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Der Staat hilft durch die Flaute

Freie Zeit, auf die zumeist gern verzichtet würde: Kurzarbeiter erhalten auch weniger Lohn.

Kurzarbeit. In der Druckbranche haben im September 2009 etwa 1200 Betriebe rund 9700 Mitarbeiter in Kurzarbeit beschäftigt. Mit dem Beschluss des Bundeskabinetts vom November wird die Kampagne „Mit Kurzarbeit die Krise meistern“ fortgesetzt: Betriebe, die im Jahr 2010 Kurzarbeit einführen, zahlt die Bundesagentur für Arbeit bis zu 18 Monate lang Kurzarbeitergeld. DD erklärt, was Sie zur Kurzarbeit wissen müssen.

Für Druckereien, die im Jahr 2009 Kurzarbeit begonnen haben, gilt die Bezugsdauer von 24 Monaten – auch wenn der Betrieb nach wenigen Monaten wieder auf Vollzeit umgestellt hat.

Neun Monate lang hat beispielsweise eine bayerische Druckerei (deren Firmierung nicht genannt werden soll) kurz gearbeitet, inzwischen sind die rund 80 Mitarbeiter wieder in Vollzeit tätig. „20 Mitarbeiter aus allen Produktionsbereichen waren zeitweise von der Kurzarbeit betroffen“, teilt Ulrike Brand (Name von der Redaktion geändert) mit. Sie ist im Unternehmen für das Controlling zuständig. „In dieser Phase haben wir insgesamt rund 10000 Euro Zuschüsse von der Bundesagentur für Arbeit erhalten.“

Rechenbeispiel. Zahlt der Arbeitgeber einem Beschäftigten (verheiratet, Steuerklasse III, ein Kind, Kirchenmitglied) ein Bruttogehalt von 2500 Euro, fällt für die Sozialversicherung ein Arbeitgeberanteil von 493,13 Euro an. Die Personalkosten belaufen sich insgesamt auf 2993,13 Euro. Bei 50-prozentigem Arbeitsausfall und Einführung von Kurzarbeit betragen die effektiven Personalkosten in den ersten sechs Monaten nur noch 1674,07 Euro (55,93 %). Diese Summe setzt sich zusammen aus einem Bruttogehalt von 1250 Euro, dem Arbeitgeberanteil für Sozialversicherungen auf das Bruttogehalt von 246,57 Euro und dem Arbeitgeberanteil für Sozialversicherungen auf die Ausfallzeit von 373,50 Euro.

Auf Seiten des Arbeitnehmers ergeben sich folgende Veränderungen: Bei einem Bruttogehalt von 2500 Euro werden 126,94 Euro Steuer abgezogen und 513,13 Euro Sozialabgaben, sodass sich das Nettogehalt auf 1859,93 beläuft. Mit der Kurzarbeit reduziert sich das Bruttoeinkommen auf 1250 Euro. Nach Abzug der Sozialabgaben von 256,57 Euro bleibt ein Nettogehalt von 993,43 Euro. Dieses wird mit 565,10 Euro Kurzarbeitergeld auf 1558,53 Euro aufgestockt. Obwohl in diesem Beispiel die Arbeitszeit um 50 Prozent reduziert wurde, erhält der Mitarbeiter 83,80 Prozent seines ursprünglichen Lohnes.

Voraussetzungen. Um für einen oder mehrere Beschäftigte Kurzarbeitergeld zu beantragen, reicht der Nachweis eines Entgeltausfalls von mehr als 10 Prozent. Die Regel, dass mindestens ein Drittel der Belegschaft von einem Entgeltausfall betroffen sein muss, wurde im vergangenen Jahr ausgesetzt. Als entscheidende Bedingung führt die Controllerin Brand an: „Urlaub und Überstunden bei den Mitarbeitern, für die die Kurzarbeit gelten soll, müssen vollständig abgebaut sein“. Die Kooperation mit den Beratern der BA beschreibt sie als sehr entgegenkommend.

Mögliche Schwierigkeiten im Unternehmen lassen sich umgehen, indem die Bundesagentur für Arbeit (BA) und der Betriebsrat bereits bei der Planung der Kurzarbeit mit einbezogen werden. „Mit der BA und dem Betriebsrat von Anfang an im Boot, hatten wir vorab keine bürokratischen Hemmnisse“, konstatiert Egon Weimer, Geschäftsführer von Burda Druck in Offenburg. Die Druckerei ist ein Beispiel dafür, Kurzarbeit lässt sich auf einzelne Abteilungen beschränken. „Bei uns sind Kernbereiche wie Druck und Weiterverarbeitung nicht betroffen, in Kurzarbeit sind Mitarbeiter aus der Verwaltung, Repro und Formherstellung beschäftigt“, berichtet Weimer.

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