„Ihre Hausaufgaben müssen die Unternehmer selbst erledigen“


„Meine Strategie ist, mit den Banken in regem Informationsaustausch zu stehen.“ Gerd Staehle, Henkel GmbH

Wolfgang Schreiner: Ich habe Schwierigkeit zu verstehen, worum es eigentlich geht. Mein Chef hat früher immer gesagt: Krisen gibt es immer. Und dann hat er sein Konto angeschaut und entschieden, was zu tun ist. Neue Maschinen anschaffen? Nicht in der Liquiditätskrise. Wichtig ist immer die Strategie. Unser Unternehmen konzentriert sich auf den Beilagendruck auf High-Volume-Maschinen und dies für wenige Handelskunden. Für Zahlenspiele und Ratings habe ich keine Zeit.

Roland Ort: Und wenn die Rechnung gesamtwirtschaftlich nicht aufgeht? Die Banken müssen die gesamte Entwicklung der Druckbranche kritisch beleuchten und hinterfragen. Es kommen aktuell zwei Entwicklungen mit negativen Ausprägungen zusammen. Zum einen die Wirtschafts- und Finanzkrise, die unheimlich viele Branchen und Unternehmen trifft. Zum anderen die Strukturkrise der Branche selbst. Natürlich lässt sich aktuell Vieles auf die Wirtschafts- und Finanzkrise „abwälzen“, nur die strukturelle Krise der Branche mit ihren massiven Überkapazitäten und dem daraus resultierenden Preisverfall ist ein „hausgemachtes“ Problem, das sich nun schon über viele Jahre aufgebaut hat. Zweifelsfrei trägt jetzt die allgemeine Wirtschaftkrise dazu bei, dass sich die negative Entwicklung in der Branche verstärkt. Die Branche wird sich nicht durch neue, schnellere und produktivere Technik konsolidieren können. Das  Gegenteil  wird  eintreffen. Wer die Druckbranche kennt, weiß, dass es genug Ressourcen am Markt gibt. Es fehlt der Markt, nicht neue Technik. Das war vor zwei Jahrzehnten vielleicht noch völlig anders. Da war moderne, schnelle Technik ein wirkliches Differenzierungsmerkmal am Markt und sie wurde auch vom Kunden honoriert. Es werden von den Banken Finanzierungen in neue Maschinen und Technologien „abverlangt“. Und dies in einer Branche, in der man sich schon freut, wenn die Unternehmen Jahresergebnisse von Null realisieren. Vielleicht ist die aktuelle Wirtschaftskrise auch eine Chance für die Branche, indem sie sich neu orientieren und aufstellen kann. Die Bereinigung wäre über kurz oder lang definitiv gekommen. Die Frage muss lauten: Was können wir – Banken, Drucker, Berater – gemeinsam tun, um die Branche neu ausrichten zu können?

Gerd Lutzeier: Die Banken kennen die Überkapazitäten und haben sie mit finanziert. Warum haben sie immer neues Geld in den sehr schwierigen Markt gepumpt? Heute ist eine durchgehende Vollauslastung erforderlich, um die Leasingraten vor allem der großen Aggregate bedienen zu können. Dies beschleunigt zusätzlich den Prozess des Preisverfalls der industriellen Druckprodukte.

Medweth: Auch die Subventionspolitik gehört auf den Prüfstand. Die Gelder sind in den Osten geflossen und im Westen werden die Arbeitsplätze abgebaut. Das ist doch volkswirtschaftlicher Unsinn.

Guy Selbherr: Diese Art der Subventionspolitik sehe ich auch kritisch, obwohl unsere Bürgschaften richtigerweise nicht Subventionen darstellen. Aber wo fängt der Staat mit Subventionen an und wo hört er auf. Werden Branchen von der Subventionsvergabe ausgeklammert, heißt es von den Lobbyisten sofort: Warum erhalten wir keine Gelder?

Fritz: Allen generellen Problemen zum Trotz ist auf der geschäftlichen Ebene eine gute, offene Kommunikation zwischen Bank und Unternehmen wesentlich für die frühzeitige Problemerkennung und Problemvorbeugung. Das hört sich einfach an. Was tue ich aber als Unternehmer, wenn die Bank immer wieder anruft?

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