„Ihre Hausaufgaben müssen die Unternehmer selbst erledigen“


„Banken müssen vor allem Unternehmen mit einem klaren Konzept und einer soliden Führung unterstützen – auch wenn es mal einen Einbruch gibt.“ Roland Ort (l.), REM Plus GmbH

Fritz: Ist die Bank heute ein Freund? Stimmt das so?

Peter Dilger: Ich halte Diskussionen mit Bankenvertretern wie ich mein Geschäft zu führen habe, für nicht förderlich. Meine Aufgabe besteht vielmehr darin, mein Geschäft in die Sprache des Bankers zu übersetzen. Denn nur so kann der Banker meine Finanzierungsfragen beantworten. Ich brauche seine Finanzberatung. Es hilft niemandem weiter, wenn es bei einem Misserfolg heißt: Ja, wenn wir das gewusst hätten. Jeder muss den anderen verstehen. Diese Finanzkommunikation ist extrem komplex und auch kompliziert. Von strategischen Diskussionen unter Freunden oder Partnern habe ich längst Abstand genommen. Banken haben doch gar nicht die Zeit und das Interesse für langatmige Diskussionen. Sie erwarten, dass ich bei Störungen von mir aus gegensteure. Ich muss mein Geschäft so übersetzen, dass der Banker andocken kann. Hier liegt ein großes Problem: Mittelständler haben nicht die personellen Kapazitäten wie ein Großunternehmen, um Fachleute zu beschäftigen, die wie Banker denken. Und so verstehen die Banker nicht, was der Unternehmer meint, und der Unternehmer nicht, was Banken sagen. Man redet aneinander vorbei. Vielleicht liegt hier eine Chance für externe Berater, zwischen diesen beiden Welten zu vermitteln.

Michael Medweth: Banker sind aktuell viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Da kommt nichts Pro-aktives von den Banken. Warum eigentlich nicht? Warum wird dies allein von uns verlangt? In einem Bankengespräch wurde ich in ein Rating mit 300 Druckereien einbezogen. Was soll das? Meine Strukturen sind maximal mit 20 Wettbewerbern in Deutschland zu vergleichen. Insgesamt hat die Branche vielleicht 80 Rotationsdruckereien. Die Rendite wurde so ziemlich falsch beziffert. Ich habe das Gespräch abgebrochen und um eine bessere Vorbereitung für ein neues Gespräch gebeten. Wenn Entscheidungen auf Auswertungen beruhen, die nicht zutreffend sind, dann sind die Ergebnisse fatal. Mein Eindruck ist, dass in den Banken die Angst umgeht. Besser, man macht nichts, dann macht man auch nichts falsch. Die Mitarbeiter fahren mit angezogener Bremse.

Karsten Helber: Den kritischen Statements der Industrie muss ich mich als Vertreter einer Mittelstandsbank stellen. Hier sind eine Menge an Vorwürfen im Raum. Fakt ist, dass die Beratung der einzelnen Banken in den vergangenen Jahren eher produktgetrieben, denn an den eigentlichen Bedürfnissen der Unternehmen ausgerichtet war, wie es sich für Banken als Dienstleistungsunternehmen eigentlich gehört. Aber die Kunden haben die Angebote andererseits akzeptiert, und die Banken in  ihrem Handeln leider zumindest oberflächlich bestätigt. Die Bankenbranche muss wieder zu einem kundenorientierten Ansatz finden und sich vom reinen Produktvertrieb lösen.

Fritz: Liegt das mangelnde Wissen um die wirklichen Interessen von Firmenkunden an mangelnder Kundennähe?

Helber: Aus meiner Sicht ganz sicher nicht. Ich besuche pro Jahr rund 170 Unternehmen aus verschiedensten Branchen und davon mindestens fünf regelmäßig aus der Druckbranche. Da sieht und erfährt man in der Summe eine Menge. Hinzu kommt, dass mein Kreditinstitut als klassischer Mittelstandsfinanzier ständigen Kontakt zu etwa 12000 Unternehmen pflegt, deren Daten anonym verdichtet und ausgewertet werden. Da kommt in Kombination mit unserer volkswirtschaftlichen Abteilung schon einiges an Branchen-Expertise zusammen und ist somit auch für die einzelnen Firmenbetreuer neben der eigenen Erfahrung wissensmäßig greifbar. Wenn der Vorwurf stimmt, dass der Abstand zu den Firmenkunden zu groß ist, dann muss branchenweit schnellstens daran gearbeitet werden, um die gegenseitige Vertrauensbasis und Partnerschaft auf Augenhöhe wieder herzustellen. Vielleicht ist aber auch die Erwartungshaltung an die Banken einfach zu hoch, zumindest kann man das auch hier zur Diskussion stellen.

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