„Ihre Hausaufgaben müssen die Unternehmer selbst erledigen“


Die Druckunternehmer (rote Punkte) sehen ihre Branche wesentlich optimistischer als die Vertreter der Banken (blaue Punkte).

Francisco Martinez: Ich muss den Banken das geben, was sie erwarten. Transparenz hinsichtlich der Zahlen, Daten und Fakten. Und ich muss mich so definieren, dass ich den Banken gefalle. Als unser Unternehmen eine GmbH war, hatte es ein ziemlich schlechtes Rating. Wir haben uns dann in eine AG umgewandelt. Und siehe da! Obwohl sich faktisch nichts geändert hatte, verbesserte sich unser Rating.

Robert Ostler: Das Arbeiten mit Ratings ist das Geschäft der Banken. Die Rechtsform einer AG verbessert das Rating und die Bank kann sich als Kapitallieferant neu aufstellen. Der Schein ist oft wichtiger als der Inhalt.

Gerd Staehle: Auch in den GmbHs nimmt die Transparenz zu. Dafür sorgt allein der e-Bundesanzeiger. Früher haben die Inhaberfamilien die Zahlen wie ihren Augapfel gehütet. Heute erwarten die Stakeholder Transparenz, Mitarbeiter wie Lieferanten und natürlich auch die Banken. Meine Strategie ist, mit den Banken in einem regen Informationsaustausch zu stehen. Auf diese Weise tut man sich leichter, wenn man eine Hausbank hat, die ihrer Rolle gerecht wird.

Späth: Absolut richtig. Banken wollen Sicherheit hinsichtlich ihrer Kredite. Solange die Rückzahlungen geleistet werden, ist alles gut. Banken erwarten, dass sich der Kunde  – auch in guten Zeiten –  Gedanken gemacht hat, wie lange er eine mögliche Durststrecke durchhalten kann, wie er sein Risikomanagement verbessern kann, wie flexibel die Kostenstrukturen sind, und welche Möglichkeiten es gibt, Produktionsprozesse besser zu gestalten. Das Unternehmen sollte verschiedene Szenarien entwickeln und diese Szenarien mit seiner Bank durchgehen und klären, welchen Beitrag er von der Bank erwartet.

Fritz: Ich möchte Sie bitten, ein Statement abzugeben. Wie stellt sich die Situation der Druckbranche aus Ihrer Sicht dar? Die Bankenvertreter kleben bitte einen blauen Punkt auf die „Erfolgskurve“. Die Druckunternehmer möchte ich bitten, die Situation ihres Unternehmens mit einem roten Punkte auf der Erfolgskurve zu markieren. (Ergebnis siehe Abbildung Seite 13 oben.)

Die Klebepunkte zeigen ein unterschiedliches Bild. Die Bankenvertreter sehen die Branche in einer sehr ernsten Situation, die Druckunternehmer sind offensichtlich überzeugt, für ihre Unternehmen über die erforderlichen Instrumente zu verfügen, um sich gegen den Abschwung zu wehren.

Schreiner: Solange ich denken kann, gibt es Überkapazitäten.

Fritz: Was meinen die Bankenvertreter?

Späth: Es gibt keinen Grund zur Panik. Die Druckindustrie verfügt im Vergleich zu anderen Branchen über einen entscheidenden Puffer. Durch einen hohen Cash Flow ist man kurzfristig wenig angreifbar.

Helber: Man muss trotzdem wachsam sein. Panik ist nicht angebracht. Der Geschäftsklimaindex der Druckindustrie liegt regelmäßig unter dem durchschnittlichen Geschäftsklimaindex des verarbeitenden Gewerbes, auch in der Hochkonjunktur. Das hat Tradition. Interessant ist, dass diese grundsätzliche branchentypisch eher negative Einschätzung sich hier bei den Vertretern der Branche  nicht in derselben Weise verhält.

Ostler: Wir müssen die Druckbranche differenziert betrachten. Es dominieren gewerbliche Strukturen. Die Organisation ist handwerklich und nicht industriell. Entsprechend wird gedacht, geplant und gehandelt. Mehr als 70 % der Unternehmen haben weniger als zehn Mitarbeiter. Da kann ich nicht die gleiche Professionalität erwarten wie bei einem mittleren oder großen Unternehmen.

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