nicht jetzt schon reichlich spät für einen Einstieg?

Alten: Das sehe ich auch so. Aber wir kommen eben alle von dieser „Druckerschiene“ und glauben immer, irgendetwas produzieren zu müssen. Es reicht aber heute nicht mehr aus, etwas zu produzieren! Meines Erachtens ist der Beratungsansatz, der aus einem grundlegenden Verständnis für das Zusammenspiel der Medienkanäle und natürlich der Technik resultiert, mittlerweile genauso entscheidend wie Drucken oder das Entwickeln einer App.

Aber bedenken Sie: Derzeit verdienen nicht nur wir bei Schaffrath unser Geld noch zu 90 Prozent mit dem Drucken und höchstens zu zehn Prozent mit den Neuen Medien. Doch das wird sich ändern! Kein Drucker ist in der Lage, diese Entwicklung aufzuhalten. Denn langfristig kann er seine Kunden genauso wenig von der digitalen Welt fernhalten wie er die Entscheidung beeinflussen kann, ob 50.000 oder nur noch 8.000 Exemplare gedruckt werden.

Derzeit hat unsere vom Printbereich kommende Klientel in Sachen digitale Medien vielfach noch Nachhol- und Beratungsbedarf; wenn Drucker hier entsprechendes Know-how anbieten können, ist das auch eine Chance zur Kundenbindung. Aber er muss es eben jetzt tun! Tut er es nicht beziehungsweise wartet das eine oder andere Jahr zu lang, dann verliert er den Kunden an den Multimedia-affinen Wettbewerb. Denn, machen wir uns nichts vor: Irgendjemand an­deres wird das Geschäft machen. Zum Beispiel die Internetagenturen... 

Seite « 1 | 2
Anzeige

Firmen-Suche


Weiterempfehlen Drucken Heft-Abo

Leserkommentare

Noch keine Kommentare. Geben Sie den Ersten ab!

Druck&Medien Awards 2016: After-Show-Party

Jetzt NEU

Die print.de-Karte der wichtigen Branchenkontakte

Mehr Details zu den einzelnen Anbietern in Ihrer aktuellen Ausgabe des Deutschen Druckers unter Service/Das Branchenverzeichnis A-Z
mehr

Top-Themen

Geschäftsführer Christian Aumüller (Aumüller Druck) hinterfragt den ökologischen Sinn von Forstwirtschaftszertifikaten für Druckereien.

"Fürs FSC/PEFC-Zertifikat werden Druckereien ordentlich gegängelt!"

Am Rande eines Interviews mit „print.de“ über das Engagement der Industriedruckerei Aumüller Druck in Regensburg in Sachen betrieblicher Umweltschutz berichtete Geschäftsführer Christian Aumüller über seine jahrelangen Praxiserfahrungen mit der FSC/PEFC-Zertifizierung und hinterfragt deren Sinnhaftigkeit für die Druckindustrie.
mehr

Ganz so unbedeutend ist die Druckbranche gar nicht

Wenn das Geschäft einer Druckerei nicht mehr auskömmlich ist, hört man immer wieder dieselben Begründungen: „Das Internet macht uns das Leben schwer.“ Oder: „Wegen des ruinösen Preiskampfes haben wir keine Chance.“ Warum solche negativen Statements der Printbranche nicht gerecht werden und warum Zeitschriften als Premiumprodukte auch häufiger als alle zwei Monate erscheinen können, erläutert Bernhard Niemela, Geschäftsführer Deutscher Drucker.
mehr

Aktuell bei Top 10

Die 10 besten Schriften 2016

Das sind die 10 besten Schriften des Jahres 2016 – zumindest wenn es nach der britischen Type Foundry "HypeForType" geht. Das britische Versandhaus für Schriften hat die aus seiner Sicht besten Schriften des vergangenen Jahres gekürt.
mehr

Druck&Medien Awards 2016 – Get-together und Dinner

CGI – So sieht die Zukunft der Bildbearbeitung aus

Umfrage

Als wie sicher empfinden Sie die Schutzmaßnahmen rund um ihr Unternehmensnetzwerk?

Jetzt abstimmen

Kommentare

Services

Bitte warten...