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Unterstützt oder Entmündigt?

EU-Initiativen haben die Druckindustrie im Visier

Roto-Smeets-Chef John Caris ist bekannt dafür, vernehmbar für die Druckbranche zu trommeln. Hier ist er allerdings neben dem großen Gong der Börse Euronext in Amsterdam zu sehen, mit dem Caris am 8. Mai 2009 den Börsenhandel einleiten durfte.

Dass Gelder aus Fonds der Europäischen Union in den Aufbau von Druckbetrieben fließen, ist nichts Neues. Seit Jahren kämpfen sowohl Manager aus Großunter­nehmen, vor allem aber Gewerkschafter dafür, dass die Restrukturierung der Branche – sprich der Abbau von Kapa­zitäten – durch Brüssel ebenfalls begleitet und gefördert wird.

Seit Mitte Juli 2010 liegt nun ein ganz konkretes Papier vor, das die EU-Gremien auffordert, sich aktiv in die Restrukturierung der europäischen Druckindustrie einzumischen.
Formuliert wurde es seit Juli 2009 durch eine zwölf Mann zählende Fachgruppe innerhalb des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA), einer in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannten aber durchaus einflussreichen Brüsseler Institution. Das mehr als 150-köpfige EWSA-Plenum hat die „Stellungnahme“ nun nahezu einmütig durchgewinkt und an die EU-Kommission überwiesen. Unter dem Titel „Für eine EU-Politik zur Sanierung der Rollenoffset- und Tiefdruckindustrie in Europa“ heißt es darin unter anderem:
„Die europäischen Rollenoffset- und Tiefdruckunternehmen [befinden sich] in einer äußerst schwierigen Lage, die sich langfristig noch verschlimmern könnte, wenn die Entscheidungsträger nicht zusammen mit den anderen Beteiligten unverzüglich konzertierte Maßnahmen einleiten. Die Sozialpartner sind unabhängig voneinander zu der Schlussfolgerung gelangt, dass der Sektor neu organisiert und umstrukturiert werden muss, wenn seine nachhaltige Entwicklung langfristig gesichert werden soll.
Ohne Zweifel wird es in den nächsten zehn Jahren zu weiteren Rationalisierungen kommen, die mit Entlassungen erheblichen Umfangs einhergehen werden. Die Sozialpartner sind daher der Ansicht, dass nunmehr Initiativen ergriffen werden müssen, um dafür zu sorgen, dass die Krise, in der sich der Sektor befindet, im besten Interesse der Arbeitgeber und Arbeitnehmer bekämpft und überwunden wird.
Angesichts des Ausmaßes der Krise prüfen die die Arbeitnehmer vertretenden Gewerkschaften derzeit die Folgen und versuchen konstruktive Strategien zu erarbeiten, um Arbeitsplätze zu erhalten, Umschulungen zu planen, die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zu verhindern und das Lohnniveau aufrechtzuerhalten.“

Mehrere Initiativen. Diese EWSA-Stellungnahme ist das sichtbarste Ergebnis diverser Initiativen, die derzeit da­rauf abzielen, die  Konsolidierung der europäischen Druckindustrie, in „geordnete“ Bahnen zu lenken. Darin wird ein „planmäßiges und koordiniertes Vorgehen der Sozialpartner“ gefordert sowie ein „konzertiertes Vorgehen“, um Überkapazitäten abzubauen. Auch eine Ar­beitszeitverkürzung solle in Betracht gezogen werden.

  • Parallel zur EWSA-Initiative existiert ein –  von der EU-Kommission bezuschusstes – Projekt, in dessen Rahmen sich die Druck- und Medienverbände verschiedener europäischer Länder mit den Gewerkschaftsorganisationen über Wege verständigen wollen, wie Druckunternehmen „sozialverträglich restrukturiert“ werden können. Dazu haben unter anderem zwei Workshops in Mailand stattgefunden, bei denen die Situation einerseits in Groß-, andererseits jene in kleinen und mittelständischen Unternehmen beleuchtet wurde. Die Projektergebnisse sollen im November 2010 in Brüssel bei einer Konferenz vorgestellt werden.
  • Auf Unternehmerseite hat sich in jüngster Vergangenheit der Vorstandsvorsitzende des börsennotierten niederländischen Tiefdruckunternehmens Roto Smeets, John Caris, hervorgetan. Caris, der auch Vorstandsmitglied der Tiefdruckvereinigung ERA ist, hatte bereits im November 2008 Vertreter der „EU-Generaldirektion Unternehmen“ zu einem Gespräch mit Spitzenmanagern aus Druckereien und der Zulieferindustrie eingeladen. Zu den Teilnehmern gehörten damals unter anderem die Spitzen von Bertelsmann Arvato, Polestar und St. Ives. Auch die CEOs von Flint, Manroland und Siegwerk saßen am Tisch sowie Vertreter von Stora Enso, UPM Kymmene und Kodak. Im Januar 2009 trafen sich auf Caris’ Initiative Unternehmer und Gewerkschafter – unter ihnen der Grieche Nicola Konstantinou, seit 2003 Sekretär des Gewerkschaftsdachverbandes Uni Europa Graphical mit Sitz in Genf.
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