Herausforderung Ad Specials


 

Während der Produktion bei Burda Druck: Die Anleger eines Sammelhefters werden mit Warenproben (Flatspray) bestückt. (Foto: Hubert Burda Media, Burda Druck)

Sehen Sie die Ad Specials als Wachstumsmarkt?
Kiefer: Der Markt der Ad Specials wächst weiterhin aufgrund seiner exklusiven Möglichkeiten. Er ist aber auch ein Markt im Wandel, weil Kunden immer öfter die besonderen Präsentationsformen suchen. So reicht zum Beispiel das ‚normale‘ Aufspenden einer Warenprobe auf eine Trägeranzeige oft nicht mehr. Wir haben deshalb eine Mechanik innerhalb eines Beihefters entwickelt, die die Warenprobe beim Öffnen an einem ‚Arm‘ aus dem Heft herausschiebt. Alle Ad-Special-Formen werden wir in neue Richtungen weiterentwickeln. Unser Appell an Druckereien und Weiterverarbeiter lautet deshalb: Prüfen Sie Ihre Möglichkeiten und nehmen Sie Kontakt zu Verlagen oder zu uns von BCN auf und werden Sie somit in diesem speziellen Markt aktiv. Diese Spezialisierung lohnt sich, denn attraktive Ad Specials werden gut bezahlt.

Wie viel Potenzial sehen Sie noch bei der Entwicklung neuer Sonderwerbeformen?
Kiefer: Die Weiterentwicklung bestehender oder gänzlich neuer Sonderwerbeformen ist weniger eine Frage der technischen Umsetzungsmöglichkeiten mit heutigen Standards, als vielmehr die Anpassung technischer Voraussetzungen auf die Realisierung neuer Ideen. Und neue Ideen haben wir viele. Die werden wir in enger Zusammenarbeit mit Spezialanbietern von Papieren, mit Veredlern, Druckspezialisten und Konfektionierern weiterentwickeln und auf den Markt bringen. Da können Sie noch einiges von uns erwarten.

Herr Engelhardt, inwieweit müssen Sie als Produktionsplaner von Burda Druck das Thema Ad Specials in Ihre Planungen einbeziehen?
Engelhardt: Wir bei Burda Druck produzieren die Zeitschriften der Burda-Verlage im Tiefdruck. Die Produktion der Ad Specials selbst vergeben wird daher außer Haus. In der nächsten Fertigungstufe ist es dann aber unsere Aufgabe, für die reibungslose Weiterverarbeitung der Ad Specials in unseren Zeitschriften zu sorgen.

Welche speziellen Maschinen verwenden Sie in Ihrem Hause, um Ad Specials zu konfektionieren?

 
 

Heiko Engelhardt, Bereichsleiter Zentrale Produktionsplanung, Burda Druck.

Engelhardt: Es gibt generell zwei Möglichkeiten für die Verarbeitung von Ad Specials in Printprodukten: Zum einen die maschinelle Inline-Verarbeitung über Sammelhefter oder Klebebinder, zum anderen die händische oder maschinell unterstützte Konfektionierung, die sich an den eigentlichen Verarbeitungsprozess des Druckprodukts anschließt. Die letztere Variante ist natürlich die deutlich aufwändigere und teurere. Bei Burda Druck verfügen wir an den Standorten Offenburg und Nürnberg über insgesamt 12 Sammelhefter mit einer Jahresleistung von rund 900 Mio Heftungen. Circa 50% davon sind Zeitschriften, der Rest sind überwiegend Kataloge von Versandhändlern. Alle klebegebunden Produkte vergeben wir zur Weiterverarbeitung an externe Dienstleister, ebenso wie sämtliche Konfektionierungsarbeiten. Typische Beispiele für Ad Specials, die bei uns inline verarbeitet werden, sind Beihefter und Beilagen, Titelaufkleber (Booklets, CDs, DVDs), Postkarten, Warenproben oder Post it. Beispiele für die Offline-Konfektionierung sind Aufkleber im Über- und Unterformat oder die Zusammenführung mehrerer Zeitschriften mit anschließender Einzeleinschweißung.

Welche Herausforderungen stellen Ad Specials für Ihr Unternehmen dar?
Engelhardt: Die große Stärke von Burda Druck und seinen Partnerunternehmen ist es, hochauflagige Druckprodukte – insbesondere Zeitschriften – in einem sehr engen Zeitfenster produzieren zu können. Darauf sind auch unsere Maschinen ausgelegt. Bei der Verarbeitung von Ad Specials hat man es allerdings oft mit Produkten zu tun, die im absoluten Grenzbereich der Maschinenparameter dessen liegen, was sich noch verarbeiten lässt. Bei einer Monatszeitschrift mit einer Auflage von 30000 Exemplaren ist eine Leistungsminderung um 30 Prozent verkraftbar, bei einer „Bunte“, wo binnen 24 Stunden 750000 Hefte produziert werden müssen, ist das ein großes Thema.

Welche Anforderungen stellen Ad Specials an die Produktionsplanung?
Engelhardt: Die große Herausforderung an die Produktionsplanung besteht darin, den „Schwierigkeitsgrad“ der Ad Specials im Vorfeld einzuschätzen und in der Produktion – extern und intern – zu koordinieren. Das beginnt schon mit der Frage, ob ein Ad Special überhaupt maschinell inline verarbeitet werden kann oder offline konfektioniert werden muss. Da haben wir natürlich sehr viele Erfahrungswerte, aber es gibt immer wieder Produkte, die bezüglich ihrer Verarbeitbarkeit geprüft werden müssen. Oft genügt der Fachabteilung die genaue Spezifikation des Ad Specials, in vielen Fällen lassen wir uns aber auch Muster kommen, die teilweise sogar in der Maschine getestet werden. Bei den engen Zeitfenstern unserer Zeitschriften ist es entscheidend, eine genaue Aussage über die zu erwartende Maschinenleistung zu haben. Bei Warenproben mit Flüssigkeiten oder Cremes führen wir beispielsweise Berstdrucktests durch, damit diese später nicht aufplatzen, wenn die Zeitschriften auf der Palette gestapelt werden. Wir können es uns nicht erlauben, während der Produktion Überraschungen zu erleben. Bei zu erwartender Leistungsminderung müssen wir von unserer Planung abweichen und gegebenenfalls mehr Maschinen in die Produktion einbeziehen. Es kommt auch vor, dass sich manche Ad Specials nicht auf jeder Maschine verarbeiten lassen, weil beispielsweise nicht alle Maschinen über ein Aggregat zum Aufspenden eines Titelbooklets verfügen. Das schränkt den Handlungsspielraum für die Planung weiter ein. Und nichts liebt der Planer mehr als eine größtmögliche Flexibilität.

Verarbeiten Sie Ad Specials nur für Produkte aus dem eigenen Verlag oder auch für externe Kunden?
Engelhardt: Der mit Abstand größte Teil unserer Aufträge spielt sich bei den Zeitschriften des Burda-Konzerns ab, und hier besonders bei klebegebunden Frauenzeitschriften wie Freundin, Instyle oder Elle. Diese stellen uns auch technisch vor die größten Herausforderungen, da teilweise gleich mehrere Ad Specials in einem Heft unterzubringen sind. Hin und wieder haben wir das Thema auch bei externen Aufträgen, aber bei weitem nicht in diesem Umfang.

Was würden Sie Druckern bzw. Weiterverarbeitern raten, die sich mit der Produktion der Ad Specials beschäftigen und ein neues Geschäftsfeld erschließen möchten?
Engelhardt: Ich würde offen für Veränderungen, sein aber dennoch vorausschauend mit Investitionen in Aggregate zur Verarbeitung sehr spezieller Ad Specials umgehen. Nicht alles, was im Moment wie ein großer Hype aussieht, ist zwangsläufig nachhaltig. Seine Sammelhefter mit Kartenklebern auszustatten, ist eine feine Sache, aber man braucht natürlich auch die Aufträge dazu, und das stabil und auch über einen längeren Zeitraum.

Fragen und Dokumentation: Petra Ebeling

Erschienen in DD7/2015

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