Welche Rolle spielt Print?


Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion sind sich einig, dass Printmedien nur durch eine Neuausrichtung am Markt in der Zukunft bestehen können. (V. l. n. r. ) Dr. Friedrich Wehrle, Motorpresse Stuttgart, Dr. Andreas Vogel, Wissenschaftliches Institut für Presseforschung und Medienberatung, Gerd Bergmann, Deutscher Drucker, Reiner Mittelbach, WAN-Ifra, und Jürgen Mühlfeit, Meyle + Müller.

Hochwertige Produkte. Der Markt steckt laut Hasenbeck noch in den Kinderschuhen, es könne deshalb viel bewegt werden. Dabei spiele das Storytelling eine große Rolle. „Man darf alles tun, nur nicht langweilen.“ Die Chance der Verlagsbranche liege darin, kleinere Zielgruppen op­timal mit hochwertigen Crossmedia-Produkten zu bedienen. „Die Zukunft gehört integrierten Medienkonzepten, die über Print-, Online- und Mobillösungen alle Communitys eines Unternehmens verbinden.“ Die Unternehmen haben laut Hasenbeck nur durch die Orchestrierung ihrer Medien eine Chance zu überleben. Der Kunde müsse dabei beraten werden, um effizienter und differenzierter kommunizieren zu können. Jetzt gebe es die Möglichkeit, für Print einen neuen Platz einzunehmen; diese sollte genutzt werden. Als Beispiel wie Print als Pushmaschine funktionieren kann, nannte Hasenbeck unter anderem die Einführungskampagne der C-Klasse von Mercedes-Benz. In einem Mercedes-Magazin wurde der neuen C-Klasse eine große Text- und Fotostrecke gewidmet. Die Titelstory findet sich, aus Print heraus navigiert, parallel im Netz. Ein eigener C-Klasse-Newsletter informiert online über Neuigkeiten. In einem interaktiven Film werden Details des neuen Fahrzeuges gezeigt. Zudem erläutert ein Video Podcast die Entstehung der C-Klasse in vier Episoden. Über eine SMS lässt sich ein Mobile Special mit Impressionen des Autos anfordern. Print alleine hätte laut Hasenbeck hier nicht mehr funktioniert, jedoch könne es als Push-Medium in eine neue Funktion eingebunden werden.

Wohin geht die Reise? In einer abschließenden Podiumsdiskussion wurde die Frage „Printmedium – wohin geht die Reise?“ beim Print Media Future Day behandelt. An der Diskussion nahmen Reiner Mittelbach, Joint CEO der WAN-Ifra, Dr. Friedrich Wehrle, Geschäftsführer der Motorpresse Stuttgart, Dr. Andreas Vogel, Leiter des Wissenschaftlichen Instituts für Presseforschung und Medienberatung, und Jürgen Mühlfeit, Leiter Sales von Meyle + Müller, teil. Geleitet wurde die Diskussion von Gerd Bergmann, stellvertretender Chefredakteur des Fachmagazins Deutscher Drucker. Die Teilnehmer waren sich einig, dass das Medium Print auch in Zukunft noch existieren wird. Es müsse jedoch eine Anpassung an die Herausforderungen des Marktes stattfinden.

Für Dr. Friedrich Wehrle ist vor allem die Rückbesinnung auf die Stärken von Print wichtig, wie auf hochwertige Qualität, Haptik und Kundennähe. „Wir haben vielleicht alle in den letzten 20 Jahren Produkte gemacht, die von Anzeigen finanziert wurden. Diese Zeiten sind vorbei.“ Der Fokus müsse auf das Erreichen von speziellen Leserschaften liegen. Zeitschriften wie die momentan erfolgreiche „Landlust“ seien authentisch und passten in eine spezielle Zielgruppe. „Neon trifft das Lebensgefühl einer Generation“, erklärte Wehrle den Erfolg eines anderen New­comers. Reiner Mittelbach ist der Meinung, dass Zeitungen sich marktsegmentspezifischer ausrichten müssen, um weiter eine wichtige Rolle spielen zu können. Dennoch sei auch die jetzige Situation nicht aussichtslos: „76  Prozent der Deutschen wollen auf ihre tägliche Zeitung nicht verzichten. Das ist nach wie vor der absolut dominante Sektor, wenn es um den Konsum von Informationen geht“, erklärt Mittelbach.

Für Mühlfeit ist Print noch lange nicht tot. „Ikea druckt 190 Mio. Exemplare seines Katalogs. Globetrotter hat 80 Prozent Bestellungen durch online, wovon 96 Prozent den Katalog zu Hause haben und ihn durchschmökern.“ Der Mix der Kommunikationskanäle ist für ihn jedoch die Zukunft. Print allein könne so nicht überleben. „Online, Mobile und E-Commerce wird unserer Ansicht nach 2012/15 eine der tragenden Säulen in unserem Unternehmen sein und unseren Prepress- und Mediabereich überholt haben.“

Dr. Vogel ist der Meinung, dass die Verlage die Kraft zum Wandel haben, wenn sie sich wieder auf den Leser besinnen, sich der Funktion einer Tageszeitung wieder klar werden und sich bei Zeitschriften auf Communitys stützten. Hinsichtlich Marketing und Kundenorientierung sei aber noch viel zu tun.

Erschienen in DD 42/09.

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