Warum sich Print gegenüber Onlinemedien behaupten wird


Print ist mehr Wert. Aber auf eines kann die Druckbranche setzen: der Wert der im Vergleich zu den flüchtigen Onlinemedien beständigen Printprodukte wird in einer von digitalen Medien mengenmäßig dominierten Landschaft nicht abnehmen. Ganz im Gegenteil: Je fragmentierter die digitale Medienwelt wird, umso werthaltiger werden Printprodukte. Slow Food statt Fast Food! Diesen hohen Wert unserer Produkte sollten wir als Branche bei all unseren Kontakten deutlich machen. Die Druckindustrie und seine Dienstleister haben keinerlei Grund, sich hinter vermeintlich „hippen“ neuen Medien zu verstecken.

Print ist nämlich alles andere als altbacken. Was bisweilen unmodern  rüberkommt, sind lediglich die eingefahrenen Anwendungen. Da viele Online-Applikationen gerade in der Entwicklung sind, kommt es hier zwangsläufig zu zahlreichen innovativen Produkten. Doch auch im Print werden derzeit enorm viele innovative Produkte auf den Markt gebracht, bei denen die Kunden mit der Zunge schnalzen. Wenn die Branche diesen Weg weiter beschreitet, und daran gibt es keinen Zweifel, können auch junge, onlineaffine Menschen durch Printmedien begeistert werden. Doch der Kampf um die Marketing- und Kommunikationsbudgets geht weiter. Die Online-Branche fährt dabei große Geschütze auf und weist immer wieder auf die Umweltbilanz der Druckindustrie hin. Als Branche sollten wir uns hier nicht eine verzerrte Ökologiedebatte aufdrängen lassen, sondern selbstbewusst darauf hinweisen, welch große Umweltbelastungen durch Milliarden Akkus, Bildschirmgeräte und Serverfarmen erzeugt werden. Es wäre ein Aufgabe der europäischen Druckverbände, hier eine Gegenposition zu den wortreichen Verlautbarungen der Internet- und Computerindustrie zu eröffnen.

Werbeprospekte auf dem iPhone 

Eine iPhone-Anwendung (neudeutsch: App oder Application), die keinen Rollendrucker und Tiefdrucker kalt lässt, wird seit kurzer Zeit kostenlos angeboten: unter „myprospekt“ erhält der Handybenutzer gängige Postwurfsendungen und Zeitungsbeilagen nicht mehr frei Haus, sondern gratis auf den Bildschirm. Ob von MediaMarkt, Ikea, Obi, Deichmann, Biomarkt, Edeka, Aldi, Lidl oder Toom – von zahlreichen Anbietern landen aktuelle Prospekte auf dem iPhone. Mit großem Aufwand wird die Application derzeit promotet. Dabei wird – wie leider in manchen Onlinemedien üblich – durchaus manipuliert: selbst für Nicht-Germanisten ist leicht erkennbar, dass die „überschwänglichen Kundenkommentare“ in großer Zahl aus ein- und derselben Feder stammen. Der Lobeshymnenschreiber sollte sich mal die Mühe machen, seine Formulierungen „Super App!“ und „Weiter so!“ zu variieren. Nichtsdestotrotz wird sich zeigen, welche Rolle bei dieser Art von Werbung das Handy spielen kann. Eine Ergänzung zum beständigen und wesentlich größeren Printprodukt kann myProspekt durchaus sein. Erste Regionalisierungen wie etwa „Angebote München“ lassen erahnen, wohin die Reise gehen könnte.

Erschienen in DD 30/2009

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