Interdisziplinarität: Was Druckereien von anderen Branchen lernen können


 

Der Autor Michael Hack.

Experten-Dialog

 Bei der interdisziplinären Herangehensweise entsteht ein Dialog mit Experten unterschiedlichster Bereiche, der wesentlich wertvoller ist. Wenn Sie nun eine oder mehrere Problemstellungen erkannt haben, können Sie Lösungen gemeinsam in ihrem interdisziplinären Team erarbeiten. So gehen viele Unternehmen inzwischen vor. Nun wird der eine oder andere zu Recht einwenden, dass in einer klein-mittelständischen Druckerei kein interdisziplinäres Team Platz hat und auch nicht bezahlt werden kann. Natürlich ist das so einfach nicht möglich. Viele kleinere Unternehmen holen sich deshalb Innovationsteams von außen. Die ein Projekt bearbeiten und dafür nach vorheriger Vereinbarung honoriert werden. Manch fortschrittliche Hochschulen haben auch das Thema realer Projekte in ihre Lehrpläne aufgenommen und bieten eine Zusammenarbeit mit interdisziplinären studentischen Teams innerhalb eines Semester­projekts an.

Neuer Nutzen

Wenn Sie sich vorab auf eine klar definierte Zielgruppe einigen, dann können aus einem derartigen Projekt sehr viele Ideen gewonnen werden. Wichtig ist, das Geschäftsmodell, das sich daraus ergibt, nach allen Bereichen zu durchdenken.
Zu Beginn geht es darum, Ihren Kunden einen neuen, einzigartigen Nutzen zu bieten. Etwas, was so in dieser Form oder dieser Kombination keine andere Druckerei bietet. Daraus können Sie dann eine Kundenbeziehung aufbauen, die einzigartig ist. Ihr Team sollte in der Folge klären, welche Art der Beziehung sie für jedes Kundensegment etablieren wollen. Die Bereiche der Beziehung reichen von persönlich bis zu automatisiert. Die Kundenbeziehungen werden möglicherweise durch die unterschiedlichen Motivationen ge­trieben: Kundengewinnung, Kundenpflege und langfristige Kundenbindung. Jede dieser Motivationen erfordert sicherlich auch eine ganz andere Kundenansprache und Werbestrategie.

Für Sie ist entscheidend, dass Sie die Idee „skalieren“ können. Das heißt, wenn Sie diese Idee nur einem Kunden anbieten, ist das meist nicht sehr lukrativ für Sie und Ihr Unternehmen. Wenn die gleiche Idee für viele Ihrer Kunden interessant ist, dann lohnt sich das. Überlegen Sie sich, welche Aktivitäten Sie unternehmen müssen, um zum Ziel zu kommen, welche Ressourcen Sie dazu aktivieren müssen. Und das alles unter dem Gesichtspunkt: Was gebe ich aus, und was kann ich verdienen? Spätestens jetzt wird klar, wie wichtig es ist, derartige Aufgabenstellungen in inter­disziplinären Teams zu erarbeiten.

Kein Mensch kann eine derartige Vielfalt von Bereichen beherrschen. Darin liegt meist das Problem. Deshalb sind Unternehmen, die nicht interdisziplinär denken und arbeiten, auch sehr einseitig ausgerichtet. Meist richtet man sich nach dem „Mainstream“. Es besteht die Annahme, dass da, wo sich viele tummeln, auch viel Geschäft zu machen ist. Aber genau das ist tödlich in einem Verdrängungsmarkt, wie dem der Druckindustrie. Hier trifft es die so genannten „Me too”-Druckereien als Erste, die also, die eben keine Strategie der Einzigartigkeit haben.

Der Autor Michael Hack ist geschäftsführender Gesellschafter der Münchner Unternehmensberatung Estampado GmbH mit den Schwerpunkten Strategie, Marketing, Kommunikation und Verkaufsförderung für Druckereien. Er zeichnet am Entrepreneurship-Center der Hochschule München verantwortlich für die strategische Entwicklung, fördert junge, innovative, interdisziplinäre Start-up-Unternehmen und hält einen Lehrauftrag für Gründungsmanagement an der Hochschule.
E-Mail: michael.hack@druckereimarketing.de

Erschienen in DD 1/2013

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Leserkommentare (1)

Oskar | Dienstag, 29. Oktober 2013 12:26:01

Kundenbindung wichtiger denn je

Genau in diese "Kerbe" haut dieser Beitrag, der einen Weg aufzeigt:

http://www.print.de/News/Produkt-Technik/ERP-und-CMP-System-osRetail-Open-Source-_4276

Eine Möglichkeit für Kundenbindung und sogar als OpenSource

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