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Warum sich Print gegenüber Onlinemedien behaupten wird

Neue Online-Plattformen wie etwa Facebook decken zahlreiche Kommunikations- und Informationsbedürfnisse ab, aber eben nicht alle ... und für einige gibt es nichts Besseres als Print.

Kommentar. Printmedien geraten in einer Welt, in der sich die Kommunikationskanäle sprunghaft vervielfachen, scheinbar unter Druck. Dabei decken gedruckte Publikationen viele Bedürfnisse ab, die von digitalen Medien ausgespart werden. Dennoch bleiben die Online-Trends nicht ohne Wirkung auf die Druckbranche und ihre Produkte.

Beobachten Sie mal Jugendliche oder junge Erwachsene in einem Nahverkehrszug: viele haben ihr Handy in Griffweite und drücken alle paar Minuten auf die Tastatur oder auf den Touch Screen, um sich über Social Networks wie StudiVZ oder Facebook auszutauschen, Videos auf Youtube anzusehen oder Online-Games zu spielen. Junge Leute pflegen zunehmend eine Parallelkommunikation, die mit den bisherigen Gepflogenheiten nicht mehr viel zu tun hat.

Die Sorgen der Bild-Zeitung. Unser Mediennutzungs- und Kommunikationsverhalten ist einem rasanten Umbruch unterworfen. Kein Wunder, dass die großen Verlage alarmiert sind und nach Geschäftsmodellen für ihren Content und ihre Werbeplattformen suchen. Mit unterschiedlichen Ansätzen: Während etwa der Focus im Internet und – für Multimedia-Handys speziell aufbereitet – seine News kostenlos zur Verfügung stellt, spricht sich Springer-Chef Mathias Döpfner für die Bild-Zeitung vehement gegen eine kostenlose Handy-Applikation  aus. Aus gutem Grund: während in Deutschland in der Pause am Arbeitsplatz oder unterwegs an der Tankstelle kaum einer über einen stationären Internetzugang verfügt, hat mittlerweile fast jeder ein Handy dabei. Statistisch gesehen gibt es in Deutschland sogar eine Handyabdeckung von über 100 %. Statt in der gedruckten Zeitung ließen sich die Inhalte leicht auf dem Mobiltelefon lesen, zumal wenn es sich wie bei der Bild-Zeitung vorwiegend um kurze Texte und plakative Bilder handelt. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass kostenlose „Bild“-Inhalte über Multimedia-Handys den Verkauf des gedruckten Mediums beeinträchtigen würden. Mathias Döpfner weiß das nur allzu gut.

Mobiler Internetzugang. Die Basis für die neuen Handy-Applikationen ist eine Internet-Flatrate. Rund 50 % aller neu verkauften Mobiltelefone sind mittlerweile Multimedia-Handys mit entsprechendem Zugang zum World Wide Web. In wenigen Jahren wird fast jeder Deutsche über ein Handy mit einer permanenten Internetverbindung verfügen – mit ungeahnten Folgen: Wozu benötigt man noch ein Lexikon, wenn man Wikipedia in der Tasche hat? Wozu noch ein Vogelbestimmungsbuch in den Wald mitnehmen, wenn Sie dieselbe Funktion plus automatischer Vogelstimmenerkennung sowieso dabei haben? Alle nur denkbaren Anwendungen lassen sich mit Service- und Shop-Applikationen verbinden. Solchen Einsatzmöglichkeiten von Multimedia-Handys sind kaum Grenzen gesetzt.

Nun laufen wir beileibe nicht Gefahr, dass Print – von Einzelfällen abgesehen – durch Online ersetzt wird. Aber vielen Nutzern wird durch die Zunahme der Medien- und Kommunikationskanäle schlichtweg die Zeit fehlen, sich Printmedien in der gewohnten Weise zuzuwenden. Dennoch werden gedruckte Publikationen auch in einem zunehmend digitalen Medienumfeld ihren Stellenwert behalten.

Sehen wir uns an, wie es anderen Transportmitteln – im übertragenen Sinne ist Print ja nichts anderes als ein Transportmedium für Information und Unterhaltung – in der Vergangenheit ergangen ist: vor wenigen Jahrzehnten wurden Fahrräder, Motorräder oder auch Pferde stark in Frage gestellt. Und heute? In veränderter Form sind sie moderner denn je. Als Lifestyleartikel (Pferdefans mögen diese Sichtweise entschuldigen) sind sie äußerst begehrt. Und was kostet heute ein toll designtes Mountainbike, ein PS-starkes Motorrad oder ein vielseitiges Pferd? Eine ähnliche Entwicklung zu mehr Wertigkeit könnten auch Printmedien nehmen.

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