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Viele Geschäfte mit der Zeitung

Pocketstory: ein neu gestarteter Verkaufskanal für Verlagsprodukte
 

Klassisch auf Papier, digital gedruckt oder komplett digital? Die Claims für das Medium Zeitung sind noch nicht abgesteckt, und digitale und analoge Angebote können sich gegenseitig durchaus befruchten.

Die Medienhäuser tun sich weiterhin insgesamt schwer damit, Geld im Internet zu verdienen. Ein in Deutschland neu gestarteter Verkaufskanal für Verlagsprodukte jenseits von Print ist der Online-Kiosk „Pocketstory“, in dem einzelne Artikel aus Zeitungen und Zeitschriften angeboten werden. Etablierte Verlage setzen Hoffnung in das Modell – auch weil es den sich verändernden Lesegewohnheiten Rechnung tragen soll.

Der Transformationsprozess analoger Zeitungsmedien in digitale Angebote gestaltet sich nach wie vor zögerlich. Auch wenn sich die Lesegewohnheiten zugunsten digitaler Medien verändern, bleibt die Monetarisierung von redaktionellem Content im Internet die Crux. Dennoch haben die meisten Regionalzeitungen inzwischen eine Bezahlschranke vor ihren Portalen gesenkt, während sich fast alle überregionalen Wochentitel und Magazine noch nicht dazu durchringen konnten. Ein weiterer Versuch ist das digitale Zeitschriften-Abo „Readly“, ein Dienst, bei dem man für einen monatlichen Fix-Betrag beliebig viel in aktuellen Magazinen lesen kann. Etwas besser bestellt – dem Tablet sei Dank – ist es dagegen um die Etablierung von ePaper-Downloads, insbesondere im Bereich der Special Interest-Medien. Ein weiteres digitales Geschäftsmodell jenseits der Abo-Angebote ist der hierzulande im Mai gestartete Online-Kiosk Pocketstory. Das Start-up bietet – quasi wie Apple iTunes auf dem Musikmarkt – einzelne Artikel aus Zeitschriften und Zeitungen an. Ein ähnliches Angebot entwickelt derzeit auch der Axel Springer-Verlag. Das Medienhaus hat dazu zusammen mit der „New York Times“ im Oktober 2014 für rund drei Millionen Euro das niederländische Start-up Blendle gekauft. Blendle wurde 2013 gegründet und ist bislang ausschließlich in den Niederlanden aktiv. Anders als Pocketstory bietet die Web-Plattform jedoch komplette Hefte an.

Veränderte Lesegewohnheiten

Der Online-Kiosk Pocketstory werde den verändernden Lesegewohnheiten gerecht, argumentiert Thorsten Höge, Gründer und -Geschäftsführer des neuen Dienstes: „Es bleibt immer weniger Zeit, ein ganzes Magazin zu lesen. Darauf reagieren wir und picken für unsere Nutzer die Rosinen
aus Heften und Büchern.“

Die angebotene Artikelauswahl wird von dem Hamburger Start-up kuratiert sowie per Data-Mining den Interessen der Leser angepasst. Das Angebot soll sich ausschließlich über Paid-Content finanzieren und werbefrei bleiben. Die Preise für einzelne „Lesestücke“, wie Pocketstory die Artikel nennt, liegen zwischen 0,39 und 1,99 Euro. Die Bezahlung erfolgt per Bankeinzug im personalisierten Account.

Die Nutzer der Plattform haben die Möglichkeit,  Interessenprofile anzulegen, um entsprechende Vorschläge für Artikel zu erhalten. Für den Anfang hat Pocketstory das Angebot in zehn Rubriken geglieder – darunter zum Beispiel Politik, Wirtschaft, Reise, Wissenschaft und Krimis – weitere Rubriken sollen sukzessive folgen.

Renommierte Verlagstitel

Von Beginn an sind auf der Plattform viele etablierte Medienhäuser mit ihren Titeln vertreten. Darunter aus dem Zeitungsbereich die Spiegel-Gruppe, der Zeit-Verlag, DuMont Schauberg und Inspiring Network sowie die Magazine des Jahr Top Special Verlags und der Buchverlag Campus.
Für die teilnehmenden Verlage dürfte das Angebot zunächst mal eine bequeme Möglichkeit darstellen, um ihre Print-Publikationen ohne größeren Aufwand digital zweitzuverwerten. Mit nennenswerten Erlösen können sie durch den Verkauf von Einzelartikeln aber vorerst wohl nicht rechnen. Sollte sich das Angebot etablieren, besteht zudem das Risiko, dass die Medienhäuser Abonnenten beziehungsweise Käufer ganzer Print-Titel an den Online-Kiosk verlieren.  

Gezielte Markenpositionierung

Aber es gibt auch durchaus Gründe, bei dem Portal mit dabei zu sein. Zum Beispiel räumte Spiegel-Vertriebsmarketingleiter Stefan Buhr im Interview mit dem Medienmagazin „Horizont“ ein, sich wichtige Informationen über das Medienkonsumverhalten zu erhoffen. Darüber hinaus würden sich auch „Koppelkauf“-Chancen bieten, wenn Leser anderer Titel über Themenhinweise auf den Spiegel aufmerksam werden.

Katarzyna Mol-Wolf, Geschäftsführerin bei dem Verlag Inspiring Network und zugleich Mitgesellschafterin von Pocketstory, machte in dem Interview zudem auf die Chance aufmerksam, die Marke bei neuen Zielgruppen bekannt zu machen – und diejenigen zurückzugewinnen, die für ein klassisches Print-Angebot verloren sind, weil sie sich bewusst für digitale Angebote entschieden haben. Allerdings bleibe ihr Glaube an Print von den Möglichkeiten des ergänzenden digitalen Medienangebots unberührt, beteuerte die Verlegerin.

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