REACH: Was Druckereien darüber wissen sollten


Fertige Druckobjekte fallen nicht unter die REACH-Bestimmungen.

Grenzen von REACH. Gewerbliche und industrielle Anwendungen fallen unter REACH; der private Gebrauch von Lacken, Farben und Klebstoffen ist davon ausgenommen. Weiterhin bleibt es auf Chemikalien oder Mischungen von Chemikalien beschränkt. Das bedeutet, dass fertige Druckobjekte ebenfalls nicht unter das neue Chemikalienrecht fallen – was auch heißt, dass Drucksachen aus dem außereuropäischen Ausland eingeführt werden dürfen, selbst wenn die verwendeten Druckfarben nicht REACH-konform sind.

Problematische Stoffe. REACH sieht besondere Zulassungs-Beschränkungen für problematische Stoffe vor. In der so genannten Kandidatenliste (künftig im Anhang XIV des Gesetzes), die regelmäßig von der ECHA aktualisiert wird, sind Substanzen mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften aufgeführt (»Substances of Very High Concern«, SVHC). Sind diese Stoffe in einer Mischung enthalten, so müssen sie im Sicherheitsdatenblatt ausgewiesen werden. Enthält ein Erzeugnis – also letztlich auch eine Drucksache – mehr als 0,1 Prozent solch eines SVHC, so ist eine Information des Verbrauchers und unter Umständen der ECHA erforderlich. Glücklicherweise enthält die aktuelle Kandidatenliste keine Stoffe, die in Druckfarben eingesetzt werden.

Zusammenfassung. Druckereien sind gemäß REACH als nachgeschaltete Anwender anzusehen. Für alle Verbrauchsmaterialien, die Mischungen aus Stoffen sind (Druckfarben, Lacke, Feuchtmittelzusätze, Reinigungsmittel, Klebstoffe et cetera), werden im Lauf der nächsten Jahre zunehmend umfangreichere Sicherheitsdatenblätter erstellt werden. Die Druckereien haben zu prüfen, ob der vorgesehene Verwendungszweck eingehalten wird und dafür Sorge zu tragen, dass die vorgesehenen Sicherheits- und Arbeitsschutzmaßnahmen umgesetzt werden.
Rückfragen an Lieferanten, ob alle Verpflichtungen aus dem Regelwerk eingehalten werden, erübrigen sich: REACH ist geltendes Recht und wird von den Behörden entsprechend kontrolliert. Somit ergeben sich im Vergleich zur bisherigen Arbeitsweise für Druckereien keine wesentlichen Veränderungen.

Schlussbemerkung. Die REACH-Verordnung (EG) 1907/2006 weist im Amtsblatt der Europäischen Union einen Umfang von 851 Seiten auf. Ausführungsbestimmungen, Erläuterungen und Interpretationen zu REACH, die von Behörden, Verbänden und Instituten erstellt wurden, sind mittlerweile viele zehntausend Seiten stark. Daraus wird deutlich, dass dieser Beitrag nur einen groben Überblick über die komplizierte Materie geben kann.
Die Flint Group hat eine Broschüre zum Thema REACH herausgegeben, die unter der E-Mail-Adresse info@flintgrp.com angefordert werden kann. 

REACH in der Praxis 

Im Schaubild am Anfang dieses Artikels finden sich folgende Begriffe und Abkürzungen und ihre Bedeutungen:

  • CMR 1, 2:  kanzerogen (krebserregend), mutagen (erbgutverändernd) oder reproduktionstoxisch (fortpflanzungsgefährdend), Kategorie 1: Beim Menschen nachgewiesen, Kategorie 2: Bei Tieren nachgewiesen, wird beim Menschen vermutet.
  • N, R50/53:  Sehr giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben.
  • Nicht-Phase-in-Stoffe:  Neue Stoffe,die nach Inkrafttreten von REACH in der EU hergestellt oder in die EU importiert werden.
  • Phase-in-Stoffe:  Stoffe, die in der EU oder in der am 1. Januar 1995/1. Mai 2004 der EU beigetretenen Länder hergestellt wurden, die aber nicht in den 15 Jahren vor Inkrafttreten der REACH-Verordnung in Verkehr gebracht wurden (zum Beispiel Stoffe, die der Forschung und Entwicklung dienen).
  • Stoff:  Chemisches Element und seine Verbindungen in natürlicher Form oder gewonnen durch ein Herstellungsverfahren, einschließlich der zur Wahrung seiner Stabilität notwendigen Zusatzstoffe und der durch das angewandte Verfahren bedingten Verunreinigungen – mit Ausnahme von Lösungsmitteln, die vom Stoff problemlos abgetrennt werden können.

Autor: Dr. Erich Frank
Erschienen in DD 37/2009

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