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So viel Druck braucht ein Zirkus

Manege frei für ... Print
 

Als akrobatisches Highlight des Circus Krone wird „Crazy Wilson“ mit seinem „Todesrad“ beworben. Der kolumbianische Artist, der mit bürgerlichem Namen Wilson Dominguez heißt, wagt offenbar einen Salto Mortale auf dem Außenrad in zehn Meter Höhe.

Menschen, Tiere, Sensationen sind das tägliche Geschäft eines Zirkus. Doch dafür heißt es mächtig die Werbetrommel rühren. Am besten mit Plakaten in der ganzen (Gastspiel-)Stadt. Und am liebsten würde ein Zirkus, wie der in München ansässige Circus Krone, noch viel mehr mit Printprodukten werben – wenn es da nicht in jeder Stadt ziemlich restriktive Plakatregularien gäbe.

„Wie viel Druck braucht der Zirkus heutzutage wirklich?“, wollten wir wissen. „Gaaanz viel“, kommt die spontane und rasche Antwort von Markus Strobl, Pressesprecher vom Münchner Circus Krone, auf die erste telefonische Anfrage. In konkreten Zahlen heißt das über drei Millionen Printprodukte im Jahr. „Vom klassischen Plakat über Flyer bis zum hochwertigen Programmheft wird der Besucher vor und während des Zirkusbesuchs von erstklassigen Printprodukten begleitet“, so Strobl. Daneben setze das Unternehmen auch Werbung auf Bussen und Bahnen ein. Und: Die Produkte seien sehr vielschichtig: A1- bis A3-Plakate, Großflächenplakate im 18/1-Bogenformat oder Säulenplakate im Format 6/1 und 8/1.

Liaison mit Tradition

Dabei vergisst der Krone-Mann nicht, darauf hinzuweisen, dass das Plakat an sich oder sogar die Litfaßsäule eine Erfindung des Zirkus sei. „Die runde Säule zu betrachten ist wie in der Manege zu sitzen“, behauptet er gar. In der Tat soll es vor 160 Jahren den Berliner Buchdrucker Ernst Litfaß gestört haben, dass in seiner Stadt viele Gebäude mit Plakaten und Zetteln zugeklebt waren. Abhilfe schaffen sollten – nicht ohne Hintergedanken – die von ihm entwickelten „Annonciersäulen“, die sämtliche Werbung und öffentliche Bekanntmachungen künftig bündeln sollten. Der fortschrittliche und geschäftstüchtige Drucker erhielt 1854 die Genehmigung und Konzession, „auf fiskalischem Straßenterrain Anschlagsäulen zwecks unentgeltlicher Aufnahme der Plakate öffentlicher Behörden und gewerbsmäßiger Veröffentlichungen von Privatanzeigen zu errichten“. Alles andere Plakatieren von Zetteln sei künftig verboten. Zuvor hatte Litfaß hierzulande als erster den Buntfarbendruck eingeführt und mit riesigen Plakaten für den Zirkus Renz – 6,28 Meter hoch und 9,42 Meter lang – Aufsehen erregt. Dieses Format hatte es bis dato in Deutschland nicht gegeben. Und: Die ersten von Litfaß entwickelten Annonciersäulen finanzierte Ernst Renz – der Direktor und Gründer eben dieses Zirkus.

Gegen Werbewildwuchs

Doch zurück zum Circus Krone. Dieser hat nämlich inzwischen ebenfalls mit Werbewildwuchs zu kämpfen. Laut Strobl sei das Plakat beim Publikum ein sehr beliebtes Werbemittel. Doch die Vielzahl von Plakaten und Displays machten es in der heutigen Zeit schwer sich zu platzieren. „Würde Digital heute ausreichen, dann befände man sich als deutscher Bundesbürger während der Wahlperioden nicht in einem regelrechten Plakatwald“, bemerkt Markus Strobl. Selbst TV-Sender würden inzwischen auf Großflächenplakaten werben, und diese regelrechte Plakatflut mache es vor allem dem Zirkus immer schwerer. Denn gerade die klassische Plakatierung mit Querplakaten im Format 80 auf 160 an Privatzäunen seien bislang immer die Eyecatcher fürs Publikum gewesen. Doch: „Kaum eine Stadt, ein Dorf oder eine Gemeinde, die das Plakatieren aufs Strengste reglementiert oder sogar verboten hat. ‚Ein Plakat am Privatzaun wirkt in den öffentlichen Luftraum und ist damit verboten’ – diese und ähn­liche Sätze hören wie vermehrt“, erklärt der ­
Presse- und Marketingmann.

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