So viel Druck braucht ein Auktionshaus: Kunstobjekte im Katalog


 

Alle Objekte werden freigestellt. Layoutet wird mit freien Elementen, die einzigen Gestaltungsvorgaben sind der Satzspiegel und Richtlinien für die Schrift.

Ein Fotograf fertigt im unternehmensinternen Fotostudio von Nagel Auktionen professionelle Fotos der Objekte an und stellt diese für die weitere Verarbeitung in den Katalogen frei. Ebenso wird mit eventuellen Detailfotos verfahren, die auf Besonderheiten der Kunstobjekte hinweisen. Die bearbeiteten Komplett- ebenso wie die Detail­aufnahmen werden auf dem Server bei Nagel zusammengeführt und stehen zur Katalogbearbeitung in der DTP bereit. Hier werden die Fotografien per Farblaserdrucker gedruckt und danach von den Experten in die fachlich korrekte Reihenfolge gebracht. Dies geschieht ganz einfach durch das Sortieren und Abheften der Ausdrucke in einem Ordner. „Der jeweilige Ordner gibt dann auch die grobe Positionierung der Objekte für den entsprechenden Auktionskatalog vor“, so Mediendesigner Rafael Calabek.

 
 

Die meisten Kataloge werden als Softcover angeboten, den im Bild gezeigten hochwertigen Asia-Katalog gibt es im Festeinband. (Fotos: Nagel Auktionen)

Im nächsten Schritt gelangen die exportierten Texte und Bilder mit eigens angefertigten Makros und Templates automatisch und grob vorplatziert in die Layoutsoftware Adobe Indesign. „Beim anschließenden Feinschliff haben wir große gestalterische Freiheit. Unsere einzigen Vorgaben sind, neben der festgelegten Reihenfolge der Objekte, der Satzspiegel sowie Schriftangaben. Ansonsten können wir unseren Vorstellungen eines ästhetischen Gesamtbildes relativ freien Lauf lassen“, schwärmt Sebastian Landmessser. Die vom Umbruch angefertigten Ausdrucke gehen zum Korrekturlesen zurück an die Experten. Sie merken hier ihre Text- und Bildkorrekturen an, die die DTP in Indesign ausführen. Die Textkorrekturen in den Objektbeschreibungen realisieren die Experten persönlich in der Auktionssoftware. Daraus resultieren wiederum die korrekten Objektbeschreibungen in der Online-Datenbank auf der Nagel-Webseite. Ein weiterer Ausdruck im Rahmen eines zweiten Korrekturlaufs lässt die Experten und auch die DTP letzte Fehler in Katalog bzw. Datenbank ausmerzen. Nach dieser Inhouse-Endkorrektur werden die per Laserdrucker erstellten Katalogseiten gemeinsam mit PDF-Daten an den langjährigen Druckpartner, die Druckerei Schefenacker mit Sitz in Deizisau, nahe Stuttgart, übersandt.

Printkataloge gefragt

Die Produktion der Kataloge folgt einem sehr engen Zeitkorsett: „Binnen einer Woche erstellen wir in der DTP ein bis vier Kataloge pro Auktion. Die Druckerei erhält vier Tage Zeit für CtP, Druck und Verarbeitung“, erklärt Sebastian Landmesser. Die Umfänge der Kataloge liegen zwischen 136 und 800 Seiten, die Auflagenhöhen bewegen sich zwischen 900 und 2.600. „Schefenacker druckt unsere Kataloge im Offset mit frequenzmoduliertem Raster und ermöglicht es uns durch eine Vielzahl an Veredelungsarten, die Kataloge mit Umschlägen anzubieten, die beispielsweise glanzkaschiert oder UV-lackiert sind“, so Landmesser, „gedruckte Kataloge dieser Qualität haben bei unseren Kunden einen sehr hohen Stellenwert. Das zeigt sich, trotz der Blätterkataloge auf unserer Webseite www.auction.de, an den stabilen Bestellzahlen unserer Printkataloge.“

Auktionen mit Tradition 

 
 

Im „Neckarhof“ in der Stuttgarter Neckarstraße ­werden auf 5000 m2 – verteilt auf sieben Etagen – Kunstobjekte und Antiquitäten präsentiert.

Die Geschichte des Hauses Nagel Auktionen geht auf den promovierten Chemiker Dr. Fritz Nagel zurück, der im Jahr 1922 in seiner Heimatstadt Mannheim eine Kunsthandlung gründete und zwei Jahre später die erste Kunstauktion der Stadtgeschichte durchführte. Somit zählt Nagel Auktionen mit seiner über 90-jährigen Firmengeschichte zu den ältesten Auktionshäusern Deutschlands, das sich auf nationaler wie internationaler Ebene als Mittler zwischen Kunst und Öffentlichkeit etabliert hat.

Unter der Leitung des heutigen Geschäftsführers Uwe Jourdan kam es zur Wandlung von Nagel Auktionen in eine GmbH & Co. KG. Mit 50 Mitarbeitern, jährlich mehr als zwölf Auktionen, zwischen 15.000 und 20.000 versteigerten Objekten und einem Umsatz von rund 50 Mio. Euro nimmt das Unternehmen eine zentrale Position auf dem deutschen Kunstmarkt ein. Die Bandbreite der angebotenen Stücke reicht von der Antike über die Moderne bis hin zu zeitgenössischen Künstlern und Designern, von Mitteleuropa über Asien bis nach Afrika und in den Orient. Ein spezieller  Expertenbereich ist die hier seit vielen Jahren gepflegte Sparte asiatischer Kunst. Damit erzielt man derzeit Umsätze von mehr als 20 Mio. Euro pro Auktion.

Erschienen in DD 5/2014

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